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China vor Absturz | Drucken |
30.12.2011

Im Reich der Mitte eskaliert die Finanzkrise. Das könnte der letzte Sargnagel für's Finanzsystem sein. - Chinas Banken kurz vor Kollaps. 20 bis 30 Prozent der Kredite notleidend. Gravierende Folgen für das chinesische Bankensystem. Undurchsichtiges Schattenbanksystem verschlimmert die Lage noch.

 

Die Volksrepublik China hat ihre eigene Finanzkrise: hausgemacht! Nur redet niemand davon. Sie wird sogar im Westen totgeschwiegen, um nicht einen schlafenden Riesen zu wecken. Gemeint ist Chinas riesiger, verborgener Schuldenberg (!). Selbst Optimisten bestätigen, dass die chinesischen Provinzen Schuldenberge aufgetürmt haben, die die europäischen Sorgen um Griechenland etc. als „wesentlich unbedeutender“ erscheinen lassen. Dies ist auch der Grund, warum sich Peking seit Wochen auffällig moderat gibt, nicht mehr militant von einem Wirtschaftskrieg mit Amerika spricht und die europäische Finanzkrise „mit Samthandschuhen“ anfasst. Andererseits auch nicht mehr davon spricht, den EUROpäern beistehen zu wollen. In kurzen Worten: in Chinas Finanzmärkten stehen die Zeichen auf Sturm. Wohl lodern die Flammen noch nicht lichterloh, aber viel fehlt nicht mehr dazu.



Chinas Banken sind weitgehend in Staatshand und vergeben ihre Kredite vorwiegend an grosse Aktien- oder Staatsunternehmen. Die zudem noch zu einem Grossteil von der Armee kontrolliert werden. Das hat die Privatfirmen und die Unternehmungen, die für den Export arbeiten, in die Arme oftmals dubioser Geldverleiher (Kredithaie) getrieben. Diese liehen sich sogar gegenseitig Geld aus. Sie schufen damit im ganzen Reich ein florierendes System an Schattenbanken. Deren Zinssätze aber bewegten sich teilweise in hochzweistelligen Zahlen. Die Kreditklemme der Kleinfirmen und die darin agierenden „Schattenbanken“ sind aber nur eines der grossen Finanzprobleme Chinas. Denn genau so schwer wiegt der riesige Schuldenberg, den Chinas Provinz- und Regionalregierungen sowie die lokalen Institutionen in den letzten Jahren quer durchs Land aufgehäuft haben. Die offiziellen Daten (!) der chinesischen Notenbank sprechen von gegen 11’000 Milliarden (!) Yuan. Das sind wohlverstanden über 1’200 Milliarden Euro.


1’200 Milliarden Euro, das entspricht mehr als einem Viertel (genau 27 Prozent) des chinesischen BIP (Bruttoinlandprodukt). Es war Peking, das vor zwei Jahren die Provinzen und Regionen ermunterte, auf Pump Infrastrukturprojekte zu bauen, um die Wirtschaft zu stützen und zu beleben. „Die Defizite vieler chinesischer Provinzen (!) sind heute schon höher als jenes von Griechenland.“ In den reichen Küstenprovinzen liegt das Defizit zwar erst bei 3 Prozent, in den ärmeren Regionen Zentral-, Nord- und Westchinas sind es aber bereits 14 Prozent. In Griechenland sind es knapp zehn Prozent!



Analyst Tao Wang von der UBS in Hongkong rechnet inzwischen in einer Studie damit, dass 20 bis 30 Prozent der Kredite (!) notleidend sind – mit möglicherweise gravierenden Folgen für das chinesische Bankensystem. „Peking wird seine grossen Devisenreserven massiv anzapfen müssen und den Staatsbanken mit Abermilliarden unter die Arme greifen müssen. Nur dadurch kann ein drohender Bankenkollaps überhaupt vermieden werden.“ Nach Recherchen von „China Confidential“ stellt das Schattenbankwesen der Wirtschaft inzwischen mehr Geld zur Verfügung als die offiziellen Kreditinstitute. Die Zentralbank schätzt nämlich das Volumen aller Schattenkredite auf 3’400 Millionen Yuan (rund 400 Milliarden Euro). Das alleine wären schon 20 Prozent aller ausstehenden chinesischen Kredite.



Die Provinz- und Regionalregierungen hatten schlitzohrig die restriktive Zuteilung von Krediten unterlaufen. Sie gründeten sogenannte Finanzierungsgesellschaften, die dank einer Gesetzeslücke den strengen Auflagen der Zentralregierung nicht unterlagen. So konnten sie nochmals riesige Gelder abschöpfen, denn die Chinesen vertrauten ihre Ersparnisse den lokalen Behörden an. In der Meinung, der Staat werde dafür gerade stehen. Heute gibt es über 10’000 (!) solcher Finanzvehikel in ganz China. Künftige Zahlungsströme sollten ihre Schulden tilgen. Doch viele Projekte waren Infrastrukturbauten ohne Einnahmen – nur mit Unterhaltskosten. Das gilt vor allem für den Transportsektor. Für Lu Dadao, einflussreicher Wirtschaftsgeograph der Akademie der Wissenschaften sind „...lange Passagen von Autobahnen, die in Zentral- und Westchina gebaut wurden, meist leer und liegen nur an der Sonne“. Aber ohne Autobahngebühren fliesst eben kein Geld an die Finanzvehikel zurück, sondern es fallen nur erbarmungslos Unterhalts- und Betriebskosten an.



Jetzt erwägt die Zentralregierung gar, die Börsenvorschriften für die Aufnahme von Geldern wie Obligationenanleihen schrittweise zu erweitern. Vorerst wird an drei- bis fünfjährige Anleihen gedacht. Aber es spricht einiges dagegen: Einen Anleihenmarkt gab es in China bisher kaum. Es wird mehr als nur aufmunternde Worte brauchen, um die misstrauischen und bisher um ihr Geld gebrachten Chinesen für einen wirksamen Anleihenmarkt zu interessieren. Und das Ausland dürfte bei der derzeitig desolaten Finanzlage gleichfalls die Lippen schürzen.

www.vertraulicher.li


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