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Greenpeace wirft Regierung Doppelrolle bei Tiefseebergbau vor


Die Umweltorganisation Greenpeace wirft der Bundesregierung eine Doppelrolle beim Tiefseebergbau vor. Der Bund habe seit Beginn des Jahrtausends mindestens 300 Millionen Euro in die Erforschung des Meeresbodens gesteckt, berichtet die "Zeit" unter Berufung auf eine Recherche von "Greenpeace Investigativ". Demnach habe ein erheblicher Teil davon einen direkten Nutzen für künftigen Tiefseebergbau.

Im Zentrum der Untersuchung steht die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die für Deutschland zwei Erkundungslizenzen bei der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) hält: eine im Zentralpazifik, eine im Indischen Ozean. Dort testen mehrere deutsche Unternehmen mit Unterstützung durch öffentliche Förderung neuartige Geräte, die sowohl für die Grundlagenforschung, die Meereskunde und den Umweltschutz - aber auch für die Erkundung und den Abbau von Rohstoffen nützlich wären, so der Vorwurf. Eine Firma entwickle eine Fräse für die Probenentnahme und den Abbau von Erzen am Meeresgrund, hieß es. Dies sei mitfinanziert durch ein Forschungsprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die Bundesregierung setzt sich seit 2022 international für eine "vorsorgliche Pause" beim Tiefseebergbau ein. Das Bundesforschungsministerium erklärte auf Anfrage, dass es zu keinem Zeitpunkt "maritimen Bergbau" gefördert hätte. Die Explorationen dienten ausschließlich der wissenschaftlichen und umweltbezogenen Forschung. Auch die BGR wies die Darstellung zurück, sie bereite jetzt schon einen Bergbau vor. Sie plane zwar, bestimmte Abbauverfahren auszuprobieren, es handle sich aber um "Komponententests", nicht um einen Probeabbau.

Christian Müller, Leiter des BGR-Unterbereichs Marine Rohstofferkundung, erklärte der "Zeit", Carsten Schneider (SPD) werbe als Umweltminister bei der ISA für die "vorsorgliche Pause", doch das Wirtschaftsministerium schaue auch auf andere Bereiche, beispielsweise Technologieentwicklung und Fragen der Rohstoffversorgung. Er sagte, dass längst ein "Rennen um die Filetstücke in der Tiefsee" ausgebrochen sei. 31 Explorationslizenzen habe die Meeresbodenbehörde vergeben, zwei halte Deutschland, China komme auf fünf.

In den deutschen Konzessionsgebieten sei irgendwann "ausexploriert", so Müller. Dann müsse Deutschland entscheiden, was es mit seinen Lizenzen anfange: an die Meeresbodenbehörde mit allen Daten zurückgeben, "oder man könnte natürlich auch was zum Nutzen Deutschlands draus machen". Die Bundesregierung sage in ihrer Rohstoffstrategie nicht, dass sie niemals in den Tiefseebergbau einsteigen wolle; sie halte sich "die Optionen offen". Greenpeace will seine Recherche Ende der Woche vollständig veröffentlichen.

Manganknollen, die in 3.000 bis 6.000 Metern Tiefe vorkommen, sind für den Tiefseebergbau wirtschaftlich interessant, weil sie vergleichsweise hohe Gehalte an Kupfer, Nickel und Kobalt enthalten. Laut einer afür ausschließlich Algen und Mikroorganismen verantwortlich sind. Eine Studie der Scottish Association for Marine Science (SAMS), legt nahe, dass mehrere Manganknollen zusammen eine ausreichende Spannung erzeugen können, um Meerwasser durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten, und dass damit deutlich mehr Sauerstoff erzeugt wird, als bislang angenommen. Ein Abbau der Manganknollen könnte damit die dortigen Ökosysteme gefährden. Weitere bedrohte Lebensräume in der Tiefsee sind Seeberge und Hydrothermalfelder.

Foto: Greenpeace-Protest (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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