Siemens kippt Prognose wegen Stromübertragungs-Projekte. Spartenchef Niehage muss Posten räumen. Branchenkreisen zufolge hat der Konzern die Aufträge angenommen, ohne ausreichend technische Kompetenz und Kapazität im eigenen Haus zu haben.
Die Schwierigkeiten bei der Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz schlagen bei Siemens immer stärker auf die Bilanz durch. Nach Informationen der Financial Times Deutschland (Dienstagsausgabe) wird der Konzern im zweiten Geschäftsquartal eine Rückstellung in Größenordnung der des Vorquartals bilden – damals waren es 203 Mio. Euro. Damit sollen drohende Verluste abgefedert werden. Zudem werde Siemens den prognostizierten Nettojahresgewinn von 6 Mrd. Euro aus fortgeführtem Geschäft kippen. Dies soll mit der Vorlage des Quartalsberichts am 25. April erfolgen, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Zugleich zieht der Konzern personelle Konsequenzen: Nach FTD-Informationen muss Udo Niehage, Chef der Stromübertragungssparte, gehen. Siemens lehnt jeden Kommentar ab.
Branchenkreisen zufolge hat der Konzern die Aufträge angenommen, ohne ausreichend technische Kompetenz und Kapazität im eigenen Haus zu haben. Bereits vor einigen Monaten hatte Siemens zugeben müssen, dass sich bei zwei von vier Umspannplattformen in der Nordsee der Bau teils erheblich verzögern wird. Die Zusatzkosten von nun schon rund 400 Mio. Euro entstehen zum einen durch längere Bauzeiten. Auch wird mehr Material benötigt als geplant. Hinzu kommen Vertragsstrafen von 130 Mio. Euro, schätzen Analysten von Credit Suisse. „Siemens hat offenbar Wachstum durch Vorzeigeaufträge Priorität eingeräumt gegenüber einer vorsichtigen Prüfung der Verträge“, kritisierte JP-Morgan-Analyst Andreas Willi. Der Münchner Konzern steht als Konsortialführer für den gesamten Auftrag gerade, obwohl auf Siemens nur 1,4 Mrd. des Bestellvolumens von 2,5 Mrd. Euro entfallen. Offiziell begründet der Konzern die Verzögerung mit „unerwartet komplexen“ Genehmigungsverfahren. Konkurrent ABB, der die anderen drei Plattformen für Tennet baut, hat bislang keine derartigen Probleme offenbart.



