Über 3,09 Millionen Arbeitsplätze sind seit September 2019 durch Insolvenzen verloren gegangen. Das zeigt die tägliche Aufstellung von Egon W. Kreutzer. Besonders bitter: In den letzten Monaten trifft es wieder viele alte, traditionsreiche Firmen.
Von Meinrad Müller
Kein Unternehmer geht diesen Schritt freiwillig
Wenn ein Betrieb nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten aufgeben muss, weil die Kosten für Energie, Löhne und Vorschriften die Einnahmen längst übersteigen und die Aufträge ausbleiben, löst diese eine Kaskade aus. Hat der Unternehmer auch noch mit seinem Privatvermögen für seine Firma gehaftet, ist nicht selten auch die Privatinsolvenz die Folge. Eine der größten Sorgen ist dabei der Verlust der privaten Krankenversicherung. Übersehen wird dabei jedoch, dass keine private Krankenversicherung den Kunden einfach hinauswerfen darf. Seit 2009 rutscht der Kunde in den Basistarif, welcher der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Diese Kosten übernimmt das Jobcenter.
Traditionsfirmen und große Namen in großer Not
Hofbrauhaus Wolters, Braunschweig (gegründet 1627): Nach fast 400 Jahren Brautradition Insolvenz beantragt. 120 Mitarbeiter betroffen.
Warsteiner gibt die Standorte in Herford und Paderborn auf. 211 Jobs verloren.
Varta, Nördlingen: Die bekannte Batterie-Firma verliert einen Großkunden und muss das Werk schließen. Weitere 200 Jobs gehen verloren (nach früheren Streichungen).
Playmobil, Dietenhofen: Die Herstellung der bekannten deutschen Spielzeugfiguren wird hier eingestellt. 350 Arbeitsplätze gehen verloren.
Himolla Polstermöbel, Taufkirchen: Großer bayerischer Möbelhersteller im Sanierungsverfahren. Rund 2.000 Beschäftigte insgesamt, 850 am Stammsitz.
Wachsmuth & Krogmann, Hamburg: Handelshaus mit fast 230 Jahren Tradition – insolvent.
WMF, Geislingen: Traditionsfirma für Haushaltswaren baut rund 350 Stellen ab.
Voith, Heidenheim: Großes Familienunternehmen im Maschinenbau baut 2.500 Stellen ab.
Festo, Esslingen: Bekannter Automatisierer streicht in Deutschland 1.300 Jobs.
Hellweg: Baumarktkette mit Insolvenz – bis zu 2.900 Jobs betroffen.
Weitere schwere Schläge gab es bei Mahle, Porsche, Stoll (Strickmaschinen), Trützschler (Textilmaschinen), Lampe (Bäckerei-Kette) und vielen klassischen Mittelständlern aus Maschinenbau, Papier und Autozulieferung.
Dazu kommen große Stellenstreichungen bei VW (bis zu 100.000 Stellen weltweit im Gespräch), BMW, Evonik und anderen bekannten Namen.
Schwerer Verlust für Deutschland
Viele dieser Firmen waren nicht nur Arbeitgeber. Sie gehörten zur Heimat, prägten ganze Regionen und waren jahrzehntelang verlässliche Steuerzahler. Wenn sie verschwinden, bleiben tiefe Lücken zurück. Die Aufstellung von Kreutzer zeigt keinen kurzen Rückschlag – sondern einen anhaltenden Abbau ganzer Branchen, die früher das Rückgrat der deutschen Wirtschaft waren.
Hilfe von Opfern
Und mitten in dieser schweren Zeit bilden sich Arbeitskreise, in denen Unternehmer mit Insolvenzerfahrung ihren Kollegen Erfahrungen weitergeben. Eine App „Happy Insolvenz mit KI“ ist in Vorbereitung.
Aktuelle Daten zum Weinen
https://egon-w-kreutzer.de/jobwunder-deutschland-2
Meinrad Müller Blog: www.info333.de/p



