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US-Banken: Vorbereitung auf Staatsbankrott | Drucken |
13.06.2011

Wall Street bereitet sich auf die mögliche Zahlungsunfähigkeit der  USA vor. Die Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte könnten dramatisch sein. Die USA sind dabei, ihren letzten Funken Glaubwürdigkeit zu verspielen. Das könnte dem Geldsystem den Todesstoß versetzen.

 

von Michael Mross

Ein Schuldner gilt gemeinhin als bankrott, wenn er seine Schulden nicht mehr bedienen kann. In diesem Sinne sind die USA schon lange pleite. Das einzige, was die Wirtschafts-Supermacht noch über Wasser hält ist die Tatsache, dass sie bisher alte Schulden mit neuen bezahlte.

Das Gepokere der Republikaner über eine mögliche Erhöhung des Schuldenlimits könnte deshalb zum Desaster werden. Mit jedem Tag, an dem dieses Thema breiter in der Öffentlichkeit diskutiert wird, stellt sich die Frage: Selbst wenn sie das Schuldenlimit erhöhen - was dann? Können damit alte Schulden besser bezahlt werden, oder wird damit ein unausweichliches Problem nur in die Zukunft geschoben?

Insofern könnte das bisherige "NO" der Reps als Schuss nach hinten los gehen. Schon längst haben sich namhafte Gläubiger von Washington verabschiedet. Zuletzt der weltgrößte Anleihenfonds, dessen Chef, Bill Gross, sich gar zu der Behauptung verstieg, Bernanke würde ein Pakt mit dem Satan eingehen.

Doch nicht nur PIMCO verabschiedete sich von US-Anleihen. Immer mehr Banken in den USA verkaufen derzeit aus "Sicherheitsgründen" US-Bonds, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein: "Wir planen, unsere Abhängigkeit von Staatsanleihen Anfang August zu verringern und als Vorsichtsmaßnahme mehr Bargeld in der Hand zu haben", zitierte die "Financial Times" in ihrer Montagausgabe den Chef einer US-Bank - allerdings anonym, denn das Thema ist äußerst heikel. Es ist eines der wenigen Male überhaupt, dass sich ein Bankchef zu den Strategien für den Notfall äußert.

Investoren rund um den Globus haben den USA riesige Summen geliehen. Bislang gab es auch kaum Zweifel daran, dass die Vereinigten Staaten Zinsen und Tilgung stemmen können - zur Not wurden halt einfach neue Schulden aufgenommen. Doch das Spiel könnte schon bald nicht mehr funktionieren: Die USA müssen bis zum 2. August die Schuldengrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar (10 Billionen Euro) deutlich anheben, um zahlungsfähig zu bleiben.

US-Staatsanleihen galten bislang - zumindest im offiziellen Sprachgebrauch - als sichere Geldanlage und wurden von Banken deshalb auch gerne dazu benutzt, um riskante Finanzgeschäfte abzusichern. Das würde bei einem Scheitern der Verhandlungen in Washington nicht mehr funktionieren. Welche dramatischen Konsequenzen drohen, sollte der Finanzmarkt erlahmen, hatte der Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers während der Finanzkrise gezeigt.

Die USA sind dabei, ihren letzten Funken Glaubwürdigkeit zu verspielen. Das könnte dem Geldsystem den Todesstoß versetzen. Bereits im Frühjar übte der Chef von PIMCO harsche Kritik:

Unter der Überschrift: „Pakt mit dem Teufel“ verurteilte der Chef des weltgrößten Anleihenverwalters in bisher nie da gewesener Schärfe Kritik an der Geldpolitik der US-Notenbank.  Gross vergleicht in seinem letzten Report die Aktionen der Fed unter ihrem Chef Ben Bernanke als einen Pakt mit dem Teufel: „Ein niedriger Zins über eine erweiterte Zeitperiode ist das teuflischste aller eingesetzten Mittel.“

In seinem jüngsten Report dokumentiert Bill Gross in dramatischer Weise, wie er selbst den Glauben an das Geldsystem verliert und spricht im Zusammenhang mit dem Investment in Staatsanleihen von einem notwendigen „Exorzismus“. Gross fordert in seinem jüngsten Report praktisch den Ausstieg aus US-Anleihen, weil sie zu wenig Zinsen abwerfen und den Sparer auf lange Sicht betrügen würden. Wörtlich sagte der Anleihen-Guru: „Die Anleihenbesitzer wären wohl einen Pakt mit dem Teufel eingegangen, aber die Exorzisten werden lebendig. Anleihenbesitzer und Bürger Amerikas, vereinigt euch!“

Sein Rat: Bondportfolios müssten einem Exorzismus unterworfen werden. Damit meint Gross, dass man sich von US-Anleihen besser trennen solle und nach besseren Renditen und niedrigeren Risiken im Ausland Ausschau halten solle. „Ich habe mal in einem ökonomischen Lehrbuch die Definition von ‚Geld’ nachgelesen. Darin stand: Tauschmittel und Wertaufbewahrungsfunktion. Letzteres hat es aber wohl in den vergangenen Jahren eingebüsst…“

Seit Mai ist PIMCO short in US-Anleihen, setzt auf niedriger Kurse. Was allterdings passiert, wenn US-Anleihen wirklich abstürzen - ähnlich wie in Griechenland, darauf blieb Bill Gross eine Antwort schuldig.


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