"Deutsches Sparkapital fließt in Mittelmeerländer" - In aussergewöhnlicher Schärfe kritisiert ifo-Chef Sinn die Konsequenzen von Target 2: "Unsere Lebensversicherungspolicen und Sparbücher bestehen heute zu mehr als 13.000 Euro je Erwerbstätigen aus offenen Target-Forderungen gegen die anderen Zentralbanken der Eurozone".
In aussergewöhnlicher Schärfe kritisiert ifo-Chef Sinn in einem "Debatten-Beitrag" für den SPIEGEL die Konsequenzen von Target 2. Die Bundesbank transferiert damit deutsches Sparguthaben in den Süden. Und dort könnte es versickern ohne dass es je wieder zurückgezahlt wird.
Sinn im Spiegel: "Im Endeffekt wurden auf diese Weise deutsche Ersparnisse im Umfang von 547 Milliarden Euro von privaten Vermögensansprüchen gegen das Ausland in bloße Target-Forderungen der Bundesbank gegen das Eurosystem verwandelt. Unsere Lebensversicherungspolicen und Sparbücher bestehen heute zu mehr als 13.000 Euro je Erwerbstätigen aus offenen Target-Forderungen gegen die anderen Zentralbanken der Eurozone, die wir nicht fällig stellen können, die eine Verzinsung unterhalb der Inflationsrate bringen und die sich ganz oder teilweise als wertlos erweisen werden, wenn der Euro zerbricht oder Euroländer pleitegehen.
Selbst der ärgste Systemkritiker wird zustimmen, dass ein Vorteil des Kapitalismus darin liegt, dass die für Investitionsentscheidungen nötige Abwägung zwischen Risiken und Erträgen von den Vermögensbesitzern selbst getroffen wird. Die Mehrheit im EZB-Rat durchbricht dieses Prinzip aber gegen den erbitterten Widerstand des deutschen Vertreters in diesem Gremium und leitet das deutsche Sparkapital nun schon im fünften Jahr weiterhin in die Mittelmeerländer, obwohl es dort eigentlich nicht hin will. Das ist ein Rettungsschirm vor dem Rettungsschirm. Noch dazu einer, der weit größer ausfällt als alle offiziellen Rettungsschirme, über die die Parlamente entschieden haben.
Mit Notmaßnahmen zur Bekämpfung einer akuten Liquiditätskrise hat die EZB-Politik schon lange nichts mehr zu tun. Sie ist vielmehr eine fiskalische Interessenpolitik auf dem Rücken anderer Länder, die geradewegs in eine Transferunion münden wird."



