Die Märkte sind Irland

    Fehlschlag: Irland-Stützung kann die Anleger (noch) nicht beruhigen. Euro schwächer. - Einschlag: Portugals Opposition bezichtigt die Regierung der Datenmanipulation. - Ausschlag:  AAA-Rentenmärkte tendieren zur Abwechslung mal fester.

     

    Von Kornelius Purps, UniCredit Research 

    "Die Schweden sind keine Holländer – das hat man genau gesehen." Kaiser Franz Beckenbauer hat in Geographie aufgepasst. Genau so wie Thomas König, seines Zeichens Sportreporter bei ORF: "Brasilianer waren sie noch nie, die Griechen." Paul Breitner wiederum zweifelt diese Theorien an: "Sie sollen nicht glauben, dass sie Brasilianer sind, nur weil sie aus Brasilien kommen." Gegen derlei Bedenken hilft ja vielleicht der aktuelle Erdkunde-Leistungskurs in den Medien: "Spanien ist nicht Griechenland" (spanische Finanzministerin). "Portugal ist nicht Griechenland" (The Economist). "Griechenland ist nicht Irland" (griechischer Finanzminister). "Spanien ist weder Irland noch Portugal" (spanische Finanzministerin). "Weder Spanien noch Portugal sind Irland" (OECD Generalsekretär). Aber die Evolution schreitet voran: "Das nächste Irland heißt Portugal" (Handelsblatt, heute).

    Es geht aber auch mit weniger semantischen Schnörkeleien: "Iren = Griechen = pleite" (Jochen F., Anleihenexperte bei einem Anlageexperten, vor vier Wochen in der FTD). Tatsache ist: Alle zitierten Länder sind Mitgliedsstaaten der Europäischen Währungsunion, alle Staaten haben gegenüber Deutschland einen festen Wechselkurs, und alle Staaten haben Haushaltsprobleme. Woher dieser Probleme rühren – da gibt es freilich erhebliche nationale Unterschiede ("Defizit ist nicht gleich Defizit"): Über-die-Verhältnisse-leben und Keine-Kontrolle-über-Statistiken sind die Ursachen in Griechenland. Exzessive Immobilienkreditvergabe ist der Hauptgrund in Irland. Strukturschwache Volkswirtschaft ist die Ursache in Portugal. Geplatzte Immobilienblase und hohe Arbeitslosigkeit ist es in Spanien.

    Welches auch immer die Ursachen der Haushaltsprobleme sind, am Ende entscheidet eine einzige Zahl über Rettung oder nicht: Die Kapitalmarktrendite. Bis 5% ist alles in Butter. Zwischen 5% und 7% ist's kritisch, weil zu solchen Zinssätzen eine nachhaltige Budgetkonsolidierung kaum zu bewerkstelligen ist. Alles, was darüber zu zahlen ist, macht einen Anruf beim Rettungsschirm der EWU nahezu unausweichlich. Und diesen Marktgesetzen müssen sich alle Länder stellen, da gilt "Griechenland ist Irland ist Portugal ist Spanien" ("…ist Deutschland ist Brasilien…").

    Es bestehen nur noch wenig Zweifel, dass sich Irland in den kommenden Tagen mit den anderen Staaten der EWU und dem IWF auf ein Kreditpaket einigt. Zwischen 15 und 40 Mrd. Euro werden für die Banken benötigt, etwa 60 Mrd. Euro, um den Staat für rund drei Jahre vom Kapitalmarkt zu nehmen. Kreditbedingung wird eine umfassende Restrukturierung des Bankensektors und – selbstredend – eine zügige Reduzierung des Haushaltsdefizits sein (Ziel: 3% Maastricht-Kriterium wird im Jahr 2014 erfüllt). Die öffentliche Diskussion ereifert sich jedoch fast ausschließlich am niedrigen irischen Unternehmenssteuersatz von 12,5%. Bildete dieser nicht eben noch das Rückgrat der irischen Prosperität der vergangenen 20, 30 Jahre? Wurde "das irische Modell" nicht stets über seinen eigenen grünen Klee gelobt? Der Ton verschärft sich: "Ein so exzessives Steuerdumping wie in Irland kann es in einer Währungsunion nicht geben", wird Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker heute zitiert. Wahrscheinlich wird dieser Steuersatz am Ende um einen Prozent angehoben. Juncker, Merkel & Co. wahren ihr Gesicht und Kritiker sehen das irische Eiland im Atlantik versinken. "Der Atlantik ist nicht der Pazifik."

    In Irland wird es Ende Januar vorgezogene Neuwahlen geben. Moody's kündigte wegen der von den Banken auf den Staat übertragenen Verbindlichkeiten ein "multi-notch downgrade" an. Die irische Opposition unterstellt EWU und IWF "Differenzen" über das weitere Vorgehen. Die portugiesische Opposition unterstellt der Regierung, die Schuldenzahlen zu manipulieren. Nein, die Nachrichtenlage war gestern nicht wirklich gut. Entsprechend müssen wir konstatieren, dass die Ankündigung des Stützungspakets für Irland (bisher) zu keinerlei Marktberuhigung geführt hat. Im Gegenteil: Der Euro fällt (EUR-USD um 2½ Big Figures), die Peripherie-Renditen weiten sich aus. In der AAA-Welt setzen die Renditen ihren seit QE2 vorgeführten Eiertanz fort. Ablenkung finden wir im heutigen Datenkalender (GfK, PMI, US BIP, FOMC Minutes). Trend bestimmend werden diese Informationen jedoch nicht sein. Denn: "Die Märkte sind Irland." Oder Portugal?

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