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EZB-Angst-Indikator auf Rekord | Drucken |
27.12.2011

Weil die Banken Angst voreinander haben, bunkern sie ihr Geld bei der EZB. Wie aus EZB-Zahlen am Dienstag hervorgeht, stiegen die Einlagen auf fast 412 Milliarden Euro. Damit erreichten sie den höchsten Stand in der Geschichte des Euro. - Der EZB-Angstindikator: Steht das Finanzsystem schon wieder am Abgrund?

 

von Thorsten Wagner

Vor Weihnachten flutete die EZB über 500 europäische Banken noch mit 500 Milliarden Euro, um das Bankensystem zu stabilisieren. Wer das Geld erhielt und wieviel einzelnen Banken zugeteilt wurde, bleibt natürlich das streng gehütete Geheimnis der Notenbank. Doch der Effekt ist schon wieder verpufft. Unter europäischen Banken herrscht Angst. Und deshalb leihen sich die Geldhäuser untereinander nichts mehr, was eine ernsthafte Gefahr für das Bankensystem darstellt.

Statt es untereinander auszuleihen, tragen die Banken ihr Geld lieber zur EZB. Ein schlechtes Geschäft, denn dafür kriegen sie weniger Zinsen und das Geld kommt im Wirtschaftskreislauf nicht an. Beobachter befürchten bereits eine Kreditklemme. Denn das Geld, das jetzt bei der EZB lagert, könnten Unternehmen und Staaten dringend brauchen.

Wie aus EZB-Zahlen am Dienstag hervorgeht, stiegen die Einlagen auf fast 412 Milliarden Euro. Damit erreichten sie den höchsten Stand in der Geschichte des Euro. Der bisherige Rekord war am 11. Juni 2010 mit etwa 385 Milliarden Euro erreicht worden. Vor Weihnachten lag die Summe noch bei 347 Milliarden und damit 65 Milliarden Euro unterhalb des gegenwärtigen Wertes.

Ein weiterer Hinweis auf die Entwicklung der Euro-Zone könne nach Ansicht von Beobachtern noch in der laufenden Woche erfolgen. So will Italien am Mittwoch und Donnerstag Staatsanleihen im Umfang von 20 Milliarden Euro auf den Markt bringen. Rom hatte zuletzt hohe Zinsen für seine Papiere zahlen müssen.

Ein nicht funktionierender Interbankenhandel ist eine ernsthafte Bedrohung für das Finanzsystem. Im Mai 2010 kam es schon mal zu einer ähnlichen Situation. Damals sprach selbst die EZB in ihrem Monatsbericht davon, dass das Finanzsystem kurz vor dem Zusammenbruch stand.


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