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Barclays: Banken- und Staatenpleite droht | Drucken |
30.01.2012
Barclays-Chefökonom warnt vor Pleitewelle von Staaten und Unternehmen in Europa. „Gerade im Euroraum birgt eine Kreditklemme besondere Gefahren aufgrund der Übergröße seines Bankenapparates“. So hätten die Euro-Finanzinstitute mittlerweile eine „kollosale Bilanzsumme“ von gut 34 Billionen Euro erreicht.


Der Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland, Thorsten Polleit, hält infolge der sich ausweitenden Schulden- und Bankenkrise eine Kreditklemme mit katastrophalen Folgen für Staaten, Unternehmen und Konsumenten im Euroraum für möglich.

„Gerade im Euroraum birgt eine Kreditklemme besondere Gefahren aufgrund der Übergröße seines Bankenapparates“, schreibt Polleit in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. So hätten die Euro-Finanzinstitute mittlerweile eine „kollosale Bilanzsumme“ von gut 34 Billionen Euro erreicht – dies entspreche etwa 356 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Anfang 1999 seien es noch 231 Prozent gewesen.

Der Bankensektor in den Vereinigten Staaten von Amerika weise dagegen eine Bilanzsumme von nur etwa 12,5 Billionen US-Dollar oder 82 Prozent der Wirtschaftsleistung auf. Polleit folgert daraus, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen, die aus einer Kreditklemme resultieren könnten, im Euroraum „deutlich größer ausfielen als in den Vereinigten Staaten.

Nach Einschätzung von Polleit könnten die Konjunkturen „mitunter schwer leiden, vermutlich sogar in eine Rezession fallen“. Schließlich bestehe gerade im Euroraum zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Bankkreditvergabe ein sehr enger Zusammenhang. „Zum anderen kann sich aus der Kreditkontraktion eine deflationäre Abwärtsspirale entwickeln, die dann eine Pleitewelle von Unternehmen, Konsumenten und Staaten in Gang setzt“, schreibt der Ökonom.

„Vor allem chronisch auf Pump finanzierte staatliche Schuldner und Banken gerieten im Zuge einer deflationären Geldmengenkontraktion ins Trudeln“, ist sich Polleit sicher. Dies würde aus seiner Sicht den politischen Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) „vehement anschwellen lassen, die umlaufende Geldmenge nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern immer weiter auszuweiten, die Kapitalmarktzinsen auf tiefe Niveaus zu manipulieren und letztlich die realen Schuldenlasten im Zuge einer Inflations- oder gar Hochinflationspolitik zu vermindern“.

Dessen ungeachtet hält Polleit eine Krediteinschränkung für eine ökonomisch notwendige, wenn auch schmerzhafte Korrektur der vorangegangenen Kredit-Boom-Exzesse, die die Zentralbanken mit ihrer Niedrigzinspolitik verursacht hätten. Eine Kreditklemme könnte aus seiner Sicht „auch der Beschleuniger sein, dass die EZB über kurz oder lang auf eine Politik der hohen Inflation einschwenkt“
Kompletter Gastbeitrag von Thorsten Polleit handelsblatt.com

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