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GR: Wieder neue Milliarden und Schuldenschnitt

Oettinger: „Kleiner zweistelliger Milliardenbetrag“ für Griechenland / Neues Hilfspaket für 2014 bis 2016. EU-Kommissar: Schuldenschnitt „nicht für alle Zeiten ausschließen“. - Früher EZB-Chefvolkswirt Stark fordert Hilfsprogramm „so rasch wie möglich“ / Schuldenerlass für Athen „wohl unvermeidbar“

 

Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger hat Details eines neuen Hilfspakets für Griechenland genannt. Er rechne „mit einem kleinen zweistelligen Milliardenbetrag“, sagt er der „Welt am Sonntag“. Das Paket solle „die Jahre 2014 bis 2016 umfassen“. Es reiche nicht, bei der Euro-Rettung auf Sicht zu fahren, mahnte er. Oettinger hält es auch für möglich, dass es zu einem Schuldenerlass für Griechenland und damit zu Belastungen deutscher Steuerzahler kommt. „Ein Schuldenschnitt ist auf absehbare Zeiten kein Thema, man kann ihn aber nicht für alle Zeiten ausschließen“, sagt der EU-Energiekommissar und frühere baden-württembergische Ministerpräsident.

Es sei „nicht zwangsläufig“ gewesen, das Thema vier Wochen vor der Bundestagswahl zu erörtern, sagte der CDU-Politiker mit Blick auf Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (ebenfalls CDU) über ein drittes Hilfspaket für Athen. „Man hätte auch den nächsten Bericht der Troika aus EU, IWF und EZB abwarten können, der im Oktober vorliegen wird“, kritisierte er. Doch seien die Aussagen Schäubles „sehr realitätsnah“.

Oettinger verteidigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Schäuble gegen den Vorwurf, sie hätten im Bundestag nicht die ganze Wahrheit über die Griechenland-Hilfen gesagt. Was wäre denn, fragte der EU-Kommissar, wenn „alle möglichen und unmöglichen weiteren Hilfsprogramme im Detail erörtert würden?“ Oettinger wörtlich:  „Hätten wir den Griechen schon vor zwei Jahren gesagt, dass weiteres Geld fließen wird, wäre der Reformeifer schnell erlahmt.“ 

Oettinger rief Athen zu weiteren Reformzusagen auf. Außerdem müsse Griechenland die bereits angestoßenen Reformen in vollem Umfang umsetzen. „Die Griechen tun viel, aber sie sind nicht ganz im Zeitplan. Das betrifft vor allem die Privatisierungserlöse“, sagte er. „Was beschlossen ist, muss ernst genommen werden.“

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, mahnte zu schnellem Handeln. „Ein neues Hilfsprogramm für Griechenland ist kaum vermeidbar - und wenn es kommen muss, dann so rasch wie möglich“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „Alles andere führt zu neuen Unsicherheiten.“ Wie Oettinger rechnet auch der frühere Chefvolkswirt damit, dass Athen zumindest ein Teil der Schulden erlassen werden muss: „Allein die Finanzierungslücke im Haushalt 2014 von über 10 Milliarden Euro wird zusätzliches Geld insbesondere der europäischen Partner erfordern. Dies allerdings würde den Schuldenstand weiter erhöhen, weshalb ein Verzicht der öffentlichen Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen wohl unvermeidbar sein wird.“

Spätestens seit 2011 sei Griechenland „zu einem Fass ohne Boden geworden“, sagte Stark. „Gleichgültig, ob es den Euro behalten kann oder nicht, es ist seit langem klar, dass es nur noch teure Lösungen gibt und dass es ein Fehler war, die Erweiterung des Euro-Gebiets aus rein politischen Gründen zu forcieren.“

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