Margot Honecker bestreitet, dem NDR ein Interview gegeben zu haben. Hat der NDR-Autor des Films "Der Sturz - Honeckers Ende" sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bei der Ex-DDR-Diktatorin Zugang verschaft und heimlich aufgenommen?
Am 2. April strahlte Das Erste den Film "Der Sturz - Honeckers Ende" von Eric Friedler aus. Die Dokumentation enthielt längere Interviewpassagen mit der früheren DDR-Ministerin und Witwe des DDR-Staatschefs Erich Honecker, Margot Honecker. Wie die in Berlin erscheinende Tageszeitung junge Welt (Samstagausgabe) berichtet, erklärte Margot Honecker nun: "Ich habe dieses Interview diesem Kanal nicht gegeben." Offenbar kam das Interview mit ihr, so die Zeitung, unter falschen Angaben zustande. Die junge Welt verweist darauf, daß unbefugte Aufnahmen von nichtöffentlich gesprochenem Wort einen Straftatbestand darstellen.
Der NDR preiste den Film wie folgt an:
Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat Margot Honecker, einst mächtigste Frau der DDR, Volksbildungsministerin und Gattin des letzten Diktators auf deutschem Boden, kein Fernsehinterview gegeben. Erstmals stellt sich die heute 84 Jährige nun den Fragen des vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilmers Eric Friedler ("Aghet - Ein Völkermord", "Das Schweigen der Quandts") und spricht in dem 90-minütigen NDR Dokumentarfilm "Der Sturz - Honeckers Ende" offen über das Ende der DDR, über Verrat, Intrigen und Verbrechen der DDR-Diktatur.
Anlass, sich etwa für das Agieren der Stasi oder für die Mauertoten zu entschuldigen, sieht die umstrittene Rentnerin weder für sich noch für die DDR-Führung. So bezeichnet sie den Tod derjenigen, die in die Freiheit fliehen wollten und erschossen wurden, als "Dummheit". Wörtlich sagt sie: "Es lässt einen nicht ruhig, wenn ein junger Mensch auf diese Weise ums Leben kommt. Man hat sich vor allem auch immer gefragt: Wieso hat er das riskiert? Warum? Denn das braucht ja nicht sein. Der brauchte ja nicht über die Mauer zu klettern. Diese Dummheit mit dem Leben zu bezahlen, das ist schon bitter."
Die Staatssicherheit sieht Margot Honecker als legitime Notwendigkeit, die Tausende politischer Häftlinge der DDR bezeichnet sie schlicht als kriminell. Bis heute traumatisierte Opfer, die als Jugendliche in geschlossenen Jugendwerkhöfen unter Isolationshaft und Psychoterror litten, sind für sie "bezahlte Banditen", während sie den Vorwurf der Zwangsadoption von Kindern politischer Gegner kategorisch ablehnt: "Es gab keine Zwangsadoption."
Sie rechnet mit ehemaligen Genossen wie Egon Krenz oder Hans Modrow ab, wirft ihnen Verrat an der DDR vor: "Es tut mir leid, dass sie sich so geirrt haben." Margot Honeckers Aussagen sind Teil von Eric Friedlers komplex strukturiertem Dokumentarfilm "Der Sturz - Honeckers Ende". Aus zahlreichen Interviews und Original-Filmausschnitten entsteht ein umfassendes Bild der letzten Tage des einstigen ersten Mannes der DDR, der wie kaum ein anderer das sozialistische Deutschland prägte.
Der Film analysiert mit einer Vielzahl hochkarätiger internationaler und nationaler Zeitzeugen-Interviews, darunter mit Helmut Schmidt, Wolfgang Schäuble, Michael Gorbatschow, Eduard Schewardnazse, Gregor Gysi, Manfred Stolpe u.v.m., aber auch mit Opfern des DDR-Unrechtsregimes Aufstieg und Fall dieses widersprüchlichen deutschen Politikers. Am 25. August 2012 wäre Erich Honecker 100 Jahre alt geworden.



