Silizium-Konzern Wacker hält einmalige Kürzung der Solarförderung für verkraftbar. "Angemessene Renditen weiter möglich." Vorbehalte nur gegen weitere Senkung.
Der zweitgrößten Siliziumherstellers der Welt, Wacker Chemie, hält die von der Regierung geplante einmalige Absenkung der Solarförderung für verkraftbar. Ewald Schindlbeck, der Chef der Siliziumsparte, sagte der Frankfurter Rundschau (Mittwoch-Ausgabe): „Wir halten die einmalige, zusätzliche Kürzung der Vergütung für ambitioniert, aber verkraftbar. Das ist in Ordnung, weil auch die Preise für Solaranlagen in den letzten Monaten drastisch gesunken sind.“
Zwar schrieben viele Unternehmen schon jetzt rote Zahlen und sie würden nun noch billiger produzieren müssen. Doch das könnten viele Solarfirmen schaffen, sagte Schindlbeck. „Auch wir müssen mit den Kosten für unser Silizium immer weiter runter.“ Für Investitionen in neue Photovoltaikanlagen gelte: „Angemessene Renditen sind wohl auch nach der Absenkung noch machbar.“ Die Regierung plant, spätestens zum ersten April die Solarförderung je nach Anlagengröße um 20 bis 30 Prozent zu senken.
Schindlbeck wandte sich allerdings gegen die danach geplanten Absenkungen. „Die automatischen Monatskürzungen, die vorgesehen sind, werden die Solarindustrie überfordern.“ Für 2016 zum Beispiel erwarte Wacker, dass eine neue große Solaranlage für sieben bis acht Cent Strom liefern könne. „Das ist halb so viel wie heute. Doch nach den Plänen der Regierung soll es sogar noch weniger sein. Das ist nicht zu machen.“
Die Belastungen durch die Solarförderung, so Schindlbeck weiter, hielten sich in Zukunft in Grenzen. Sie sänken rapide, weil die Kosten für Solarstrom innerhalb von zwei Jahren um rund die Hälfte gesunken seien. Schindlbeck sprach sich dafür aus, dass die Solarenergie in Deutschland weiter moderat ausgebaut wird. „Ein Markt zwischen drei und fünf Gigawatt Zubau pro Jahr wäre ein sinnvoller Korridor“, sagte er. 2011 wurden Anlagen mit einer Leistung von 7,5 Gigawatt in Deutschland gebaut.
Wacker setzt sich darüber hinaus für eine Reform des Strommarktes ein. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das feste Vergütungen für die ins Netz eingespeisten Grünstrommengen vorsieht, sei zweifelsohne ein Erfolgsmodell. „Das jetzige Fördermodell stößt aber an seine Grenzen. Es war gedacht für die Markteinführung der Erneuerbaren. Doch diese Dimension haben Sonne, Wind und die anderen grünen Energien in Deutschland mit 20 Prozent Stromanteil hinter sich gelassen“, sagte Schindlbeck. Es gebe zum Beispiel den Vorschlag, dass ein Investor in Solar- oder Windanlagen mit einer „Flatrate“ honoriert werden könnte, die sich an der im Jahresdurchschnitt produzierten Leistung orientiere. „Neue Ideen zum Strommarkt mit unterschiedlich steuerbaren Energiequellen sollten untersucht werden.“ Das Modell müsse aber so gestaltet sein, dass de Ausbauziele für erneuerbare Energien erreicht würden.



