Es geht wieder los...

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie einfach viele Erscheinungen in der Wirtschaft, aber auch an der Börse letztlich erklärt werden können. Eines der grundlegendsten Hilfsmittel dabei ist das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage.

     

    Von Torsten Ewert

    Das grundlegendste ökonomische Gesetz

    Eine wachsende Nachfrage wird immer auch mehr Angebote nach sich ziehen – wenn der jeweilige Markt elastisch genug ist, auf die Nachfrage zu regieren. Oder es steigen einfach die Preise. Aber natürlich auch umgekehrt: Wo die Preise steigen, drängen neue Anbieter in den Markt, die sich ein gutes Geschäft erhoffen.

    Das gilt auch für die Börsen. Allerdings ist das meist nicht so offensichtlich. Doch in einem Bereich lässt sich das fast lehrbuchhaft verfolgen – im IPO-Markt.

    Den Ausdruck „IPO“, also Initial Public Offering oder schlicht „Börsengang“ hat manch einer aus den Zeiten der Internet-Euphorie noch in schlechter Erinnerung. Damals schoss die Zahl neuer Firmen auf dem Börsenparkett nach oben (siehe folgende Grafik).

    Quelle: Fortune

    Auch Unternehmen kauft man wie auf dem Basar

    Die Verlockung, die hohen Börsenkurse und die starke (teilweise manipulierte) Nachfrage auszunutzen, war einfach viel zu groß.  

    Mit dem folgenden Crash sanken dann Preise und Nachfrage, folglich gab es auch auffallend wenig IPOs. Das änderte sich erst in dem Börsenaufschwung 2004 bis 2007. Auch hier erreichten die Börsengänge im Boomjahr 2007 wieder einen vorläufigen Höhepunkt. 

    Genauso folgerichtig fielen die Zahlen für 2008 / 2009 wieder auf neue Tiefs. In diesem Jahr ist nun ein erneuter deutlicher Anstieg zu erkennen. Auffallend dabei: die Zahl der Börsengänge, die per Juli dieses Jahres bereits abgeschlossen wurden, übersteigt bereits die gesamte Vorjahreszahl! 

    Wie interpretieren wir das nun nach unserem Gesetz von Angebot und Nachfrage? Zum einen wagen mehr Firmen den Gang aufs Börsenparkett, nachdem sie im Vorfeld erkennen konnten, dass entsprechende Unternehmensbewertungen auch zu angemessenen Preisen führen. Das lässt sich ja sehr einfach an den Börsenkursen ablesen. 

    Aufschlussreiches Handeln der Großinvestoren

    Zum anderen sind offenbar auch immer mehr Anleger bereit, zu diesen höheren Preisen zu kaufen. Da wir aber noch weit von dem euphorischen Überschwang entfernt sind, der 1999 / 2000, aber auch 2007 die Preise trieb, kann das doch nur eines bedeuten: Die Käufer sehen – relativ rational – trotz der höheren Preise immer noch ausreichend Steigerungspotenzial, sonst würden sie die Deals ja nicht machen!

    Das ist einigermaßen erstaunlich, da speziell in den USA der Disput um den „Double-Dip“ also einen erneuten Einbruch der Wirtschaft gerade voll entbrannt ist. Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Diskussion und dem Handeln der Anleger ist also offensichtlich.

    Die Stimmung an den Börsen ist häufig ein wichtiges Indiz für den weiteren Kursverlauf. Jedoch sind nicht nur Stimmungsextreme wie die Gier 1999 / 2000 und die Angst 2003 bzw. 2009 von Bedeutung. Auch ein eindeutiges Auseinanderklaffen von Worten und Taten der Investoren ist ein starkes Zeichen.

    Insofern ist der Erfolg der Börsenneulinge in diesem Jahr ein ermunterndes Signal für alle Anleger. Wundern Sie sich also nicht, wenn trotz der anhaltenden Weltuntergangsstimmung in vielen Börsenmedien die Rally nach der Sommerpause einfach weiter geht.

    Und der Mainstream schaut derweil wieder in die falsche Richtung...

    In diesem Zusammenhang noch ein interessanter Hinweis: Bislang beschworen einschlägige Medien eine Mega-Inflation und den Staatsbankrott aufgrund von Schuldenkrise und Rettungspaketen. Unlängst wurde ein Schwenk vollzogen. Deflation heißt nun die Devise. (Ein Thema übrigens, dass im Steffens Daily schon seit Beginn der Krise eine Rolle spielte...)

    Deflation bedeutet allerdings wirtschaftliche Stagnation und Niedergang. Doch wie passt das zu dem offenkundigen Optimismus, der sich in der steigenden Zahl der IPOs widerspiegelt? Richtig, gar nicht! Und dreimal dürfen Sie raten, wer wahrscheinlich eher Recht hat mit seiner Einschätzung – die Großinvestoren, die neue Aktien zeichneten (Privatanleger spielten bei den IPOs faktisch keine Rolle) oder die Massenmedien, die eine Massenstimmung meist zur Unzeit aufgreifen...

    Ich würde mich also nicht wundern, wenn wir in ein paar Monaten zu der Erkenntnis kommen, dass ausgerechnet der August 2010 das Ende der laufenden Aktienmarktkorrektur markierte.

    Steffens Daily --->stockstreet.de

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