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Roubini: Staatsbankrott und Inflation
Von: MM   
29.05.2010

Prognose-Legende Nouriel Roubini sieht schwarz für die Zukunft: "Die zweite Welle der Finanzkrise rollt auf uns zu". In den kommenden drei Jahren droht der Welt eine tiefe Deflation. Anschließend folgt die Inflation.  MMnews traf den Wirtschaftsprofessor in Frankfurt.

Bild Nr. 29448 - 3 mal gesehen

Nouriel Roubini und Michael Mross in Frankfurt


Schon 2006 sah der New Yorker Wirtschaftsprofessor die Finanzkrise in ihrer katastrophalen Tragweite voraus. Damals wurde Nouriel Roubini noch belächelt. Doch was dann geschah, übertraf selbst die finstersten Voraussagen. Nun sagt Roubini voraus: Die zweite Welle der Finanzkrise ist im Anmarsch – mit verheerenden Folgen.

Roubini war für ein paar Stunden in Frankfurt, wo er sein neues Buch vorstellte: „Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft“. MMnews hatte dabei Gelegenheit, das Thema „Krise“ mit dem Wirtschaftsexperten zu vertiefen.

Wie geht es nun weiter? Auch für die kommenden Jahre gibt Roubini keine Entwarnung. Er prophezeit sogar, dass es noch schlimmer kommt. Seiner Meinung nach werden derzeit die Fundamente für eine noch größere Blase gelegt. Doch diese Bombe werde erst später hochgehen.

Ich wollte von Roubini wissen, ob er die derzeitigen und zukünftigen Probleme nicht als eine zwangsläufige Folge des Geldsystems ansehe, welches auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen sei, die Schuldenmenge zu erhöhen. Befinden wir uns damit nicht in einer Sackgasse?

Roubini antwortete darauf ausweichend. Das Thema „Geldsystem“ scheint offenbar nicht auf seinem Radar zu sein. Vielmehr führte er die Krise auf eine typische Bubble zurück, welche auf unverantwortliche Weise von Banken und Notenbanken erzeugt wurde, in dem diese Billionen an Krediten für fragwürdige Investitionen verteilten.

Seiner Meinung nach sei die Krise nur entstanden, weil die Anforderungen für Kredite heruntergeschraubt wurden und das Geld in Konsum oder überbewertete Immobilien geflossen sei. Die Frage, ob das Geldsystem nicht ausgerechnet eine solche Fehlallokation erzwinge, blieb unbeantwortet.

Die Finanzkrise ist demnach für Roubini nicht etwa eine existenzielle Geldsystemkrise, sondern eine typische „Finanzkrise“, das Platzen einer Blase, wie wir sie seit der großen Tulpenspekulation oder der South Sea Bubble  schon oft gesehen hätten.

Im weiteren Verlauf der Finanzkrise 2.0 prognostiziert Roubini den möglichen Staatsbankrott westlicher Industrienationen. Auf die Frage, wie dieser verhindert werden könne, ermahnte er die Staaten zu sparen und das Monetarisieren von Schulden einzustellen. Ob damit aber nicht gleichzeitig der Weg in den deflatorischen Crash drohe, diese Frage blieb offen.

Sein Rezept: Banken dürfen Kredite nur ausgeben, wenn das Geld in die Produktion fließt und damit das Wirtschaftswachstum gesteigert werden kann. Die Krise sei ausgelöst worden, weil das Gegenteil passierte.

Für die nächsten drei Jahre sieht Roubini schwarz. Zunächst rechnet er mit einer harten Deflation. Kapazitätsüberhänge, Arbeitslosigkeit, Angst um Jobs, steigende Produktivität und geringere staatliche und private Ausgaben würden in eine schwere Deflation führen – prognostiziert Roubini. In diesem Ambiente sieht er die Kurse für Aktien, Rohstoffe aber auch Immobilien einbrechen.

Auf mittlere Sicht befürchtet Roubini allerdings eine starke Inflation. Zwar würden die Banken das Geld derzeit nicht „rausrücken“, aber der Zeitpunkt wird kommen, wenn die aufgestaute „Mauer des Geldes über Güter und Dienstleistungen hereinbricht“.


Die monetäre Basis der Banken steigt und bildet ein explosives Gemisch. Staaten und Zentralbanken würden immense Geldbeträge drucken, welche auf jeden Fall bald auch ihren Weg in den Wirtschaftskreislauf finden würden. Wie hoch die Inflation dann ausfallen würde, könne man jetzt noch nicht sagen, so Roubini. Fakt jedenfalls sei, dass dann eine noch größere Blase platzen würde.

Zum Thema Euro / Dollar bemerkte Roubini, dass der Dollar „weniger hässlich“ sei als der Euro. Damit wolle er nicht sagen, dass irgendeine Währung besser wäre. Allerdings sei der Dollar in der Krisensituation besser gemanagt, während der Euro in den Mühlen der Politik zerrieben würde.

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