In Gelsenkirchen hat ein spektakulärer Einbruch in den Tresorraum der örtlichen Sparkasse die Stadt erschüttert.
Von Meinrad Müller
Rund 3.200 Schließfächer wurden aufgebrochen, und die Täter erbeuteten nach Schätzungen der Ermittler bis zu 30 Millionen Euro in Bargeld, Gold und Wertgegenständen. Der Vorfall hat nicht nur die betroffenen Kunden, sondern auch die Öffentlichkeit in Aufruhr versetzt.
Das Video, das auf X verbreitet wurde, zeigt eine große, aufgebrachte Menschenmenge vor der Filiale, die lautstark Informationen fordert. „Wir wollen rein, wir wollen rein!“, skandiert ein Sprechchor, während die Polizei den Tatort absichert und Tumulte drohen. Die betroffenen Kunden fühlen sich allein gelassen und beklagen, dass sie nur eine Grundversicherung bis zu 10.300 Euro pro Fach erhalten, obwohl viele höhere Werte eingelagert hatten. Eine zusätzliche Absicherung war optional, was in der Debatte zu Vorwürfen mangelnder Aufklärung führt.
Die Sparkasse hat eine Hotline eingerichtet, um die betroffenen Kunden zu informieren, doch die Frustration bleibt groß. Kritiker werfen der Bank vor, die Verantwortung abzuwälzen, und fordern die Sparkassen-Direktoren auf, sich zu den Vorfällen zu äußern. Die Frage nach der Sicherheit von Schließfächern steht im Raum, zumal solche Einbrüche in Deutschland selten sind.
Neue Details aus den Ermittlungen zeigen, dass die Täter über das Parkhaus „Marientor“ vorgedrungen sind. Von dort arbeiteten sie sich durch mehrere Türen zum Archivraum der Sparkasse und brachen schließlich durch eine 42 cm dicke Wand in den Tresorraum ein. Dabei kam ein Spezialbohrer zum Einsatz. Videoaufnahmen aus dem Parkhaus zeigen einen schwarzen Audi RS6 mit gestohlenen Hannoveraner Kennzeichen, in dem maskierte Männer saßen. Zeugenaussagen berichten von mehreren Männern mit großen Taschen, die in der Nacht des Einbruchs im Treppenhaus des Parkhauses beobachtet wurden.
Der Coup wurde durch einen Brandmeldealarm am Montag, den 29. Dezember um 3.58 Uhr, entdeckt, obwohl es bereits in den frühen Morgenstunden des 27. Dezembers einen Alarm gegeben hatte. Die Polizei fand ein Trümmerfeld vor: Zu Tausenden lagen die herausgerissenen Innenkassetten aus den Wertfächern herum, dazwischen Papiere und Gegenstände. Mitten im Chaos lag der massive Bohrkern. Polizeisprecher Thomas Nowaczyk beschrieb den Fall als „spektakulär“ und betonte, dass viele einzelne Schicksale betroffen sind.
Am Dienstagvormittag versammelten sich schätzungsweise 200 Menschen frierend vor der Bank. Die Stimmung war angespannt, aggressiv, emotional. Mehrere Personen drängten an Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes vorbei und stürmten in den Vorraum der Sparkasse, woraufhin die Polizei mit acht Mannschaftswagen anrückte und den Eingang sicherte. Immer wieder machten Beamte Durchsagen: „Die Bank bleibt heute geschlossen, Informationen auf der Website der Sparkasse. Gehen Sie nach Hause.“ Für viele Betroffene ein Schlag ins Gesicht.
Die Ermittlungen dauern an, doch die genaue Schadenssumme ist noch nicht abschließend geklärt. Für viele Betroffene ist der Verlust jedoch nicht nur materiell, sondern auch emotional, da oft Familienerbstücke und lebenslange Ersparnisse betroffen sind. Die Sparkasse Gelsenkirchen bat auf ihrer Internetseite darum, von einem Besuch vor Ort abzusehen und kündigte an, die Schadensabwicklung so kundenfreundlich wie möglich zu gestalten. Doch Worte beruhigen niemanden, der um Schmuck, Bargeld und persönliche Erinnerungsstücke bangt. Die Betroffenen wollen Antworten – nicht irgendwann, sondern jetzt.
https://x.com/i/status/2006012000988492185
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