Ohne jeden Zweifel ist das treffendste Beispiel für diese Entwicklung die Verdrängung der Unternehmen vom amerikanischen Kreditmarkt, der der massiven öffentlichen Nachfrage nach Krediten geschuldet ist. Die öffentliche Nachfrage saugt den Markt leer und lässt nichts bis wenig für Unternehmen und Privathaushalte übrig. Außerhalb der USA finden finanzschwache Länder keine Kredite mehr oder müssen erhöhte Zinsen bezahlen, wenn sie nicht sogar schlicht und einfach den IWF um Hilfe angehen müssen .
2010 wird das Jahr werden, in dem der Begriff der Junk-Staatsanleihen sich allgemein durchsetzen wird: 2008 begann die Reihe der Staatsbankrotte mit Island, sprang nach Lettland über, 2009 dann Irland, Kalifornien und Dubai, und heute ist Griechenland an der Reihe.
Dass Portugal und Spanien gefährdet sein könnten, glauben wir nicht, denn die Eurozone erfindet sich gerade aus griechischem Anlass einen Beihilfemechanismus für Mitgliedstaaten, die in Liquiditätsschwierigkeiten geraten; Spanien und Portugal sind noch von einer Größe, die die Eurozone verkraften kann.
Aber wer in der Reihe der Staatsbankrotte wartet, sind Japan, Großbritannien und die USA. Das aber will die herrschende Meinung auf den Finanzmärkten und im Weltwährungssystem einfach nicht zur Kenntnis nehmen; sie wüssten dem Problem auch nichts entgegen zu setzen. Denn gegen ein Einbrechen der tragenden Pfeiler eines Systems sind keine Rettungsmaßnahmen möglich.
Die Lage in Großbritannien verschlechtert sich zusehends. Der Haushaltsentwurf der Regierung ignoriert schlichtweg die Notwendigkeit einer eisernen Sparpolitik für die nächsten zehn Jahre; die britische Zentralbank hingegen kündigt an, die Politik des „Quantative Easing“, also des Gelddruckens, aufzugeben, obwohl sie doch genau weiß, dass niemand außer sie selbst die britischen Staatsanleihen kauft.
Da gleichzeitig die Medien nur über die Schwierigkeiten der Eurozone schreiben, lässt sich der einfache britische Wähler davon überzeugen, dass seine weitsichtige Regierung das Verdienst erworben habe, Großbritannien aus den Schwierigkeiten des Kontinents und seiner Gemeinschaftswährung heraus zu halten. Niemand in England scheint bewusst zu sein, dass Standard&Poor das britische Bankensystem aus der Liste der sichersten Banken der Welt gestrichen hat.
In der britischen Innenpolitik ist diese Art des Vorgehens eine bewährte Methode. Aber in der realen Welt ist damit die post-Wahl-Krise garantiert, wenn Wahlversprechen und Wirklichkeit aufeinander prallen. Wir fragen uns auch, ob es der britischen Regierung gelingen wird, ihre subjektive Sicht der Dinge als objektive Tatsachen vorzugaukeln. Wir erinnern uns noch sehr gut daran, dass die US-Republikaner eine vergleichbare Strategie verfolgten, damit aber an der Implosion der Wall Street vor den Wahlen scheiterten.
Schuldensituation in den USA spitzt sich dramatisch zu
In den USA stehen dieses Jahr ebenfalls Wahlen an, und auch dort klaffen politische Verlautbarungen/ offizielle Statistiken und die Realität immer weiter auseinander. Besonders auffällig ist dies bei den Verkaufszahlen der US-Staatsanleihen. Auf der einen Seite behaupten die Regierung und die US-Zentralbank, sie gingen weg wie warme Semmel, obwohl wegen der wachsenden Defizite immer mehr davon ausgegeben werden müssen.
Auf der anderen Seite stagniert die Nachfrage Chinas, das in den letzten Jahren dafür Hauptabnehmer war, bzw. stoßen die chinesischen Behörden sogar US-Wertpapiere ab. Da die US-Privathaushalte über sehr wenig Sparvermögen verfügen und inzwischen alle großen Staaten einen immensen Finanzierungsbedarf für ihre wachsenden Defizite haben, bleiben nur zwei Lösungen:
- Tim Geithner zaubert die Käufer von US-Staatsanleihen aus dem Hut
- Die US-Zentralbank kauft unter der Hand die Mehrzahl der US-Staatsanleihen via ihre primary dealers und andere in den Steuerparadisen wie den Cayman-Inseln, den britischen Kanalinseln, HongKong … angesiedelten Finanzinstitute
Wir glauben eher an die zweite Option. Aber dies ist genau das, was die Amerikaner den Chinesen, die einen Wertverfall ihrer Dollar-Reserven fürchten, versprochen hatten, nicht zu tun. Wir sagen daher eine radikale Verschärfung der Spannungen zwischen Washington und Peking in den nächsten Monaten voraus.
Da mit dem Waffenverkauf an Taiwan, den Treffen mit dem Dalai Lama, den Handelskonflikten und der Iranpolitik bereits ein gewaltiges Konfliktpotential zur Verfügung steht, gehen wir davon aus, dass die Spannungen in einem Konflikt eskalieren werden. Das wird natürlich die gegenwärtige umfassende Krise noch verschärfen.
Für Japan bestätigt sich immer mehr, dass es seine Außenpolitik neu ausrichtet. Tokio sucht immer stärker den Schulterschluss mit Peking. Angesichts der großen Dollarreserven, über die Japan verfügt, wird dies zu einer Schwächung des Dollars führen. Die Liste der Konfliktpunkte zwischen Japan und den USA verlängert sich: Es geht nicht mehr nur noch um die amerikanischen Militärbasen in Japan, sondern zusätzlich auch um die Polemik zu den geheimen Abkommen zwischen Japan und den USA während des Kalten Kriegs.
In wirtschaftlichen Angelegenheiten wirft Tokio Washington vor, die Probleme bei Toyota zum Anlass zu nehmen, Misstrauen gegen japanische Produkte im allgemeinen zu schüren. Aber Japan hat noch andere Probleme als nur das sich abkühlende Verhältnis zum großen Verbündeten. Zwanzig Jahre Rezession und explodierende Staatsverschuldung lassen Japan an der Nachhaltigkeit seines Wirtschaftssystems zweifeln. Auch wird es für Japan immer schwerer, seine gigantische Schuldenlast zu finanzieren. Sogar die japanische Regierung kann heute ihre Defizite nur noch mit Schwierigkeiten finanzieren. Für eine japanische Regierung ist dies eine bisher nicht vorstellbare neue Situation.
Eines steht damit fest: die USA, Euroland, Großbritannien, Japan und China werden aus ihren süßen Träumen vom Aufschwung aufwachen.