Thomas Cichon und Marcel Schuon, zwei ehemalige Profis des VfL Osnabrück, hatten
nach Erkenntnissen der Bochumer Staatsanwaltschaft offenbar engeren Kontakt
als bislang bekannt zu einem der mutmaßlichen Drahtzieher im aktuellen
Wettskandal. Demnach registrierten die Ermittler bei Cichon zwischen dem 6. Januar
und dem 23. April dieses Jahres 389 SMS- und 5 Telefonkontakte mit dem
Türken Nürettin G., einem der mittlerweile inhaftierten Hauptbeschuldigten. Schuon,
so steht es in den Akten, telefonierte zwischen dem 24. November 2008 und
dem 24. April dieses Jahres 38-mal mit Nürettin G., 251-mal stand er mit dem Wettbürobetreiber
per SMS in Verbindung. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt sowohl
Cichon als auch Schuon, Spiele des VfL Osnabrück manipuliert zu haben. So soll
Cichon an der 0:2-Niederlage in Nürnberg am 13. Mai „tatkräftig beteiligt“ gewesen
sein und „mindestens 5000 Euro als Wettgewinn aus einer bei G. platzierten,
aber nicht bezahlten Wette“ erhalten haben. „Weitere Geldzahlungen“, notierten die
Fahnder, seien „mehr als wahrscheinlich“. Schuon sei mit mindestens 25 000 Euro
in die „Schuldenfalle des Nuri G. getappt“, heißt es in den Dokumenten, der Spieler
habe diese Schulden „in der Folgezeit durch manipulierte Spiele abbezahlt“.
Cichons Anwalt Olaf Methner weist die Vorwürfe zurück: „Unser Mandant hat nie
manipulierend Spiele beeinflusst, weder positiv noch negativ.“ Die häufigen SMSKontakte
mit Nürettin G. führt der Anwalt darauf zurück, dass Cichon bei G.s Wettbüro,
„wo unser Mandant neben einer Vielzahl weiterer Mannschaftskollegen Kunde
war“, seine Einsätze oft telefonisch durchgab. Alles völlig legal, wie der Anwalt
betont. Nürettin G.s Anwalt Jens Meggers stellt in Frage, ob es bei den Telefonaten
um manipulierte Spiele ging. Schuon hatte Ende November gestanden, dass
er Verabredungen getroffen habe, Spiele des VfL Osnabrück zu verschieben.
Während der Partien, so beteuerte er gegenüber den Ermittlern, habe er allerdings
niemals manipuliert. Die Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft vermitteln den Eindruck,
als sei der VfL Osnabrück kurz davor gestanden, von den mutmaßlichen Wettbetrügern
unterwandert zu werden. So hatte der mittlerweile inhaftierte Kroate Marijo
C. einem Kompagnon im Frühjahr verraten, dass er „zwei sehr gute Jungs“ beim
VfL unterbringen wolle. Nach Erkenntnissen der Fahnder waren ein Profi aus Serbien
und ein Brasilianer gemeint, die auf der „Lohnliste“ C.s gestanden haben sollen.
Der vermeintliche Plan misslang – von dem Serben hat beim VfL nie jemand
etwas gehört, den Brasilianer lehnte der damalige Trainer Claus-Dieter Wollitz ab.



