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Silicon-Valley: Kann dieser Spagat gut gehen?


Kommentar von Dr. Bernd Heim

Lieber Investor,

wie riskant sind die neuen Bonds der Tech-Giganten? Diese Frage stellt sich nicht nur dem konservativen Anleihenkäufer. Auch der typische Silicon-Valley-Unternehmer mit seinen hochfliegenden Visionen ist gefragt, denn die jüngsten Anleiheemissionen enthalten für beide Seiten hohe Risiken.

Tesla beabsichtigt, seine Produktion deutlich auszuweiten

Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass Visionen und Schulden normalerweise kein gutes Paar abgeben. Schulden wollen stets bedient und am besten schnell abgebaut werden. Visionen erfordern schon mal, dass man, gerade in der Anfangszeit, deutlich über seinen Verhältnissen lebt und investiert.

Netflix will mit seinen Anleihen neue Shows produzieren, Tesla beabsichtigt, seine Produktion deutlich auszuweiten und will in Zukunft Hunderttausende von Elektroautos bauen. Amazon plant nicht mehr und nicht weniger als den Lebensmittelhandel neu definieren. Die Ambitionen sind also wie gewohnt sehr groß.

Dass die drei Emissionen stark überzeichnet waren, sollte man an dieser Stelle nicht überbewerten. Es ist der Anlagenotstand, der die Anleger so handeln lässt, nicht die Überzeugung. Aus Unternehmenssicht hingegen ist es in einer Welt, in der selbst sichere Staatsanleihen nur zwei Prozent Rendite abwerfen, preiswerter, eigene Anleihen zu begeben als neue Aktien auszugeben und den Wert der alten Aktien zu verwässern.

Die Krise als Nagelprobe

Weil sich an dieser Stelle zwei so grundverschiedene Denkweisen zusammengefunden haben, wird erst die nächste Krise zeigen, wie tragfähig diese Verbindung ist. Wir dürfen dabei davon ausgehen, dass sowohl die Unternehmenslenker im Silicon Valley als auch die Hedgefondsmanager an der Wall Street, die diese Anleihen für ihre Fonds gezeichnet haben, ihre grundlegende Denkweise nicht ändern werden.

Die im Bereich der Hochzinsanleihen tätigen Manager passen ihre Portfolios täglich an die jeweiligen Marktpreise an. Sinken die Kurse der Anleihen, kann es deshalb sehr schnell zu massiven Verkäufen kommen. Hinzu kommt, dass Hedgefonds oft Aktien leer verkaufen, um ihre Anleihen damit abzusichern. Sie tun dies, weil die Aktien in der Regel viel liquider sind als Anleihen. Wenn es darum geht, schnell Sicherheit für das eigene Depot zu erlangen, werden deshalb lieber Aktien leerverkauft, während die Anleihen zunächst im Depot verbleiben.

Es ist deshalb in Zukunft durchaus möglich, dass die Technologieaktien durch den Bondmarkt negativ beeinflusst werden. Unangenehme Kettenreaktionen sind denkbar, etwa dann, wenn die Stimmung sowohl bei den Aktien wie auch bei den Anleihen negativ beeinträchtigt wird.

Ein Beitrag von Dr. Bernd Heim.

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