Plötzlich ist die herausragende Bedeutung von Erdöl, das in der Theorie der Klimaschutzpolitiker schon weitgehend abgeschrieben wurde und durch erneuerbare Energien ersetzt werden sollte, wieder in aller Munde.
Von Claus Vogt
Kurz vor Ausbruch des Israel/USA-Irankriegs kam es bereits zu einem Anstieg des Ölpreises von 55 $ pro Barrel der Marke WTI auf 65 $ – manche Marktteilnehmer erfahren eben mehr als andere. Als dann die ersten Raketen flogen, schoss der Ölpreis in wenigen Tagen bis auf 120 $ in die Höhe. Inzwischen ist er in den Bereich von 70 $ zurückgekehrt.
Der durch diesen Krieg ausgelöste Anstieg des Ölpreises sorgte unter anderem um Punkt zwölf Uhr an deutschen Zapfsäulen für Aufruhr. Diese Folge mag nun zwar vorüber sein, die Belastung der Weltwirtschaft durch die drei Monate lang erheblich höheren Energiepreise hingegen nicht.
Wichtige Botschaft der jüngsten Ölkrise
Viel wichtiger als diese kurzfristigen Episoden sind die langfristigen Auswirkungen dieses Krieges. Plötzlich ist die herausragende Bedeutung von Erdöl, das in der Theorie der Klimaschutzpolitiker schon weitgehend abgeschrieben wurde und durch erneuerbare Energien ersetzt werden sollte, wieder in aller Munde.
Wir beobachten den Ölmarkt nun schon seit vielen Jahren intensiv und vor dem Hintergrund der auf apokalyptischen Prognosen basierenden Klimapolitik Deutschlands mit wachsendem Interesse. Der Preisschock, der die Bedeutung von Erdöl ins Bewusstsein der Bevölkerung zurückgeholt hat, könnte eine für Anleger hochinteressante Phase im Bereich fossiler Energieträger einleiten.
Fossile Energieträger kein Auslaufmodell
Am 30. Juni 2026 ist eine neue Themenschwerpunkt-Ausgabe unseres Börsenbriefes Krisensicher Investieren erschienen, in der wir eine hochaktuelle Analyse des Ölmarktes vorlegen. Unsere Ergebnisse sollten kluge Anleger hellhörig werden lassen. Denn anders als von vielen Politikern, Journalisten, „Aktivisten“ und NGOs kolportiert, ist Erdöl auch im Jahr 2026 kein Auslaufmodell. Ganz im Gegenteil kommen wir zu dem begründeten Ergebnis, dass die herausragende Stellung des klassischen Energiesektors alles andere als vorüber ist.
Hohe Investitionen nötig
In ihrem aktuellen Bericht gesteht die zur OPEC gehörende und mit Steuergeldern bezahlte Internationale Energieagentur (IEA) nun zähneknirschend das ein, was wir schon seit längerem prognostiziert haben: Die globale Ölnachfrage wird mindestens bis 2050 weiter steigen. Die früheren Prognosen der Agentur, die einen starken Rückgang des Ölverbrauchs voraussahen, sind also Makulatur.
Die großen Ölkonzerne waren in den vergangenen Jahren aufgrund der politischen Unsicherheiten der Klimapolitik sehr zurückhaltend mit Investitionen in die Exploration und Erschließung neuer Lagerstätten. Jetzt stehen sie mittelfristig unter Druck, ihre Kapazitäten wieder zu erhöhen, um die steigende Nachfrage befriedigen zu können. Deshalb werden große Investitionen des Ölsektors nötig sein, die in absehbarer Zeit getätigt werden müssen, damit das Angebot mir der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Eine weitreichende Analyse dieser Entwicklungen lesen Sie in unserer aktuellen Themenschwerpunkt-Ausgabe „Ölservice-Unternehmen im Aufwind - Gute Aussichten für Zulieferer des klassischen Energiesektors“.
Die Situationen in Venezuela und im Nahen Osten verstärken unsere Argumente zusätzlich. Hier muss die im Falle Venezuelas vernachlässigte und im Nahen Osten durch den Iran zerstörte Ölinfrastruktur wiederaufgebaut werden. Wahrscheinlich werden auch neue Transportwege erschlossen und zusätzliche Lagerkapazitäten geschaffen. Auch hier werden also Investitionen getätigt werden müssen.
Rückenwind für Ölservice-Unternehmen
Die sich abzeichnenden großen Investitionen der Öl- und Gasindustrie werden die Gewinne und mit ihnen die Aktienkurse der Ölservice-Unternehmen beflügeln. Das sind Unternehmen, deren Geschäftsbereich von der Exploration über die Errichtung und Herstellung von Bohrvorrichtungen, Bohrinseln und -schiffen reicht bis hin zur Vermietung von Bohrcrews, Überwachung der Produktionsabläufe und dem Rückbau stillgelegter Produktionsanlagen.
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