Im 2. Halbjahr 2011 werden Investoren weltweit erkennen, dass der Westen einen großen Teil der Schulden, die er in den letzten zwei Jahrzehnten angehäuft hat, nie zurückzahlen wird. Die Stunde der Wahrheit schlägt im Oktober 2011. Denn dann werden viele amerikanische Städte, Gemeinden und Bundesstaaten, denen die Bundesregierung finanziell nicht mehr zur Seite wird stehen können, de facto oder auch de jure bankrott sein, während gleichzeitig die europäischen Staaten einen großen Teil ihrer Schulden refinanzieren müssen.
Eine Analyse der GEAB Die Medienhysterie über die Staatsschulden der Randstaaten der Eurozone und das sich daraus angeblich zwingend ergebende Auseinanderbrechen der Eurozone hat die Bedingungen für eine entsprechende Panik der Investoren geschaffen, die auf dieser Seite des Atlantiks dann die Staatsanleihenblase platzen lassen wird. Einen kleinen Vorgeschmack von dem, was uns bevorsteht, konnte man im November 2010 schon auf dem Markt für amerikanische «Munis» bekommen, als ein Mini-Krach im Verlauf von nur wenigen Tagen die gesamten Gewinne eines ganzen Jahres vernichtete. Dieser extreme Kurseinbruch, den wir übrigens schon in der 46. Ausgabe des GEAB vom Juni vorhergesagt hatten und dem auch der Anleihenversicherer Ambac zum Opfer fiel, blieb der allgemeinen Öffentlichkeit fast vollständig verborgen.
Denn die britisch-amerikanische Medienlandschaft hatte es geschafft, die weltweite Aufmerksamkeit auf die «Eurokrise» und das bevorstehende Ende des Euro-Währungsraums zu konzentrieren. Die Hysterie erreicht hier beinahe schon das Niveau der Berichterstattung über die Schweinegrippe. Richtig ist jedoch, dass in der Kombination von europäischer Staatsschuldenkrise und Krach auf dem amerikanischen Markt für Städte – und Gemeindeanleihen einiges an Sprengstoff steckt.
Nach unserer Auffassung befindet sich das internationale Finanzsystem in einer Lage, die mit der vom Frühjahr 2008 vergleichbar ist, als der Konkurs von Bear Stearns den Konkurs von Lehman Brothers und den Zusammenbruch der Wall Street im September 2008 vorbereitete. Aber die Leser des GEAB wissen zur Genüge, dass die Medien nur selten vor den wirklich großen Gefahren warnen. Falschen Alarm hingegen lösen sie gerne aus.
Entwicklung der Nettogeldabflüsse aus den offenen Fonds, die das Geld ihrer Anleger in Munis investieren (2007 bis November 2010) (in Milliarden USD) - Die Abflüsse waren bedeutender als im Oktober 2008 - Quelle: New York Times, 11/2010
Die westliche Schuldenkrise verschärft sich unter dem wachsenden Druck von vier Faktoren mit hoher Geschwindigkeit:
Der ausbleibende Aufschwung in den USA, der die Kommunen, Kreise, Bundesstaaten und auch die Bundesebene, die sich alle in den letzten Jahren an großzügig fließende Steuereinnahmen und großzügige Finanzierungsmöglichkeiten gewöhnt hatten, in die Zahlungsunfähigkeit treibt.
Der mit hoher Geschwindigkeit nachhaltig schwindende Einfluss der USA in der internationalen Geldpolitik, an den globalen Finanzmärkten und in den internationalen Beziehungen, womit sich auch ihre Fähigkeit, ausländisches Kapital in die USA zu locken, verringert.
Das weltweit rückläufige Angebot an billigen Krediten, wodurch sich die Verschuldungskrise der Eurozonen-Randländer wie Griechenland, Irland, Portugal und Spanien (sowie Großbritannien) massiv verschärft. Allmählich stellt die Situation auch die entscheidenden Länder wie die USA, Deutschland und Japan, die alle 2011 große Anteile ihrer Schulden refinanzieren müssen, vor große Probleme, ihre Defizite zu finanzieren.
