Commerzbank warnt vor Dauerkrise durch niedrige Zinsen. „Die Währungsunion ist zu heterogen, als dass sie sich durch einen Einheitszins steuern lässt“.
Eine Dauerkrise für Europa prognostiziert Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. „Die Währungsunion ist zu heterogen, als dass sie sich durch einen Einheitszins steuern lässt“, sagte er gegenüber der WirtschaftsWoche. Gemessen am heimischen Wirtschaftswachstum und der Inflation müsste der Leitzins für Deutschland seinen Berechnungen zufolge bei 4,0 statt bei 0,5 Prozent liegen.
Mit dem niedrigen Zinsniveau will die Europäische Zentralbank EZB die Krisenländer im Süden stützen. Während diese inzwischen ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnkürzungen zurückgewinnen, stiegen in Deutschland die effektiven Stundenlöhne von 2011 bis 2013 im Schnitt um mehr als drei Prozent und damit weit stärker als die Produktivität.
Zu Beginn der Währungsunion war die Situation umgekehrt: Damals stützte die EZB mit Leitzinssenkungen die Konjunktur in Deutschland, für die ehemaligen Boom-Länder im Süden war der Zins hingegen viel zu niedrig. „Eine überbordende Konjunktur, Blasen auf den Immobilienmärkten und erodierende Wettbewerbsfähigkeit waren die Folgen“, sagt Ralph Solveen.
Auch Joachim Fels, Chefökonom der US-Investmentbank Morgan Stanley, fürchtet, Deutschland werde in den nächsten Jahren ein ähnliches Schicksal erleiden wie die heutigen Krisenländer. „Deutschland könnte in den nächsten vier bis fünf Jahren das nächste Spanien und Spanien das nächste Deutschland werden“, prophezeit Fels.



