Preußen-Prinz fordert nach Wulff-Skandal Rückkehr zur Monarchie. Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm: "Königsfamilien vermittelten Stabilität. Sie werden nicht per Misstrauensvotum oder durch Aufhebung der Immunität aus dem Amt gefegt. Das tut einem Land gut“.
Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. plädiert für eine Wiedereinführung der Monarchie. Königsfamilien vermittelten Stabilität: „Sie werden nicht per Misstrauensvotum oder durch Aufhebung der Immunität aus dem Amt gefegt. Das tut einem Land gut“, erklärte Prinz Philip Kiril von Preußen im Vorfeld der geplanten Wahl von Joachim Gauck in das höchste deutsche Staatsamt gegenüber der ZEIT-Beilage „Christ & Welt“. Ein Monarch ist nach Ansicht des Prinzen gegen Versuchungen gefeit, die zum Rücktritt des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff beitrugen: „Entweder er hätte alten Familienbesitz oder eine Apanage – und es wäre unter seiner Würde, von Freunden Geschenke anzunehmen.“
Eine Königsfamilie könne zudem mehr Veränderungen bewirken als ein Bundespräsident, weil sie die Herzen der Menschen erreiche. Emotionen sind nach Ansicht des Prinzen besonders in der Familienpolitik wichtig. So könnten Monarchen durch ihr öffentliches Familienleben wirkungsvoller gegen die „demografische Zeitbombe“ des Geburtenrückgangs angehen, die alle Lebensbereiche vom Fachkräftemangel und der Binnennachfrage bis zur Rente bedrohe: „Die Herzensebene hat einen viel intensiveren Einfluss als ein Appell der Familienministerin für bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagte Prinz Philip Kiril, der sich zum evangelischen Pfarrer hat ausbilden lassen.
Noch hält der Adlige die Einführung einer Monarchie in Deutschland für unmöglich: Die Frage rufe „reflexartig irrationale Reaktionen hervor. Man schwingt die Wilhelminismuskeule und übernimmt die fatale, ahistorische Formulierung der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, Preußen sei ein Hort der Aggression und des Militarismus gewesen.“ Doch vielleicht, so hofft er, „ticken die Uhren allmählich anders“.
Philip Kiril von Preußen ist bei seiner Mutter in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Die Ehe seiner Eltern zerbrach. Sein Vater Friedrich Wilhelm von Preußen war wegen seiner bürgerlichen Heirat enterbt worden, focht die Entscheidung 2004 aber erfolgreich beim Bundesverfassungsgericht an. Heute wirkt Philip Prinz von Preußen als evangelischer Pfarrer im havelländischen Zehdenick nördlich von Berlin. Bei seiner Berufswahl, sagte er gegenüber „Christ & Welt“, habe er sich gefragt, „was mein himmlischer Vater will, und erst in zweiter Linie, was meine Herkunft von mir erwartet“.



