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In China braut sich was zusammen | Drucken |
13.07.2010

Chinesische Immobilienblase grösser als die von Japan in den 90er Jahren.  Chinesische Arbeiter organisieren sich in Gewerkschaften, legen mit Streiks grosse Industriezweige lahm. Soziale Lage der Arbeiter weiter katastrophal.

 

 

Das wird den Welthandel gewaltig auf den Kopf stellen: chinesische Arbeiter organisieren sich in Gewerkschaften, legen mit Streiks grosse Industriezweige lahm und werden von der Regierung nicht mehr zurückgepfiffen!

Die Folge – die Lohnkosten in der Volksrepublik sind seit Anfang des Jahres im Durchschnitt um über zehn (!) Prozent gestiegen. Und glaubt man chinesischen Beobachtern, so ist das nicht das Ende der Fahnenstange, sondern bestenfalls deren Anfang. Die militante Haltung hätte nicht ohne die stille Duldung Pekings durchgreifend eingenommen werden können. Einzelne politische Beobachter glauben sogar, dass Peking zu diesem neuen Vorgehen der Arbeiter sogar diskret seinen Segen gegeben haben könnte.

Für Peking stellte sich klar die Frage: steigende Löhne, um den sozialen Frieden zu sichern, oder weiter ein rigoroses Regime mit extrem tiefen Löhnen. Es ist klar: steigende Löhne bedrohen Chinas Wachstum. Aber die Regierung hat sich zu einer Geldspritze zur Beruhigung des Volkes entschieden. Das war auch dringend nötig, denn die Streiks hatten ausgerechnet ausländische Firmen betroffen: Foxconn und Honda.

Honda als japanischer Autobauer (Joint-Venture mit Chinesen) und Foxconn mit über  400’000 (!) Arbeitern als taiwanesische Elektronikherstellerin waren bisher Chinas Vorzeigeunternehmen gewesen, um ausländische Investitionen und Joint Ventures nach China zu locken.
                 
Die soziale Lage der Arbeiter ist weiter lamentabel. Sie haben keine Krankenversicherung, und viele verlieren später auch ihre Rente, obwohl sie ihnen vom Lohn abgezogen wird. Neben dem Fehlen einer Krankenversicherung ist die Rente gefährdet. Wenn die  Wanderarbeiter zurück in ihre Dörfer gehen, wird ihnen auch die Rente gestrichen. Darauf haben sie erst ein Anrecht, wenn sie 15 Jahre lang (!) an einem Ort gelebt und gearbeitet haben. „Unser Sozialsystem stammt noch aus den Zeit der sozialistischen Planwirtschaft“, meint Arbeiterrechtler Liu Kaiming in Shenzhen. Viele Arbeitgeber zögern daher nicht, ältere Arbeiter, die zehn oder mehr Jahre schufteten, unter fadenscheinigen Begründungen zurück in ihre Dörfer zu schicken. Meist mit dem Segen der lokalen Behörden, die oftmals an den Unternehmungen direkt oder indirekt beteiligt sind.

Aufsehen erregten die vielen Selbstmorde bei Foxconn. Das wurde sogar der Regierung in Peking zu viel, weil das Ausland sich gross dafür interessierte. Als skandalös wurde im Westen zum Beispiel das Schicksal des 19-jährigen Arbeiters empfunden, der aus seinem Fabrikwohnheim in den Tod sprang. Im Monat davor hatte er 286 Stunden (!) gearbeitet, davon 112 Überstunden. - mehr als das Doppelte der höchst zulässigen Stunden. Verdient hat er pro Stunde rund 70 Cents. Seither versuchten zwölf weitere Arbeiter, Selbstmord zu begehen. Foxconn ist der Hersteller der iPhones und iPads. Erst als Apple-Chef Steve Jobs persönlich eine volle offene Untersuchung forderte, schaltete sich Peking ein. Es verfügte Lohnerhöhungen von bis zu 65 Prozent! Ein ähnliches Bild bei Honda.

China verliert mit diesen massiven Lohnerhöhungen bedeutende Exporte. Nicht plötzlich, aber erste Anzeichen lassen sich überall sehen. Darum will die Regierung den Binnenkonsum massiv anheizen. Das von den Chinesen in den letzten Jahren angesparte Kapital soll in den Geldkreislauf gelangen. Das hat bisher schon stattgefunden, aber nur im Immobilienmarkt. Der ist seitdem hoffnungslos „überladen“ mit spekulativen Krediten. Fachleute meinen gar, die chinesische Immobilienblase sei grösser als die von Japan in den 90er Jahren.  Die Bank of China ist deshalb in grösster Sorge, dass die Immobilienkredite notleidend werden.

Eine interne Studie soll gezeigt haben, dass in einem GAU (worst case) bis 50 Prozent aller Kredite akut gefährdet wären. Für die chinesischen Banken, die bis vor kurzem auf Geheiss Pekings sehr grosszügig Kredit vergaben, eine grauenvolle Vision. Ein westlicher Banker nennt es beim Namen: „Eine chinesische Immobilienkrise würde das Bankenwesen in den Grundfesten erschüttern. Es würde auch das ganze westliche Finanzsystem tangieren“.

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