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Währungsreform: Flucht nach Deutschland? | Drucken |
Von: Michael Mross   
17.06.2010

An den Finanzmärkten halten sich hartnäckig Gerüchte um ein Auseinanderbrechen des Euro. Spekulation auf Austritt Deutschlands bzw. des „Nordblocks“ aus der Währungsunion. „Ein Austritt Deutschlands ist die einzige Lösung in dem Dilemma“.



Dort, wo es auf der Welt um das ganz große Geld geht, ist der Fall eigentlich klar: Der Euro wird die Verwerfungen unter den einzelnen Mitgliedsländern nicht überleben. Das ist das Meinungsbild, welches MMnews anhand von Umfragen bei großen Playern auf internationaler Ebene erhielt.

Solche Statements wird man gleichwohl natürlich derzeit nicht offiziell hören. Aber die Abstimmung über die Zukunft des Euro hat bereits „mit den Füßen“ begonnen. D.h. das „große Geld“ positioniert sich derzeit ganz klar in Richtung Eurozerfall. Was bedeutet das?

Zunächst einmal sind große Abflüsse aus der Südschiene zu beobachten. Hier fürchtet man, dass man auf dem Euro „sitzen bleibt“, während Deutschland oder der Nordblock aus der Union austreten wird. Folge: Das Geld fließt vermehrt in Deutsche Assetts, auch in deutsche Aktien.

Spekulation: Sollte es zum Austritt Deutschlands kommen, würde man mit deutschen Assetts gleichzeitig einen riesigen Währungsgewinn machen, weil die neue Währung kräftig aufwerten würde. Umgekehrt würde man in einheimischen Assetts abgewertet, egal ob man nun den Euro behält, ob es ein Südschienen-Euro geben wird, oder wieder Einzelwährungen eingeführt werden.

Diese Spekulation betrifft nicht nur die Südschiene. International wird dieses Szenario ebenfalls „gespielt“. Hier kommt der niedrige Euro derzeit zusätzlich zur Hilfe.

Spekulation der internationalen (Dollar) Investoren: Man kauft bei dem billigen Euro deutsche Assetts, deutsche Unternehmen, Immobilien, Aktien. Kommt es zum Austritt Deutschlands, würde man auch hier gleich einen hohen Währungsgewinn einstreichen. Aus Sicht eines Nicht-Euro-Besitzers lohnt sich die Spekulation sogar noch stärker, weil der Aufwertungseffekt höher sein sollte.

Wie könnte ein solches Szenario Wirklichkeit werden?

Manche klugen Köpfe im außereuropäischen Ausland sind der Meinung, dass hiesige Politiker den Euro schon längst aufgegeben haben. Die Rettungsaktionen dienen lediglich dazu, Zeit zu gewinnen, um die Abwicklung des Euros in geordneten Bahnen zu vollziehen. Zeithorizont für die Auflösung des Euros: Erstes Quartal 2011.

Andere Beobachter sind eher skeptisch. Sie gehen nicht davon aus, dass die Politik den Untergang des Euros  einkalkuliert. Die Skeptiker gehen jedoch gleichwohl davon aus, dass ebenfalls im ersten oder zweiten Quartal des nächsten Jahres eine Währungsreform kommt.

Der Grund: Der Refinanzierungsbedarf der Südschiene beläuft sich dieses Jahr auf 300 Milliarden und nächstes Jahr auf rund 500 Milliarden. Die Schwierigkeiten, an frisches Kapital zu kommen, dürften in den nächsten Monaten im größer werden. Sollte der Rettungsschirm abgerufen werden, dann bedeutet dies, dass der „Norden“ zahlen müsste. De facto wird sich die Südschiene an keinem Bailout mehr beteiligen können, so dass ein Großteil am Nordblock bzw. Deutschland hängen bleibt.

Wenn aber Deutschland beispielsweise schon bald mit einer halben Billion zur Kasse gebeten würde, dann müsste das Land zwangsläufig aus dem Euro austreten. Ansonsten hätte dies ebenfalls die Pleite zur Folge mit sprunghaft ansteigenden Zinsen für Bundesanleihen. Auch dürfte es zu Massenprotesten kommen, wenn durch die Hilfeleistung des Nordens zwangsläufig eine rapide Verarmung der Bevölkerung einsetzt.

Über den Zeithorizont dieses Szenarios herrscht eine gewisse Uneinigkeit. Spätestens im zweiten Quartal 2011, so die Spekulation, dürfte das Schicksal des Euro besiegelt sein. Manche Beobachter gehen allerdings auch davon aus, dass das Ereignis schneller eintritt. Wie im Falle Griechenlands könnten sich die Wogen in Sachen Südschiene schnell und unberechenbar hochschaukeln. Das könnte das Ende des Euros schon in wenigen Monaten bedeuten.

Ein Austritt Deutschlands / des Nordblocks aus dem Euro hätte nur Vorteile für alle: Der Euro würde sich automatisch abwerten und den enormen Druck aus der Südschiene nehmen. Die Schulden der Südschiene würden sich damit ebenfalls entwerten. Das gilt natürlich auch für die deutsche Schulden, die ebenfalls in Euro lauten. – Umgekehrt wäre es z.B. nicht möglich, dass Griechenland allein austritt, weil sich dann der Euro aufwerten würde und das hochverschuldete Land zusätzlich erdrückt, denn die Euro-Schulden von Athen würden sich relativ zur einzuführenden neuen Währung aufwerten.

Internationale Player setzen deshalb jetzt auf einen Austritt Deutschlands aus dem Euro. Es ist die einzige Lösung in dem Dilemma. Das ist auch der Grund, warum beispielsweise der  DAX eine bessere Performanz aufweist als  internationale Indizes. Dem Vernehmen nach werden auch die Notartermine knapp, weil viele Investoren Immobilien in Deutschland kaufen.

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