Staatsanwaltschaft errechnet bei Uli Hoeneß Steuerbetrug in Höhe von fünf Millionen Euro – Knapp zwei Millionen sind verjährt
Die Staatsanwaltschaft München II geht davon aus, dass FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß insgesamt fünf Millionen Euro Steuern hinterzogen hat. Das berichtet das Nachrichtenmagazin FOCUS. Davon sollen aber bereits knapp zwei Millionen Euro verjährt sein. Somit sind laut FOCUS noch 3,2 Millionen Euro strafrechtlich relevant. Die Verteidiger des 61-Jährigen sollen dagegen eine nicht verjährte Summe von 950.000 Euro errechnet haben.
Im September wird das Landgericht München II entscheiden, ob es die in der vergangenen Woche erhobene Anklage zulässt. Zentrale Frage für die Richter: Ist die Selbstanzeige des Fußball-Managers vom Januar 2013 wirksam? Die Verteidigung argumentiert, diese sei allenfalls in „Teilen“ unvollständig und wirke deshalb strafbefreiend.
Auch wird das Gericht zu urteilen haben, ob das Konto von Hoeneß bei der Schweizer Vontobel-Bank bereits vor der Selbstanzeige von den Fahndern entdeckt worden war – und wann Hoeneß von einer etwaigen Enttarnung wusste.
In einer Emnid-Umfrage für FOCUS haben sich 59 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, dass Hoeneß bei einem Gerichtsprozess sein Amt als Aufsichtsratschef des FC Bayern München ruhen lassen sollte. Nur 34 Prozent plädieren für seinen Verbleib. Das Meinungsforschungsinstitut Emnid befragte für FOCUS 1001 repräsentativ ausgewählte Erwachsene.
Über 33.000 Bewegungen auf Hoeneß-Konto in der Schweiz
Uli Hoeneß hat als Kunde der Zürcher Privatbank Vontobel offenbar exzessiv an den Finanzmärkten gehandelt. Auf dem Konto, das Hoeneß gegenüber dem deutschen Fiskus bis Januar geheim gehalten hatte, sollen über einen Zeitraum von mehreren Jahren über 33.000 Bewegungen dokumentiert sein, das berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe.
Die schiere Menge seiner Geldgeschäfte hatte es dem Fußballmanager vermutlich unmöglich gemacht, den bayerischen Finanzbehörden bei Einreichen seiner Selbstanzeige eine lückenlose Dokumentation der Kontobewegungen vorzulegen. Noch immer sollen Unterlagen seiner Bank ausstehen. Weder die Staatsanwaltschaft München II noch die Anwälte von Hoeneß äußern sich zu den Geschäften, derentwegen sich der Präsident des FC Bayern München demnächst wohl vor dem Landgericht München II verantworten muss.
Um seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG muss er trotz eines drohenden Prozesses derzeit offenbar nicht bangen, noch stützen ihn seine Kollegen in dem Kontrollgremium. Eng könnte es für den Steuersünder hingegen als Aufsichtsrat der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG werden, in deren Kontrollgremium Hoeneß seit 2006 sitzt und in dem er am 12. April, kurz vor Enthüllung seiner Steueraffäre, bis 2018 bestätigt wurde. Durch die Anklage sei "eine neue Situation entstanden, die nun von den zuständigen Gremien geprüft wird", sagte ein Sprecher des Versicherungskonzerns, eine Entscheidung werde wohl zeitnah fallen.



