Die Beschlagnahme des russisch geflaggten Öltankers Marinera im Nordatlantik mit Rohöl aus Venezuela ist der zweite Streich.
Von Meinrad Müller
Es ist eine weitere unübersehbare Machtdemonstration der Vereinigten Staaten. Donald Trump zeigt, dass amerikanische Macht nicht erklären muss, sondern sofort umsetzt. Das mag einige in Schock versetzen, wirkt jedoch bestens. Gegen Venezuela. Gegen Russland. Und gegen alle, die glauben, Washington habe seine Durchsetzungskraft verloren.
Ziel identifiziert, Zugriff vorbereitet
Der Tanker stand seit 2024 auf der US-Sanktionsliste. Er transportierte venezolanisches Rohöl und galt als Teil einer russischen Schattenflotte, die Sanktionen systematisch umgeht. Über Wochen hinweg wurde das Schiff überwacht. Nicht angehalten, nicht bedrängt. Der Grund ist einfach: Ohne formellen Beschlagnahmebeschluss eines US-Gerichts erfolgt kein Zugriff. Erst wird vorbereitet, dann gehandelt.
Warum der Zugriff erst später erfolgte
Von einem US-Schiff aus wurde ein Hubschrauber eingesetzt. Soldaten sicherten das Schiff. US-Beamte gingen an Bord und vollzogen die Beschlagnahme auf Grundlage des Gerichtsbeschlusses.
Der Zugriff auf offener See
Rund 300 Seemeilen südlich von Island gingen US-Beamte an Bord. Es kam zu keinen Schusswechseln. Der Zugriff verlief ruhig, kontrolliert und endgültig. Schiff und Ladung wurden übernommen. Der Wert der Fracht wird auf bis zu 200 Millionen Dollar geschätzt. Für Washington war der Fall damit erledigt. Für Moskau begann der Schaden.
Erst Maduro, dann der Tanker
Der zeitliche Zusammenhang ist kein Zufall. Wenige Tage zuvor wurde Nicolás Maduro festgesetzt. Auch dieser Zugriff war monatelang vorbereitet. Beide Aktionen folgen derselben Handschrift. Erst werden Beweise gesammelt und Zustände geschaffen, dann wird zugegriffen. Präsident oder Tanker, Palast oder Atlantik, der Ort spielt keine Rolle.
Die Botschaft an Moskau
Der Tanker ist eine klare Botschaft an Russland. Ölströme sind verwundbar. Lieferketten sind angreifbar. Einnahmen können gezielt unterbrochen werden. In den Ukraine-Verhandlungen ist das ein gewaltiges Druckmittel. Trump zeigt, dass er über mächtige Schachzüge machen kann. Und er macht deutlich, dass er bereit ist, sie einzusetzen. Unterschätzt mich nicht.
Billiger Sprit, harte Politik
Die USA verfolgen das Ziel, venezolanisches Öl wieder auf den Weltmarkt zu bringen, allerdings unter eigener Kontrolle. Im Jahr 2007 verstaatlichte Venezuela die US-Ölfirmen. Steigt bei neuerlicher Förderung das Angebot, sinkt der Preis. Die Märkte reagieren bereits. Sollte sich dieser Effekt an der Zapfsäule durchsetzen, hat das Folgen. Amerikanische Wähler vergessen Skandale, aber merken sich, wer billigeren Sprit organisiert.
Wer ihn möglich macht, wird belohnt. Am Wahltag werden es die Republikaner sein.
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