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Neuordnung des Währungssystems 2012? | Drucken |
17.07.2011

Dirk Müller im MMnews Interview: Das „Aus“ des Euros wird von der Strasse erzwungen. Abspaltung in „Nord-Euro“ vernünftig. - USA und Rating-Agenturen: Psychologische Kriegsführung gegen Euro. - China: Immo-Blase platzt, 2.Revolution kommt. - 2012: deflatorischer Schock, Kurseinbrüche an globalen Aktienmärkten, Schuldenschnitt und Neuordnung des Währungssystems.



von Michael Mross

MMnews Interview mit Dirk Müller an der Frankfurter Börse. Im Folgenden eine Zusammenfassung des Geprächs über Euro, USA, China, Märkte in 2012:

Euro Aus wird erzwungen

Dass der Euro gerettet werden kann, kann sich Dirk Müller nicht vorstellen. Entweder wir kommen zu einer kompletten Transferunion „Vereinigte Schulden von Europa“ – dann geht es vielleicht noch ein bisschen weiter – aber selbst das wäre keine Lösung, denn es würde Griechenland kein neues Geschäftsmodell verschaffen, so Müller.

Als letzte Möglichkeit bleibt nur eine Auflösung des Euros oder zumindest eine Teilauflösung, erläutert Dirk Müller. Die Südstaaten müssten zu ihren alten Währungen zurück. Die könnten dann abwerten und Teile ihr Schulden streichen und dann würde es sich wieder lohnen, in Griechenland Urlaub zu machen. Heute fliegt man lieber in die Türkei, weil’s dort das gleiche für weniger Geld gibt. Hätte Griechenland seine eigene Währung würde es sich wieder lohnen, an griechischen Stränden Urlaub zu machen und nicht drei Euro für einen Espresso zu zahlen.

Die Kernstaaten könnten dann mit dem Euro weiter machen. Das könnte sogar interessant werden, das wäre dann eine der stärksten Währungen der Welt, so Müller. Unser Export würde keineswegs leiden. Und die Menschen hätten eine starke Aufwertung der Kaufkraft. Eine feste Währung ist auf keinen Fall schädlich sondern immer ein Vorteil!

Die Politiker halten nach wie vor am Euro fest. Aber die Bürger werden das Aus des Euros erzwingen, wenn es nicht schon vorher durch die Finanzmärkte erzwungen wird. – Auf den Niedergang Frankreichs brauchen wir gar nicht mehr zu warten. Schon wenn Italien zum Problem wird, ist der Euro nicht mehr zu retten.

Die Politik spielt nur auf Zeitgewinn – eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht…

USA = Farce

Was wir in den USA  erleben ist eine Farce, so Müller. Das Land ist in wenigen Tagen möglicherweise zahlungsunfähig und die Ratingagenturen halten immer noch an AAA fest – warum haben sie das wohl nicht bei Irland so gemacht ? Bei Irland haben die Agenturen gesagt ‚die können in einem Jahr noch mal Probleme kriegen’ während Amerika in einigen Tagen ein Problem hat. Die US-Rating-Agenturen sind eine Farce, die im Währungskrieg zwischen Euro und Dollar von Washington und der Wall Street eingesetzt werden. Die Agenturen werden eingesetzt, um eigene Machtinteressen durchzusetzen und das machen sie sehr geschickt, urteilt Müller.

Wir brauchen dringend unabhängige Rater, fordert Müller.

Die  USA führen einen konzertierten Angriff gegen den Euro, nicht erst seit gestern, sondern schon seit Jahren. Hier wird sehr zielorientiert geschossen, das ist psychologische Kriegsführung par Excellence, so Müller.

China vor Revolution

Wir haben in China eine unvorstellbare große Immobilienblase. Erste Hedgefonds wetten hier bereits auf den Zusammenbruch. Die Preise sind weit jenseits von gut und böse. Bis zu 60% Leerstände. Leere Vorstädte, das kann nicht gut gehen. Chinas Wirtschaft hängt von den Immobilien ab. Wenn die Blase platzt, dann kommt es in China zu einer neuen Revolution, dann gehen die Massen auf die Straße.

2012: Aktiencrash, Schuldenschnitt, neues Währungssystem

Der Niedergang Chinas könnte zu einem globalen deflationären Schock führen. Globale Kurseinbrüche an allen Aktienmärkten sind zu befürchten. Auch Rohstoffe würden massiv abverkauft werden. Die Folge wäre eine weltweite Neuaufstellung der Währungssysteme und der Schuldensysteme, d.h. Schuldenstreichung.

Es kommt zu einer Umverteilung von oben nach unten, prognostiziert Müller. Wenn Schulden gestrichen werden, dann ist das eine Umverteilung von oben nach unten, wiederholt er: Im Laufe der Zeit sammelt sich immer mehr Geld in den Händen weniger Menschen an. Die Masse der Menschen muss die Zinsen erwirtschaften, der Bürger muss es immer bezahlen – Zinsen sind überall in den Preisen drin, in jedem Produkt.

Irgendwann ist die Unausgewogenheit so stark, dass wir wenige Superreiche haben und eine breite Masse, die für jene die Zinsen erwirtschaften muss und nicht mehr kann. Und dann kommt es immer in der Geschichte zu einer Umverteilung, sei es per Schuldenstreichung oder Währungsreform oder aber extrem hohe Steuern für extrem hohe Einkommen. Es ist immer das gleiche Spiel.

Wenn ein Staat seine Schulden streicht, dann ist das nichts anderes als eine Umverteilung. Denn diejenigen, die hohe Ansprüche an den Staat haben, weil sie viele Anleihen haben, denen wird was weggenommen, die Ansprüche werden gestrichen. Und die Masse der Menschen, die über ihre Steuern, ihre Arbeitsleistung, diese Zinsen erarbeiten müssen, die müssen dann weniger Zinsen „erarbeiten“ und werden dadurch entlastet.

Ein Schuldenstreichen ist also eine Umverteilung von Oben nach Unten, so Müller. Der Zeitpunkt, an dem dies geschieht, rückt näher.

 
Michael Mross im Gespräch mit Dirk Müller:

 

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