Die Wandlung der Eurozone in das quasi-staatliche Euroland, dessen Umgang mit Staatschulden immer stärker das Maß aller Dinge für die Finanzierung öffentlicher Schulden in Europa wird.
Diese vier Faktoren produzieren Entwicklungen und Reaktionen, die je nach Land/Region unterschiedlich sind.
Das Schuldenpulverfass Europas: Nun werden auch die Investoren zur Kasse gebeten
Europa wandelt sich mühsam aber letztendlich doch mit bisher unvorstellbarer Geschwindigkeit von der Eurozone in ein quasi-staatliches Euroland. Das Mühsame an diesem Prozess erklärt sich nicht ausschließlich mit den Unzulänglichkeiten des gegenwärtigen europäischen politischen Personals, wie die Altvorderen Helmut Schmidt, Valéry Giscard d’Estaing und Jacques Delors in einer endlosen Reihe von Interviews zum Besten geben. Sie selbst hatten nie mit einer Krise von diesem Ausmaß zu tun.
Mühsam ist diese Wandlung auch, weil die notwendigen Veränderungen an der politischen Struktur der EU immens sind und den handelnden Personen dafür jegliches demokratisch legitimiertes Mandat fehlt. Das treibt die Regierungen der europäischen Mitgliedstaaten in das Dilemma, auf der einen Seite mit Nachdruck zu leugnen, was sie auf der anderen Seite machen, nämlich die Eurozone in eine quasi-staatliche Struktur umzuwandeln, die weitreichende wirtschaftliche, soziale und steuerrechtliche Zuständigkeiten erhalten wird. Sie können sich offensichtlich nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Wähler und insbes. die wichtigen Akteure in Wirtschaft und an den Finanzmärkten grundsätzlich mit dieser Politik einverstanden sind und lediglich erwarten, dass die anstehenden Entscheidungen transparent und nachvollziehbar getroffen werden. Denn eigentlich ist die wesentliche Entwicklung schon vorgezeichnet. Wir werden sie eingehend in dieser Ausgabe des GEAB darstellen.
Problematisch für die Regierungen der Eurozonen-Länder ist auch, dass viele der Entscheidungen der europäischen Regierungen von den großen Wirtschafts- und Finanzmedien kommentiert und kritisiert werden, von denen keines in der Eurozone angesiedelt ist, sondern in der Dollar- und Pfundzone, in der jede Stärkung des Euro als Katastrophe empfunden wird. Sie haben also gesteigertes Interesse daran, die zwingende Wandlung der Eurozone zu Euroland soweit wie möglich zu behindern und hinauszuzögern.
Dennoch verlieren die Querschüsse an Wirkung. In der « Griechenlandkrise » ging der Wechselkurs des Euro im Vergleich zum Dollar noch stärker zurück als in der Fortsetzung der Eurokrise « Irland ». Ab Frühjahr 2011 wird eine negative Berichterstattung nur noch zu vernachlässigbaren Ausschlägen führen. Bleibt als entscheidender Faktor für eine weitere gedeihliche Entwicklung von Euroland neben der Qualität des politischen Personals in Europa (insoweit muss man auf die Wahlen hoffen, die ab 2012 in den wichtigsten Eurozonen-Mitgliedstaaten anstehen) die Frage nach einer ausreichenden demokratischen Legitimation für den weitreichenden strukturellen Umbau der Europäischen Union. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass bis 2012/2013 aus demokratischer Sicht das Pferd von hinten aufgezäumt wird: Erst werden die notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Krise zu meistern, und wird dann in einem zweiten Schritt die demokratische Legitimation dafür geschaffen.
