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Airbus: „Wir wählen unsere Schlachten aus“

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus kann wegen fehlender Komponenten und Personalengpässe aktuell bei weitem nicht so viele Zivilflugzeuge produzieren wie von Airlines nachgefragt werden.

Darunter leidet das Neugeschäft. „Das führt dazu, dass wir unsere Schlachten auswählen und in einige Schlachten gar nicht erst reinlaufen“, sagte der Airbus-Verkaufschef Christian Scherer im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Montagsausgabe).  

Unter anderem aus einigen großen amerikanischen Wettbewerben hat sich Airbus nach Aussage seines Verkaufschefs zurückgezogen. Durch Tauschgeschäfte mit Flugzeugleasingfirmen ließen sich jedoch hier und da „kreative Lösungen“ finden und verhindern, dass Airlines wie jüngst Condor bis zu 20 Jahre auf neue Flugzeuge warten müssen. „Das unterstützen wir mit Logistik und womöglich hier und da ein bisschen mit finanziellen Abfindungen“, sagte Scherer. „So umgehen wir die Schwierigkeit, dass wir ausverkauft sind.“

Überzeugt zeigt sich der Airbus-Verkaufschef mit Blick auf die konkurrierenden Mittelstreckenflugzeuge, Boeing zu übertrumpfen. „Eine A320 ist einer 737 weit überlegen“, sagte Scherer der F.A.Z. Das gelte sowohl für den Spritverbrauch als auch Reichweite, Wartungskosten oder digitale Komponenten. Airlines wüssten um den Klassenunterschied. „Deshalb haben wir ,trotz Pandemie’, wo die ganze Industrie auf einmal auf null ging und eine Boeing-737 dann eine Zeit lang gestoppt war, unsere Preise nicht senken müssen“, sagte Scherer. Darauf sei er „schon stolz“. Beim Modell A321 seien die Preise sogar leicht gestiegen.

Korruption beim Verkauf von Zivilflugzeugen gebe es Scherer zufolge heute auch deshalb nicht mehr, weil sie betriebswirtschaftlich keinen Sinn ergebe. „In einem Duopol und einem weitgehend deregulierten Weltmarkt ist es doch idiotisch zu sagen, ich hol mir jetzt einen Mittelmenschen, der irgendwie die Entscheidungen eines Kunden beeinflusst und dem ich dann, was weiß ich, drei, vier, fünf Prozent meines Preises geben muss als Kommission“, sagte er. „Der Preis macht mich weniger konkurrenzfähig und den teile ich mir lieber mit dem Kunden statt mit einem Mittelmenschen.“  

Für systematische Korruption im Vertriebsgeschäft Ende der 2000er, Anfang der 2010er Jahre hatte Airbus rund 3,6 Milliarden Euro Strafe zahlen müssen. „Aus der Vergangenheit kam eine gewisse Trägheit, sehr geprägt von dem militärischen Geschäft, wo man sich Einflüsse einkaufen kann“, bilanziert der Airbus-Verkaufschef in der F.A.Z. „Diese Trägheit hat ihre Zeit gebraucht, um aus dem System herausgerüttelt zu werden“, sagte er mit Blick darauf, dass Airbus immer wieder kleinere Korruptionsvorwürfe ereilen wie unlängst in Libyen und Kasachstan. Was man dort gesehen habe, seien „die allerletzten Symptome“.  

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