Gestern fanden die Deutschen GNTM. Sind Tage wie diese Grund dafür, unsere Gesellschaft, ihre Werte und ihre offenbar abwesende Intelligenz in Frage zu stellen? Ist diese Maskerade ein Grund zur Trauer?
Eine Halle wurde gemietet, der Champagner steht kalt, der Rausch aus Farbe und Musik ist so gut präpariert wie die Exponate der Ausstellung selbst und der Pöbel kam zu Lande, zu Wasser und zu Luft, um dem heutigen Tage beizuwohnen.
Die, die im überlebenskampfgleichen Ringen an den Ticketschaltern eine Karte bekommen hatten, stehen nun in der Halle, um das durchdesignte und wohl choreographierte Szenario anzugaffen.
Aber auch an Mandy, Cindy, Manu, Steffi und noch mal Cindy wurde gedacht. Die Bars der Republik veranstalteten Public Viewing, um noch einmal Kunden anzulocken und billige Getränke samt widerlicher Speise ans Volk zu bringen.
Ein Menschenzoo, der seines Gleichen sucht und von dem man nicht weiß, wer hier das tierische Pendant darstellt, drück sich in einer Mehrzweckhalle in Köln, um den neuen Messias zu empfangen. Jedoch ist er nicht so jemand Profanes wie der Sohn Gottes, der von seinem Vater zur Erde gesandt wurde, um ein neues Zeitalter des Reichtums und des Friedens zu bringen.
Nein vielmehr, ihre Heiligkeit der vom Aussehen zerfressen Welt gibt sich die Ehre, um zu verkünden, welche ihrer in den letzen Wochen ausgebildeten Zofen, für einen Moment das Rampenlicht neben ihr genießen darf.
Ein nächstes seeelenlose Gesicht für das Cover einer x-beliebigen Zeitung wird ernannt, die dann nach den Zielen New York, Paris und Mailand im modischen Rentenalter von 25 noch einmal durch die glamouröse Resteverwertung der Bau-, Spar-, und Supermarkteröffnungen gehen wird, um darauf ein Leben in Tristes weiter zu führen. Man war ja mal wer.
Die Einzige, die nicht von diesem naturgesetzgleichen Effekt befallen zu sein scheint, ist die Königin selbst, aber auch um Sie steht es schlecht. Man hörte, sie sei gezwungen jedes Jahr einen Wettkampf zu veranstalten, um eine neue Prinzessin zu krönen. Aber keine Sorge, sie hält die Zügel mit eiserner Hand. Herrscherin bleibt Herrscherin.
Sind Tage wie diese Grund dafür, unsere Gesellschaft, ihre Werte und ihre offenbar abwesende Intelligenz in Frage zu stellen? Ist diese Maskerade ein Grund zur Trauer?
Nein, freudig sollten wir den heutigen Tag feiern, denn nie war eine mediale Reduktion durch den Wegfall einer abendfüllenden Sendung ein solcher Zugewinn wie heute.
Der einzige Wehmutstropfen ist das Wissen, dass sich benanntes Spektakel im nächsten Jahr – gleich einer wiederkehrenden Naturkatastrophe – von vorn abspielen wird.
Ich wünsche uns allen, dass wir vorbereitet sind.



