Der computergetriebene Handel an den Finanzmärkten ist ein massives Problem, von dem nur eine kleine ausgewählte Schar der „Finanzaristokratie” enormen Nutzen zieht. Die anderen Marktteilnehmer befinden sich auf verlorenem Terrain. Alles in allem könnte dies aber auch ein neues TV-Format sein, eben „Markt-Manipulation live.“
Von Lars Schall
Es sind weltweit weniger als zwei Dutzend Institute der „Finanzaristokratie“ wie JPMorgan Chase und Goldman Sachs, die an jenem computerbasierten Handel mit Hochleistungsrechnern teilnehmen, bei dem es mithin auf Nanosekunden ankommt. Der Manipulation sind hier sperrangelweit Tür und Tor geöffnet, und einfache Händler und Investoren, die nicht über derlei Sci-Fi-Ausrüstung im „Finanzkrieg“ verfügen, sehen sich hoffnungslos unterlegen.
Dabei war anfangs durchaus daran gedacht worden, mit dem auf mathematischen Formeln basierten Computerhandel eine bestimmte Art der Manipulation aus dem Marktgeschehen herauszunehmen. Wie Ellen Brown anhand des patentierten Programms von Max Keiser veranschaulicht:
“It would do this by matching buyers with sellers automatically, eliminating ‘front running’ – brokers buying or selling ahead of large orders coming in from their clients. The computer program was intended to remove the conflict of interest that exists when brokers who match buyers with sellers are also selling from their own accounts. But the program fell into the wrong hands and became the prototype for automated trading programs that actually facilitate front running.
Also called High Frequency Trading (HFT) or ‘black box trading,’ automated program trading uses high-speed computers governed by complex algorithms (instructions to the computer) to analyze data and transact orders in massive quantities at very high speeds. Like the poker player peeking in a mirror to see his opponent’s cards, HFT allows the program trader to peek at major incoming orders and jump in front of them to skim profits off the top. And these large institutional orders are our money -- our pension funds, mutual funds, and 401Ks.”[i]
Die Auswüchse dieser Entwicklung führte vor einigen Tagen (genauer gesagt am 5. Juli um 00:15 Uhr Central Time) Karl Denninger auf “The Market Ticker“ am Beispiel des “ES Futures Market“ klar vor Augen. Dieser spezielle Markt “is based upon the S&P (Standard & Poors) 500 stock index, which is one of the stock indexes of the CME (Chicago Mercantile Exchange) in the US. The S&P 500 index is calculated using the prices of 500 large capitalization US companies. The ES futures market is traded on the Globex electronic trading system, 24 hours per day from 5:00 PM Central Time on Sunday night to 4:30 PM Central Time on Friday night. The ES futures market has a daily trading volume of approximately 1100000 contracts, and a daily price range of approximately 13 points (52 ticks).”[ii]
Unter der Überschrift “Market Manipulation On Display“ veröffentlichte Denninger das nachfolgende Video, in dem er die Manipulation des “ES Futures Market“ live kommentierte:
Was Denninger hier äußerst plastisch zur Anschauung bringt, ist wenig mehr als eine Art von Computer-Fata Morgana, sprich etwas, das kurz da ist, ohne wirklich existent zu sein. Gleichwohl werden die Kurse von diesem ominösen „Es ist da und auch nicht“ massiv beeinflusst.
Für genauere Erläuterungen dessen, was oben anzuschauen ist, wandte ich mich gestern via elektronischer Post direkt an Karl Denninger.
chaostheorien.de: “Mr. Denninger, what happens here exactly? Who participates here?”
Karl Denninger: “It is ‘someone’ (or a group of someones) with sufficient margin to place that size of an order. The margin on 2,000 contracts is over $1m, so we're not talking about bit players here. These are hedge funds and/or prop trading systems belonging to large banks.”
chaostheorien.de: “What does this activity say about the so-called ‘free markets’?
Karl Denninger: “They're rigged - at least short-term. This intent of these shenanigans is to drive price the other way - that is, if the huge contract bid side shows up, the real intent of the participant is to sell, and his sell offer is up above. He's looking to drive price a few ticks into his resing order, taking those funds from smaller and slower players who can't possibly compete with this.
The practice is illegal, but it is EXTREMELY common. It happens in the pit too; this isn't exactly rare. What's rare is for it to be so blatant as to be easy to see and explain to people, as it was the other night.”
chaostheorien.de: “How do you handle those things as a trader?”
