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Auf der Jagd nach Rendite pumpen internationale Investoren Geld in die Schwellenländer.  Laut BIZ ist das Verhältnis von Schulden zu Bruttosozialprodukt vor allem in China und in der Türkei besorgniserregend.

 

Börsen-Zeitung: "Im Schwellenländer-Sog", Marktkommentar von Dietegen Müller

Das Niedrig- und Negativzinsumfeld in vielen Industrieländern führt zu veränderten globalen Kapitalflüssen. So wirken die im Vergleich zur Eurozone reizvollen Bondrenditen in Schwellenländern als süßes Gift, das Investoren bereitwillig zu nehmen bereit sind.

 

Laut Daten von EPFR Global haben institutionelle Vermögensverwalter in den vergangenen sieben Wochen netto über 20 Mrd. Dollar in Fonds für Schwellenländerbonds investiert, eine Rekordmarke. Auch im Eigenkapitalmarkt waren institutionelle Investoren aktiver und legten in den vergangenen sieben Wochen netto 14,6 Mrd. Dollar in Schwellenländeraktien an, so viel wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.



Mit dem Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank, das seit Juni nun auch Unternehmensanleihen umfasst, dürfte dieser Trend in die Ferne anhalten. Analysten erwarten durch das EZB-Kaufprogramm eine Einengung der Risikoprämien im europäischen High-Yield-Markt, was es wiederum für Investoren attraktiver macht, in höher rentierende Papiere zu gehen. Die Emerging Markets bleiben damit im Spiel.



Der Kapitalzufluss wird auch an der Erholung der Aktien-Benchmark MSCI Emerging Markets deutlich. Nach dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der US-Notenbank zur vorigen Zinssitzung vom 26./27. Juli büßte der Dollar leicht an Wert ein, da ein rascher Zinsschritt der US-Währungshüter am Markt als unwahrscheinlich eingeschätzt wird. Dies trieb den MSCI Emerging Market Index auf ein Jahreshoch und ließ auch Währungen wie den brasilianischen Real gegenüber dem Greenback anziehen.

 

Das Schwellenländer-Comeback folgt auf eine ausgeprägte Schwäche von Mitte 2014 bis in den Januar. Seit Anfang des Jahres hat der MSCI Emerging Markets nun auf Dollar-Basis rund 15 Prozent zugelegt, der S&P 500 stieg um rund 7 Prozent und der MSCI Europe liegt leicht im Minus.



Die Bereitschaft renditesuchender Investoren, ins Fremdkapital von Unternehmen aus Ländern wie etwa Brasilien, China oder Mexiko zu investieren, führt auch zur stärkeren Vernetzung. Gegenseitige Abhängigkeiten und Risiken steigen - taktisch wie strategisch. Netto rund 10 Prozent der von Bank of America Merrill Lynch befragten Vermögensverwalter halten derzeit den Kauf von Schwellenländerschulden bereits für eine der am stärksten "überfüllten" Asset-Positionierungen.

 

Sollte die US-Notenbank sich dazu durchringen, an der Zinsschraube zu drehen, könnte der Dollar gegenüber wichtigen Schwellenländerwährungen wieder aufwerten und damit eine Umkehr der Kapitalflüsse in Gang setzen - mit unerwünschten Nebenwirkungen für die Investoren.



Auf dieses Risiko weist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einer aktuellen Studie hin. Die Autoren Nikola Tarashev, Stefan Avdjiev und Ben Cohen sagen, dass ein Boom privater Schulden zur Überhitzung in verschiedenen großen Schwellenländern geführt habe und eine Abwicklung dieser Schulden destabilisierende Kräfte freisetzen könne.

 

Dies, weil absolut und relativ betrachtet die Summen der Verbindlichkeiten von Nichtfinanzunternehmen aus Schwellenländern seit der Finanzkrise kräftig gestiegen sind - gerade im Verhältnis zu den entwickelten Volkswirtschaften. Laut BIZ ist das Verhältnis von Verbindlichkeiten zu Bruttosozialprodukt vor allem in China und in der Türkei gegenüber dem langfristigen Trend sehr hoch.



Eine immer wichtigere Rolle nehmen dabei Offshore-Verbindlichkeiten ein, also Schulden, die von einem Schwellenländerkonzern über eine Tochtergesellschaft im Ausland begeben werden, in der Regel auf Dollar lautend. Am aktivsten waren hier chinesische, brasilianische und russische Unternehmen. Da der Leverage in Fremdwährung viel stärker gestiegen ist als die Umsätze dieser Unternehmen in der entsprechenden Fremdwährung, bergen hier Wechselkursveränderungen Risiken. Die Episode der Renminbi-Abwertung im vergangenen Sommer dürfte als ein Fingerzeig dienen.



Die BIZ-Autoren sagen, es bestehe in den Kapitalflüssen das Risiko selbst verstärkender Effekte. Eine Dollaraufwertung könnte für ausländische Geldgeber den Nettowert ihrer Kredite an Unternehmen im Schwellenländerraum mindern. Dies würde die Bereitschaft ausländischer Geldgeber senken, diesen Unternehmen Geld zu leihen - es entstünde eine Negativspirale. Durch Offshore-Kredite ist auch eine Rückkoppelung in die Industrieländer denkbar. Verlockenden Renditen in Schwellenländermärkten zum Trotz ist dies nicht zu ignorieren.


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