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Trichet in Panik | Drucken |
15.05.2010

EZB-Präsident Trichet vergleicht Situation des Euro-Raums mit Lehman-Pleite. „Wir erlebten und erleben dramatische Zeiten“. „Quantensprung“ von Regierungen gefordert. "Schwierigste Situation seit dem Zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar seit dem Ersten.“

 

 

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), vergleicht die Situation des Euro-Raums Ende vergangener Woche mit der Zeit kurz nach dem Ausbruch der Finanzkrise: „Die Märkte funktionierten nicht mehr, es war fast wie nach der Lehman-Pleite im September 2008.“

Man befinde sich „zweifelsohne“ noch immer „in der schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar seit dem Ersten“, sagte Trichet in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Und weiter: „Wir erlebten und erleben wirklich dramatische Zeiten.“ Im Markt bestehe „immer die Gefahr einer Ansteckung“, so Trichet weiter. „Und es kann extrem schnell gehen, manchmal innerhalb weniger Stunden.“

Der EZB-Präsident fordert jetzt „einen Quantensprung in der gegenseitigen Überwachung der Wirtschaftspolitik in Europa“. Es brauche „wirksame Sanktionen bei Verstößen gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt“, sagte er in dem SPIEGEL-Gespräch.

Die EU-Regierungschefs hätten am vorvergangenen Freitag umfangreiche Sparprogramme zugesagt. „Sie haben sich verpflichtet, die Konsolidierung der Haushalte zu beschleunigen. Sie wissen, was auf dem Spiel steht“, so Trichet, der zugleich die Unabhängigkeit seiner Institution vehement verteidigte: „Mitnichten haben wir den Staats- und Regierungschefs nachgegeben. Bei unserer Entscheidungsfindung fließt allein unsere eigene Beurteilung der Situation ein. Wir hören nicht auf die ,Empfehlungen‘ der Regierungen, Märkte und Tarifparteien“, sagte der EZB-Präsident zu der umstrittenen Entscheidung der EZB, erstmals Anleihen bedrängter EU-Staaten aufzukaufen.

Nicht die EZB sei schwach gewesen, sondern die Regierungen mit ihren hohen Schulden. Eine inflationäre Wirkung dieser Maßnahmen leugnete er. „Wir schöpfen die zusätzliche Liquidität wieder vollständig ab, jeden einzelnen Euro“, versprach er.

Trichet trat zudem dem Eindruck entgegen, dass sich die Geldpolitik geändert habe: „Wir haben nie eine Sekunde gezögert, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um Preisstabilität zu gewährleisten.“

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