Pleiten, Pech und Korruption: Berlins Hauptstadt-Flughafen Architekt Gerkan rechnet mit seinen Bauherren ab. Sein neues Buch: „Black Box BER – Wie Deutschland seine Zukunft verbaut“. - „Es ist nicht klug, das Buch jetzt geschrieben zu haben“, sagte Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn.
Pünktlich zur Aufsichtsratssitzung am kommenden Freitag rechnet Star-Architekt Meinhard von Gerkan mit seinen staatlichen Bauherren und der früheren Geschäftsführung des Flughafens Berlin Brandenburg ab.
„Im Falle des Hauptstadtflughafens wurden ... Eröffnungstermine nach dem politischen Kalender gesetzt, zumeist mit verkürzten oder zu kurz bemessenen Fristen und gegen den Einspruch der Bauleitung“, schreibt Gerkan in seinem Buch „Black Box BER – Wie Deutschland seine Zukunft verbaut“, das im Bastei Lübber Verlag erscheint. Das Nachrichtenmagazin FOCUS veröffentlicht exklusiv Auszüge daraus.
Der Architekt wirft der Bauleitung in seinem Werk sogar Manipulationen von Bautagebüchern vor. Gerkan notiert: „In den Bautagebüchern der Planungsgemeinschaft für den Dezember 2011 sowie für den Berichtszeitraum Januar bis März 2012 wurden unsere roten Warnpfeile, die darauf hinwiesen, dass Termine nicht zu halten seien, vom Projektsteuerer in gelbe Ampeln geändert, die signalisierten, dass die Terminvorgabe erfüllt werden kann, wenn auch nur mit besonderen Anstrengungen. Diese ‚bereinigten’ Berichte wurden an den Aufsichtsrat weitergeleitet.“
Heftige Kritik übte Gerkan in seinem Buch auch an der Zusammenarbeit mit dem früheren Planungschef Manfred Körtgen und Ex-Flughafenchef Rainer Schwarz. „Schwarz und Körtgen waren in jeder Hinsicht dialogresistent. Sie nahmen vielmehr die Rolle einer unpersönlichen Instanz ein, die uns anwies, was zu machen sei; Änderungswünsche wurden nicht vorgetragen, sie wurden angeordnet. Beide indes lehnten jedwede Verantwortung für ihre Befehle ab.“ Gerkan schreibt weiter: „Wir wurden von nahezu allen Entscheidungen über das Flughafenkonzept und über viele diffizile Fragen ausgeschlossen. Das führte zu den endlosen späteren Änderungen, weil die angeordneten Maßnahmen nicht nachhaltig waren und später zwangsläufig vieler Korrekturen bedurften.“
Der Architekt beklagt: „Ohne jedes Mitsprache- oder Beratungsrecht der Architekten wurde per ‚Ordre du Mufti’ im Planfeststellungsverfahren eine Dimensionierung der Passagierabfertigungsanlagen festgeschrieben, in der die schrittweise geänderten baulichen Anforderungen auch durch Zauberkünstler nicht unterzubringen waren.“
Gerkans Resümee: „Wir hätten noch mehr Widerstand leisten müssen, als das bei allen unseren kleineren oder größeren Planungsaktivitäten im In- und Ausland üblich ist.“
Gerkan berichtet in einem Kapitel auch über „schwarz bauen“ beim BER. Auf der Baustelle erfolgten Aktivitäten, „die in dem Sinne illegal sind, dass dafür keine Genehmigung vorliegt. Im Falle von BER trat dies wiederholt ein, um Änderungen zeitlicher wie baulicher Natur gerecht zu werden.“ Da man sich terminliche Verzögerungen nicht hätte leisten können oder wollen, wurde mit Duldung der Bauaufsicht, auf ausdrückliches Risiko des Bauherrn ohne Baugenehmigung weitergebaut.
Zu Gerkans Werk gibt es bereits erste Reaktionen. „Es ist nicht klug, das Buch jetzt geschrieben zu haben“, sagte Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn dem Nachrichtenmagazin FOCUS. „Für mich sind Architekten Künstler“, betonte der 71-jährige BER-Manager. „Wir können aber nicht alle architektonischen Finessen bauen, wenn sie nicht bezahlbar sind.“ Trotz aller Kritik meinte Mehdorn: „Architektonisch wird das ein schöner Flughafen in Berlin.“ Mehdorn pflichtete jedoch Gerkans Kritik an der Baupolitik des Staates bei. „Die Politik versucht mit kleinem Budget große Projekte zu bauen. Aber ein Großflughafen kostet Geld“, sagte Mehdorn FOCUS. „Da hat Gerkan Recht.“
SPD-Haushaltspolitiker Peter Danckert bezeichnete zwar die fristlose Kündigung Gerkans gegenüber FOCUS als „völlig verfehlt“, aber er kritisierte das Werk mit den Worten: „Es ist die einseitige Sicht eines Beteiligten.“ Danckert weiter: „Ob so ein Buch die Lage am Flughafen verbessert, wage ich zu bezweifeln.“



