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Schiffsbank in Seenot | Drucken |
22.02.2012

Commerzbank-Tochter Schiffsbank:  „Wir werden in diesem Jahr eine Zunahme von Insolvenzen bei Schiffsfonds sehen. Bei einigen Schiffen ist absehbar, dass sie nicht mehr zu einem geordneten Kapitaldienst zurückkehren können.“ - Baltic Dry Index weiterhin auf Tiefständen.

 

Die zur Commerzbank gehörende Deutsche Schiffsbank sortiert einen großen Teil ihrer Kreditnehmer aus. Mit den als nicht-strategisch eingestuften Reedern will sie keine neuen Geschäfte mehr machen. „Wir schauen uns aktuell jede einzelne unserer Kundenbeziehungen genau an und legen fest, mit welchen Kunden wir unsere Beziehungen intensivieren werden“, sagte Schiffsbank-Vorstandssprecher Stefan Otto der Financial Times Deutschland (Mittwochsausgabe). Grundsätzlich gelte: „Neugeschäft machen wir nur noch selektiv. Nicht-strategische Engagements werden wir auslaufen lassen.“

 

Damit reagiert die Bank auf die lang andauernde Krise bei vielen Reedern. Sie wappnet sich zugleich für die künftig strengeren Kapitalvorschriften, nach denen Banken für riskante Engagements sehr viel mehr Eigenmittel unterlegen müssen. „Das Schiffsfinanzierungsbuch wird kleiner werden“, sagte Otto. Das habe strategische Priorität. Das Schrumpfen des Bestands sei auch aufgrund der bevorstehenden Integration des Instituts in die Commerzbank nötig. „Das Schiffskreditportfolio muss im Verhältnis zur Bilanz der Commerzbank passen“, sagte Otto. „Dafür muss es noch weiter schrumpfen.“

Die Commerzbank hatte im vergangenen November die restlichen acht Prozent der Anteile an der Schiffsbank von der HypoVereinsbank übernommen. Die Integration soll im zweiten Quartal 2012 abgeschlossen werden, so Otto.

Die Deutsche Schiffsbank ist hinter der HSH Nordbank die Nummer zwei unter den deutschen Schiffsfinanzierern. Zusammen mit der Commerzbank hält sie rund 21 Mrd. Euro an Schiffskrediten. Diese sollen um etwa ein Drittel abgeschmolzen werden, sagte Otto.

Kunden, die von der Bank als nicht-strategisch eingestuft werden, werden es in Zukunft schwer haben, noch Finanzierungen zu finden. Immer mehr Institute ziehen sich aus der Schiffsfinanzierung zurück. Das Vorgehen der Bank ist auch ein Zeichen dafür, dass die Schiffsfinanzierer die Geduld mit ihren angeschlagenen Kunden, darunter viele Schiffsfonds, verlieren. Seit vergangenem Herbst hatte es bereits eine große Anzahl von Pleiten bei Schiffsbeteiligungen gegeben.

Otto erwartet, dass sich die Situation 2012 noch verschärft. „Wir werden in diesem Jahr eine Zunahme von Insolvenzen bei Schiffsfonds sehen“, sagte er. Je länger die Krise dauere, desto geringer werde der Spielraum, den Banken für Restrukturierungen bei Bestandskunden haben. „Bei einigen Schiffen ist absehbar, dass sie nicht mehr zu einem geordneten Kapitaldienst zurückkehren können.“
 

Baltic Dry Index auf Tiefständen
 
Der Baltic Dry Index ist seit drei Monaten praktisch im freien Fall. Der Tiefstand betrug vor zwei Wochen 652 Punkte. Der BDI rangiert somit nominell auf dem tiefsten Stand seit 22 Jahren und inflationsbereinigt auf Rekordtief. Der BDI war zwischenzeitlich sogar noch  tiefer als 2008, als die aktuelle Geldsystemkrise ihren ersten Höhepunkt erreichte. In den letzten Tagen konnte sich der Index zwar wieder minimal erholen, rangiert aber damit immer noch auf Tiefständen und bewegt sich auf einem Niveau, auf dem Schiffe nicht kostendeckend betrieben werden können.
 
 
Baltic Dry Index September 2011 bis 21.Februar 2012

Zur Erinnerung: In Hochzeiten, im Sommer 2008 notierte der BDI bei fast 12000 Punkten - gestern notierte er bei 706 Punkten.
 

Besonders für zyklische Werte an der Börse wie Thyssenkrupp oder  Klöckner könnte der Index durchaus eine Aussagekraft haben, was man an der Kursentwicklung der beiden Werte beobachten konnte. Sie gingen praktisch parallel zum BDI nach Süden, konnten sich im jedoch im Januar wieder erholen.

Auch wenn der BDI nicht mehr die Aussagekraft früherer Zeiten haben mag – die Dynamik des Kollapses ist schon beachtlich.


Capesize taucht ab

Nicht nur der BDI ist im freien Fall, sondern auch die Frachtraten für die anderen Schiffsklassen ebenfalls: Der Frachtpreis für einen Tag der Schiffsklasse Capesize fiel auf 5327 Dollar. Das Hoch lag bei über 233000 Dollar. – Nach Angaben aus Schiffahrtskreisen fahren die Frachter damit unterhalb ihrer Betriebskosten, der bei rund 7400 Dollar pro Tag liegt. Mit Abschreibung, Finanzierung und Zinsen belaufen sich die Kosten laut einer Studie von JP-Morgen aber auf rund 19000 Dollar pro Tag.


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