Karl Denninger: “You stay out when it's happening. You can't possibly play honestly in the markets when this is going on as a short-term speculator. IT doesn't impact buy-and-hold people to the same degree (unless it causes a collapse or spike, which it can!) but it certainly impacts anyone attempting to speculate on a short-term basis. When you're up against this sort of tactic you will simply get skinned.”
Um einige Reaktionen zu der Live-Berichterstattung von Karl Denninger zu erhalten, schrieb ich gestern noch ein paar weitere Emails, so zum Beispiel eine an Marshall Auerback, James Turk und Bill Murphy. Der kanadische Fondsmanager Marshall Auerback, der u. a. für PIMCO arbeitet, antwortete daraufhin:
“I'm sure Karl is right. As James and Bill could confirm, this has been the standard playbook for years. It used to be only cranks and idiots like us would draw attention to it, but now everybody is picking up on it.”
chaostheorien.de: “How do those things influence your ‘tactics’ in the market? Such rigging has to be taken into account aspart of your analysis, correct?”
Marshall Auerback: “Yes, taken into account, but eventually you figure they are going to fail. You can only buck a primary trend for so long. If you couldn't, then gold would still be $350 and the central banks would be happy as clams.”
Dazu erklärte James Turk, der Gründer von “GoldMoney“, der größten digitalen Goldwährung der Welt, und Herausgeber des “Freemarket Gold & Money Report” (http://www.fgmr.com):
“I agree with Marshall. Gov'ts can fight the primary trend but they are losing the war. They will always lose in the long-run because markets (i.e., individuals) determine the primary trend, and markets are a bigger force than any gov't or group of gov'ts acting in concert.”
Bill Murphy, der Vorsitzende des Gold Anti-Trust Action Committee, GATA, und Betreiber der Website “Le Metropole Café“ (www.LeMetropoleCafe.com), ergänzte:
“Well, as you know, all I do is write about the market manipulations. Today is a perfect example. THEY want gold down as the US economy disintegrates, leaving massive money printing as the only way out. Thus, it is shoot the messenger time again. Sickening. And yes, they will lose, but it is more than aggravating.”
Diese Stellungnahmen und das dazugehörige Video zeigte ich Folker Hellmeyer, dem Chef-Analysten der Bremer Landesbank und regelmäßigen Kommentator des internationalen Finanzgeschehens auf „Goldseiten.de“ (siehe: http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/autoren.php?uid=152), und bat um seine Einschätzung. Sie lautet wie folgt:
„Die Einlassungen der Kollegen sind absolut stimmig. Ich kann diesen Statements nur beipflichten.
Der Markt hat offensichtlich nicht gleiche Zugangsbedingungen für alle Teilnehmer, sondern es gibt für eine elitäre Gruppe einen Vorzugszugang, der Marktmanipulation ermöglicht. Fakt ist, dass zum Beispiel "Frontrunning" laut Code of Conduct des ACI grundsätzlich verboten ist. Dabei kommt es nicht auf die Frage nach Nanosekunden an. Die Tatsache, dass unterschiedliche Zugänge zu Märkten ermöglicht wurden, wirft ein schlechtes Bild auf die Struktur des ordnungspolitischen Rahmens hinsichtlich der Aufsichtsbehörden. Es ist ein Skandal, dass im Rahmen angeblich freier Märkte so ein Status überhaupt zugelassen wurde.
Hier besteht sofortiger Handlungsbedarf, diese Bevorzugung weniger elitärer Marktteilnehmer zu Lasten des Marktes und damit schlussendlich diese Korrumpierung an den Märkten abzustellen.“
Bis es soweit gediehen ist, dass „diese Korrumpierung an den Märkten“ abgestellt wurde, sollten CNBC und Bloomberg erwägen, ob solch eine Marktmanipulations-Berichterstattung, wie sie von Karl Denninger vorgeführt wurde, nicht ein TV-Format der Zukunft darstellen könnte. Karl Denninger stünde gewiss gerne als kompetenter Kommentator des „Spielgeschehens“ zur Verfügung. Dann würde womöglich auch das Fernsehprogramm wieder etwas spannender werden.
[i] vgl. Ellen Brown: „COMPUTERIZED FRONT RUNNING: ANOTHER GOLDMAN-DOMINATED FRAUD”, veröffentlicht auf Web of Debt am 21. April 2010 unter:http://www.webofdebt.com
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