DAX: Die Mär vom Rekord

    Steht der DAX unmittelbar vor seinen Rekordständen? Bei genauerem Hinsehen trifft eher das Gegenteil zu. Das hohe Niveau täuscht über den tatsächlichen Stand der Aktienkurse - denn im DAX sind die Dividenden eingepreist. Telekom, Versorger und die Banken erkennen ihr Allzeithoch bestenfalls mit dem Fernglas.

     

    Von Roland Klaus

    Verfolgt man die derzeitigen Diskussion über den deutschen Aktienmarkt, so scheint klar: Der DAX steht unmittelbar vor seinen Rekordständen und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis er sie erreicht. Aber wie weit sind deutsche Aktien tatsächlich von ihren Rekorden entfernt? Die Antwort lautet: weiter als man denkt. Da der DAX nämlich ein Performance-Index ist, der die Dividendenzahlungen berücksichtigt und in Kurssteigerungen ummünzt, täuscht das hohe Niveau des Index über den tatsächlichen Stand der Aktienkurse hinweg. Seit seiner Einführung im Jahr 1988 ist der DAX im Schnitt allein durch die Dividenden um 2,6 Prozent jährlich gestiegen.

    Zweimal hat der Index in seiner Geschichte die Marke von 8000 Punkten überschritten – einmal im Jahr März 2000, damals lag der Höchststand bei 8065 Punkten. Das zweite Mal im Jahr 2007, als er bis 8105 Punkte (jeweils Schlussstände) stieg. Bereinigt man jedoch um den Einfluss der Dividenden und berücksichtigt nur die Aktienkurse, so lag der DAX im Jahr 2000 um einiges höher als 2007. Der gleiche Effekt sorgt dafür, dass wir aktuell noch meilenweit von den Höchstständen deutscher Aktien entfernt sind. Nicht nur vier oder fünf Prozent, wie es der DAX auf den ersten Blick Glauben macht, sondern rund 30 Prozent! Geht man noch einen Schritt weiter und berücksichtigt die zwischenzeitliche Geldentwertung, so müssten die DAX-Aktien nach Berechnung der LBBW sogar fast 45 Prozent steigen, um den Stand zur Jahrtausendwende zu erreichen.

    Natürlich gibt es im DAX einige Papiere, die bereits längst die Hochstände aus den Jahren 2000 und 2007 geknackt haben. Unternehmen wie Linde, Henkel, Adidas, SAP, Bayer und BASF gehören dazu, ebenso wie die Autohersteller – mit Ausnahme von Daimler.

    Aber es gibt auch zahlreiche Aktien, die ihre ehemaligen Kurse nur aus weiter Ferne sehen und vielleicht nie wieder so hoch notieren werden wie zur Jahrtausendwende. Allen voran gehört die Telekom dazu, die mehr als 90 Prozent unter den damaligen Blasenkursen liegt. Aber auch die Versorger und die Banken erkennen ihr Allzeithoch bestenfalls mit dem Fernglas.

    Im Mittel sind die Kurse deutscher Standardwerte noch ein gutes Stück entfernt davon, Rekordstände zu erreichen. Genauso wie beispielsweise die Aktienmärkte in Frankreich oder Großbritannien, wo die bekanntesten Indizes FTSE 100 und CAC 40 als sogenannte Kursindizes berechnet

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    werden, das bedeutet, dass Dividendenzahlungen nicht in den Indexwert einfließen. Dementsprechend notieren sie deutlich unter ihren Rekordständen.

    Ähnlich sähe es bei uns aus, wenn der DAX nur die Kursentwicklungen der Aktien widerspiegeln würde. Lediglich der Dividendeneffekt führt also dazu, dass wir uns derzeit mit der Frage befassen, ob der deutsche Aktienmarkt sein Rekordhoch bald knacken kann.

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