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Frankreich bald Ramsch | Drucken |
21.01.2012

Ökonom Artus rechnet mit weiterer Herabstufung Frankreichs. Deutschland sei zunehmend in der Führungsrolle in Europa, weil Frankreich aufgrund der großen ökonomischen Probleme zurückfalle. „Auf Dauer droht dem Land wegen der Explosion seiner Schulden und der wirtschaftlichen Stagnation die Zahlungsunfähigkeit."

 

Die Herabstufung Frankreichs durch die Ratingagentur Standard & Poor’s ist nach den Erwartung des französischen Ökonomen Patrick Artus, Chefvolkswirt der Bank Natixis, nur der Anfang. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung und ausbleibender Reformen fürchtet Artus „in den kommenden Monaten eine weitere Herabstufung“. Präsident Nicolas Sarkozy müsse kurzfristig die hohe Staatsverschuldung senken. Die bisherigen Vorschläge aus einer leichten Ausgabenkürzung und höheren Steuern reiche nicht. „Frankreich muss das Wachstum langfristig durch eine angebotsorientierte Politik fördern und kurzfristig das Defizit senken“, fordert Artus in der WirtschaftsWoche. „Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität der Industrie müssen durch eine Steuerreform verbessert werden.


Deutschland muss alleine führen

Der französische Ökonom und Autor Nicolas Baverez sieht Deutschland zunehmend in der Führungsrolle in Europa, weil Frankreich aufgrund der großen ökonomischen Probleme zunehmend zurückfalle. „Auf Dauer droht dem Land wegen der Explosion seiner Schulden und der wirtschaftlichen Stagnation die Zahlungsunfähigkeit. Frankreich wird weit hinter Deutschland zurückgeworfen, das allein die Führungsrolle in Kontinentaleuropa übernimmt“, sagte Baverez der WirtschaftsWoche. Deshalb wundert sich der Ökonom auch nicht über die Abstufung Frankreichs. „Die Herabstufung ist Folge der Unfähigkeit zu Reformen, Barometer und Symbol des französischen Niedergangs. Frankreich ist dabei, die Kontrolle über sein Schicksal zu verlieren.“


Baverez zeichnet ein düsteres Bild Frankreichs. Das Land lebe über seine Verhältnisse. „Die Wachstumsrate liegt um die null, die Arbeitslosenquote beträgt mehr als zehn Prozent, das Außenhandelsdefizit liegt bei der Rekordsumme von 75 Milliarden Euro, Defizit und Schuldenstand ufern unkontrolliert aus. Die Privatwirtschaft befindet sich im freien Fall. Der öffentliche Sektor beschäftigt 5,4 Millionen Beamte, 500.000 mehr als in Deutschland, das 20 Millionen Einwohner mehr zählt.“


Präsident Nicolas Sarkozy müsse schleunigst die schlimmsten Auswüchse – die zu geringe Arbeitszeit und die ausufernde öffentliche Verschuldung – korrigieren. „Die Arbeitszeit in Frankreich ist heute die niedrigste in Europa. Im öffentlichen Dienst liegt sie unter 35 Stunden, während sie im Durchschnitt der EU 38,6 Stunden erreicht. Viele Beamte in Frankreich arbeiten nur 32 Stunden pro Woche mit zwölf Wochen Urlaub und einem Lohnniveau, das um elf Prozent über dem Durchschnitt des privaten Sektors liegt. Das ist unhaltbar.“ Der nächste Präsident müsse unbedingt die gesetzliche Arbeitszeit verlängern, fordert Baverez im Interview mit der Wirtschaftswoche. „Die 35-Stunden-Woche, die den Staat in Form von Abgabenerleichterungen jährlich 22 Milliarden Euro kostet, muss abgeschafft werden. Die Arbeitszeit muss auf 38 oder 39 Stunden angehoben werden. Nur so kann die Produktion wachsen, ohne dass die Löhne gesenkt werden müssen.


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