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SWIFT Spionage: Profitieren US-Hedgefonds?
01.05.2012

Ein „Terrorist Finance Tracking Programm" der CIA überwacht den Überweisungsverkehr (SWIFT) in Europa. Das Abkommen erlaubt den USA auf Verdacht den Zugriff auf die von über 8’800 Banken und Finanzinstitute kommunizierten Kontobewegungen ihrer Kunden. Nutzt die US-Industrie diese Erkenntnisse zu ihrem Vorteil?

 

Ohne die ständig geschürte Terrorangst der Amerikaner könnte die CIA nicht ihre Wirtschaftsspionage wie eine Krake über der ganzen Welt ausbreiten! Fachleute sind sich einig: Ohne die im digitalen Zeitalter anfallenden Datenvolumen könnten Geheimdienste, Unternehmen und Finanzmarktteilnehmer nicht die ungeahnten Möglichkeiten der eigentlichen Wirtschaftsspionage in allen ihren Facetten ungestraft ausüben. Unter dem Allgemeinbegriff „Terrorbekämpfung“ wurde zwischen vielen Nationen sogenannte Datenabkommen beschlossen. Sie dienen vor allem einem Mitspieler im globalen Getümmel der Geheimdienste in die Hände: den USA und ihren 16 verschiedenen Diensten.

 

Franzosen und Engländer galten während Jahrzehnten als die Meister der indirekten Wirtschaftsspionage. Bis das Internet mit seiner unermesslichen Datenfülle kam und permanenten Zugang zu praktisch allen Datenbanken der Welt gestattete. So hat der exCIA-Direktor James Woolsey öffentlich gestanden, dass „die CIA die nationale amerikanische Industrie im Konkurrenzkampf mit ausländischen Firmen mit allen (!) Mitteln unterstützt.“ Deutlicher kann ein Bekenntnis zur gezielten, permanenten und professionellen Wirtschaftsspionage nicht ausfallen. Seit längerem in der Kritik steht das SWIFT-Abkommen „Terrorist Finance Tracking Programme“ (TFTP), das den Austausch von europäischen Bankdateninformationen mit den USA regelt.

 

Offiziell zur Terrorismus-Bekämpfung eingesetzt, erlaubt das Abkommen den USA auf Verdacht den Zugriff auf die von über 8’800 Banken und Finanzinstitute kommunizierten Kontobewegungen ihrer Kunden. Datenschützer, auch einzelne EU-Parlamentarier, warnen hingegen, dass sich die USA nicht an die Vereinbarungen halten und europäische Bankdaten praktisch uneingeschränkt, ohne Anlass und auf Vorrat speichern. Und keine Spur davon, dass europäische Geheimdienste auf amerikanische Bankendaten zurückgreifen könnten. „Es ist eine klassische Informations-Daten-Einbahnstrasse“ jammert ein Geheimdienstler wohl nicht zu Unrecht.

 

Zur Beruhigung der ausländischen Dienste hatte Amerika in der Vereinbarung festgeschrieben, dass die unabhängige (!?) Audit-Firma Booz Allen Hamilton dafür sorgen sollte, dass die von SWIFT abgefragten Daten einzig und alleine zur Terrorismus-Verfolgung genutzt werden. Interessant, dass ausgerechnet exCIA-Chef James Woolsey und der frühere Direktor der allmächtigen National Security Agency (NSA) im Vorstand der Booz Allen Hamilton sitzen.

 

Datenfachmann Friedrich Wimmer beurteilt die reale Wirtschaftsspionage im kürzlichen „Security Forum“ des Hagenberger Kreises so: „...über entsprechende Analyse-Tools können Markttrends, aber auch Geschäftsbeziehungen sowie der Lieferanten- und Kundenstamm von Unternehmen leicht aufgedeckt werden“. Wenn man den SWIFT-Datenpool mit den umfangreichen Zolldaten – etwa im Frachtschiff-Bereich – und schliesslich mit den Flug- und Bewegungsdaten verknüpft, kann man sich genaue Profile von Unternehmen und ihren Geschäftsfeldern erstellen.

 

Aber auch die Volksrepublik China mischt tüchtig in der Wirtschaftsspionage mit. Anders als die USA ist das Land gegenwärtig viel mehr an Technologien und Produktentwicklungen interessiert. Für diese fehlt oftmals noch das Know-how im eigenen Lande. Markt- und Absatzstrategien spielen daher noch eine untergeordnete Rolle. Der militärische Aspekt wird in China besonders gezielt gepflegt. „Peking spezialisiert sich vor allem darauf, in Computersysteme der anderen Wirtschafts- und Militärländer einzudringen“.

 

Aber Geheimdienste und Konkurrenzunternehmen sind heute nicht die einzigen, die von Wirtschaftsspionage profitieren. Gerade auch auf den internationalen Finanzmärkten ist die Konkurrenz enorm. Für Kapitalmarktakteure erweist sich daher der Vorab-Zugang zu volkswirtschaftlichen und unternehmerischen Entwicklung als ständige Goldgrube. „Dass so mit Geheiminformationen ein entsprechender Informationsvorsprung erzielt werden kann, ist offensichtlich.“ Und dass daraus an den Finanzplätzen und Börsen zusätzliche Gewinne erzielt werden. Ein Fachmann formuliert es so: „Es ist wohl kein Zufall, dass gerade die US-Hedgefonds in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich erfolgreich waren“

www.vertraulicher.li


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