Straubhaar warnt Ökonomen vor Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Manchen fehle es an Realitätsbezug, kritisierte der 54-jährige Schweizer. „Es nervt, wenn bekannte Wirtschaftsprofessoren einfach empfehlen: Lasst ruhig Banken oder Länder pleite gehen – weil es so in den Lehrbüchern steht. Solche Leute spüren keine Verantwortung“
Der renommierte Ökonom Thomas Straubhaar hat die eigene Zunft nach der Finanzkrise vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit gewarnt. „Die Krise bedeutet auch das Ende des ökonomischen Imperialismus, dieses Glaubens, dass wir über den anderen Wissenschaften stehen“, sagte der Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) der Financial Times Deutschland (Dienstagsausgabe). Seiner Ansicht nach müssten sich Volkswirte künftig stärker einreihen in die Riege von Sozialwissenschaftlern, Historikern und Psychologen.
Manchen deutschen Ökonomen fehle es an Realitätsbezug, kritisierte der 54-jährige Schweizer. „Es nervt, wenn bekannte Wirtschaftsprofessoren einfach empfehlen: Lasst ruhig Banken oder Länder pleite gehen – weil es so in den Lehrbüchern steht. Solche Leute spüren keine Verantwortung“, so Straubhaar.
Noch immer seien in Deutschland jene Kollegen in der Mehrheit, die mit der Ökonomie etwas anstrebten, was diese nicht leisten könne, weil sie eine Geistes- und Sozialwissenschaft sei. Das sei gefährlich, weil die Überheblichkeit der Zunft die Erneuerung der Lehre verhindere, so Straubhaar. Zudem kritisierte der HWWI-Chef, dass sich die Branche kaum anderen Disziplinen öffne. „Entweder es gelingt uns in den nächsten Jahren, neue Erkenntnisse zu Politikempfehlungen umzuformen, was nur in interdisziplinären Teams geht – oder wir verlieren unseren Nutzen für die Politik“, sagte er.