Vergleich der Erträge von Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit in Euroland - Quelle: Thomson Reuters Datastream, 16/11/2010
Wenn die Anleger erst einmal verstehen werden, was sich hinter der Debatte über die Einführung von Eurobonds, die seit einigen Wochen an Intensität zunimmt, überhaupt verbirgt, wird die Blase der Schulden der westlichen Staaten schneller platzen als sich dies bisher jemand vorstellen kann. Denn spätestens ab Ende 2011 werden vor dem Hintergrund der dauerhaften Einrichtung des europäischen Rettungsfonds in Sachen Eurobonds die Karten auf den Tisch gelegt werden. Dann werden Spekulanten, die zurzeit massiv griechische und irische Anleihen sowie Anleihen von anderen insolvenzverdächtigten Eurozonenländern kaufen, zu ihrer Überraschung feststellen, dass die europäische Solidarität für sie nicht gelten wird. Da mögen die Regierenden heute auch etwas ganz anderes sagen.
Wir gehen also davon aus, dass die Lösung der Schuldenkrise darin liegen wird, den Anlegern aufzuerlegen, ihre Staatsanleihen in Euro-Anleihen umzutauschen, deren Zinsen und Rückzahlung von allen Euroländern garantiert werden. Die Zinsen für „Euro-Bonds“ werden deutlich niedriger sein, und der Umtausch würde nur mit einem Abschlag von 30 bis 50% erfolgen. Denn bis dahin wird die Lage auf den nationalen Anleihenmärkten noch prekärer geworden sein. Die bis 2013 neu gewählten europäischen Regierungen hätten auch eine ausreichende demokratische Legitimation für einen solchen Zwangsumtausch, dessen erste Opfer die großen, auch europäischen Banken sein würden. Es ist sehr gut möglich, dass einigen staatlichen, privilegierten Gläubigern wie China, Russland und den Erdöl exportierenden Ländern ein Tausch zu besseren Bedingungen angeboten wird. Für sie wird die ganze Aktion damit insgesamt sehr positiv zu Buche schlagen. Denn mit einem Schlag würden ihre unsicheren Anlagen in sichere umgewandelt.
Vergleich der Ausfallrisiken für Staatsschulden und deren Ansteckungsgefahr (blau: Insolvenz – oder Bail-out-Risiko /rot: Ansteckungsgefahr) - Quelle: MarketOracle, 11/2010
Auf der Hauptversammlung stimmte die Commerzbank ihre Aktionäre auf magere Zeiten ein. Die Gehälter der Vorstandsetage sollen jedoch kräftig angehoben werden. Das ist ein Skandal. - Vage Versprechen für die Zukunft.
Top-Ökonom warnt vor Folgen der Sarrazin-Debatte. Man könne aber auch die Klage erheben, dass sich in Sarrazins Buch „Geschäftssinn und Verantwortungslosigkeit des Autors, des Verlags und einiger Medien paaren“.
EZB verweigert Auskunft über Milliardenhilfen. Grüne fordern Informationen über Banken, die billiges Geld geliehen haben. „Die Zentralbank hält es für unabdingbar, die Geheimhaltung individueller Transaktionen mit Gegenparteien zu wahren“.
Oettinger hält Euro-Bonds für möglich und warnt Bundesregierung vor striktem Nein. „Eurobonds sind eine Frage des Timings. Ich rate allen Beteiligten, sich nicht grundsätzlich dagegen zu positionieren“.
Rating-Agentur Fitch stuft Japans Kreditwürdigkeit herab. Wie die Agentur am Dienstag mitteilte, wurde die Bonitätsnote um eine Stufe von "AA-" auf "A+" herabgestuft. Zudem wurde der Ausblick auf die weitere Entwicklung auf negativ gesenkt.
CSU will Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. "Das EEG hat seine Funktion gut erfüllt, aber jetzt muss es fit gemacht werden für die Energiewende".
Die menschenverachtende Medizinmafia greift zu immer perverseren Methoden. Gemäß einer Studie zahlt jede vierte Klinik Fangprämien für Patienten. "Das Problem ist seit zwei Jahren bekannt und die Lage ist deutlich schlimmer geworden. Das sind Mafia-Verhältnisse".
Die Vorschläge zur Lösung der Euro-Krise werden immer diffuser. Die Deutsche Bank schlägt nun für Griechenland eine Parallel-Währung vor: GEURO. - Auf die Idee, dass Deutschland austreten soll, kommt dagegen bisher niemand. "GEURO" könnte schließlich auch für "German Euro" stehen.
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