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Banken gerettet, Deutschland bankrott
28.10.2011

Die beschlossene Hebelung des EFSF ist eine Katastrophe für Deutschland. Auch wenn die Folgen nicht sofort sichtbar sind – sie werden mit tödlicher Sicherheit ihren Tribut fordern. ESFF bedeutet: Die Geschwindigkeit, mit der wir gegen die Wand rasen, wird erhöht.


von Michael Mross

EFSF total – wird jetzt alles gut? Wahrscheinlich nicht. Dass der Deal für die Banken kein schlechter war, sieht man an den Kursen der Bankaktien. Fragt sich nur, wer zahlt hier eigentlich in Zukunft die Zeche? Sind es die Banken? Oder ist es der Steuerzahler, der nämlich dann bluten muss, wenn die Banken selbst es nicht schaffen, die geforderte Kapitalquote zu erfüllen.

 

Der EFSF hilft angeblich im Notfall gehebelt  bis zu 1 Billion Euro den  Not leidenden Ländern und Banken. EINE BILLION? Woher soll das Geld kommen? Der EFSF ist nichts anderes als ein Vehikel, die Ersparnisse der Deutschen anzuzapfen! Schade, dass die Menschen hierzulande dies nicht verstanden haben. Aber die Auswirkungen werden sie in Zukunft spüren.

 

Alle Vereinbarungen, die bezüglich des EFSF getroffen wurden, sind theoretischer Natur. Dass Italien, Spanien, Frankreich irgendetwas garantieren können, ist sinnlos. All diese Länder werden in Zukunft runter geratet, verlieren ihre Bonität. Am Ende ist nur Deutschland übrig. Die 220 Milliarden können wir also jetzt schon ausbuchen - zuzüglich der Garantien, die ausgesprochen wurden.

 

Angeblich stehen deutsche Banken gar nicht schlecht da. Aber das spielt keine Rolle. In Zukunft dürfen wir dank EFSF auch die maroden Geldhäuser im Süden und Westen retten. Denn diese sind es, welche voll gefüllt sind mit Giftmüll, von dem sie sich demnächst mithilfe des Steuerzahlers entledigen. Der muss nämlich einspringen, wenn die Finanzindustrie es selbst nicht schafft.

 

Neben einer höheren Kapitalquote droht den Geldhäusern noch viel schlimmeres Ungemach: EU-Banken müssen auf der Passivseite bis 2014 über fünf Billionen Euro refinanzieren. Wo dieses Geld her kommen soll, ist völlig rätselhaft. Es scheint völlig ausgeschlossen.

 

In Europa gibt es rund 7500 Banken. Kritischen Berechnungen zufolge werden davon in den nächsten Jahren mindestens 2500 Pleite gehen. Die Analysten von GEAB sehen die Bankenlandschaft in einem extrem desolaten Zustand, welcher schon bald seinen Tribut fordert: „Das Schafott ist nunmehr errichtet und mindestens jede zehnte Bank in den westlichen Staaten wird in den nächsten Quartalen die Stufen zu ihm hinaufsteigen.“

 

Wir dürfen also gespannt sein, wer dann bluten wird. Nach meinen Gesprächen mit Bankinsidern lautet die Prognose für fast jede europäische große Bank: Aktienkurs 1 Euro, bzw. 1 Cent. Auch die deutschen Banken dürften davon betroffen sein. Grund: es wird für die Finanzhäuser praktisch unmöglich, die nötigen Kapitalerhöhungen durchzuführen, um die geforderte Eigenkapitalquote zu erfüllen. Hinzu kommen noch drastische Abschreibungen aufgrund einer zu befürchtenden Rezession in 2012.

 

GEAB: „Der katastrophale Zustand des Weltfinanz- und Wirtschaftssystems wird im ersten Halbjahrs 2012 eine «Dezimierung der Banken in den westlichen Staaten» provozieren. Ihre Erträge brechen ein, ihre Bilanzen stecken voller Scheinwerte, ihre Geschäftspraktiken wollen die Staaten einer schärferen staatlichen Kontrolle unterwerfen, einigen Banken droht sogar die Verstaatlichung, und ihr Erscheinungsbild in den öffentlichen Meinungen ist auf dem Tiefpunkt.“

 

Die Bankenmisere – ein Spiegelbild des kaputten Geldsystems – ist allerdings nicht nur ein europäisches Phänomen. Banken weltweit sind praktisch am Ende. Sie werden demnächst alle verstaatlicht werden müssen. Doch anders als mancher Politiker (besonders linke und grüne) nun vielleicht meint, ist dies kein Grund zum Jubeln. Im Gegenteil. Mit der Verstaatlichung der Banken wandern natürlich auch die uneinbringbaren Schulden der Finanzhäuser ins Staatsportfolio. Was das für die Verschuldungsquote der Länder bedeutet, dürfte klar sein.

 

Mit der Verstaatlichung der eigentlich bankrotten Banken rückt auch der Staat der Pleite näher. Mir ist nicht erklärlich, wie Deutschland die ausstehenden Kredite maroder Finanzhäuser schultern soll, ohne selbst daran pleite zu gehen. Umso schlimmer die Situation, daß Deutschland jetzt praktisch für alle Problembanken in der Euro-Zone haftet – dem EFSF sei Dank.

 

Wenn demnächst in der Südschiene ein Haus via EFSF gerettet wird und die Gelder nicht ausreichen, dann wird halt „gehebelt“. Und wenn die Südschiene für den Hebel nicht mehr gerade stehen kann, wer bleibt dann wohl noch übrig?

 

Der vom EU-Gipfel beschlossene totale EFSF ist das, was auch alle anderen „Rettungsmaßnahmen“ vorher waren: reine Makulatur. Nichts als Augenwischerei. Es ist keine Problemlösung, sondern eine Verschleierung und Übertünchung der Probleme.

 

Das Pulverfass, auf dem wir sitzen, wurde nicht entschärft. Im Gegenteil: es wurde noch zusätzliches Pulver hinzugefügt. So wird dieses explosive Gemisch in Zukunft eine noch größere Sprengkraft entfalten. Die Explosion wird so verheerend sein, dass sie alles in den Abgrund reißt. Und nur eines ist sicher: Die Lunte brennt schon.


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