Wir lesen auto motor und sport, um zu erfahren, welcher Wagen besser bremst und die Familie sicher nach Hause bringt. Jetzt setzt uns dasselbe Blatt Schützenpanzer vor – Puma, Lynx, Bradley, CV90.
Von Meinrad Müller
Die Kanone ersetzt die Klimaanlage
Das Blatt tut so, als ginge es um vier neue SUVs. Das ist kein Ausrutscher, das ist eine Frechheit. Am 12. Juli 2026 erscheint bei auto motor und sport der Vergleich: „Welcher ist der beste Schützenpanzer der NATO?“ Schutz, Bewaffnung, Beweglichkeit – alles wird abgewogen wie bei Mercedes gegen BMW. Nur eines fehlt: Wie viele gefüllte Leichensäcke in den Laderaum passen. Das hat die Redaktion vergessen.
Früher zählte der Kofferraum für den Urlaub. Heute, wie viele Soldaten hinten reinpassen. Früher die Bremse, heute die Feuerkraft. Früher Airbags, heute Panzerung. Die Maschinenkanone ist zum Ausstattungsmerkmal geworden.
Der Krieg fährt ins Wohnzimmer
Jahrzehntelang war auto motor und sport ein Blatt für Leute, die Benzingeruch mochten und über Sechszylinder stritten. Ein ziviles Vergnügen. Nun werden aus Autoliebhabern nebenbei Panzerkenner gemacht. Sie sollen lernen, welcher Schützenpanzer modularer ist und welcher sich im Krieg „bewährt“ hat. Das Militärische wird mitten in die vertraute Welt des Lesers geschoben – zwischen Reifentest und Kaufberatung. Das ist keine Information, das ist schleichende Gewöhnung an die Mobilmachung.
Todesmaschinen im Vergleichstest
Ein Schützenpanzer ist kein robuster Geländewagen. Er ist eine Todesmaschine. Gebaut, um Soldaten unter Beschuss an die Front zu bringen und andere mit der Kanone zu töten. Aber eine zivile Autozeitung macht daraus Unterhaltung für ihr Stammpublikum.
Der Puma punktet beim Schutz, der Lynx beim Platz, der Bradley bei der „Einsatzerfahrung“. Das klingt wie ein Mittelklasse-Test. Nur dass hier nicht der Lack blättert, sondern Menschen sterben. Wer das sprachlich verwischt, macht den Krieg klein, sauber und normal. Das ist der eigentliche Skandal.
Die Militarisierung kommt auf Samtpfoten
Politiker reden von Kriegstüchtigkeit. Milliarden fließen in die Rüstung. Kinder sollen die Bundeswehr lieben lernen. Und eine Autozeitung testet Schützenpanzer. Jeder Schritt wirkt harmlos. Zusammen verändern sie ein ganzes Land.
Wer den Begriff „schleichende Militarisierung“ für übertrieben hält, soll nachlesen: Sogar die Bundeszentrale für politische Bildung, Behörde im Bundesinnenministerium, verwendet ihn. Margot Käßmann schreibt in Aus Politik und Zeitgeschichte unter genau diesem Titel, wie militärisches Denken in den Alltag eindringt. Das ist keine Erfindung, das steht in einer staatlichen Publikation. Sie haben sich mit auto motor sport offenbar nicht abgesprochen.
Heute Puma, morgen Marschflugkörper
Vielleicht wollten die Redakteure nur Klicks. Das Ergebnis ist klar: Eine Grenze ist eingerissen. Das Militärische hat sich einen weiteren zivilen Raum genommen und tut so, als gehöre es schon immer dahin. Heute vergleichen Autoredakteure Schützenpanzer. Morgen preist ein Reisemagazin Schützengräben, die Kochzeitschrift Feldrationen.
auto motor und sport prüfte früher Fahrzeuge, mit denen Menschen nach Hause fuhren. Heute vergleicht das Blatt Fahrzeuge, aus denen viele nie mehr zurückkommen. Das ist kein Autotest. Das ist Militarisierung des Alltags – und sie läuft, während die meisten noch klatschen.
Weitere Information zum Testergebnis:
https://www.auto-motor-und-sport.de/
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p




