Wenn westliche Tanker nicht durchfahren dürfen, dann gar keine, auch keine chinesischen. Washington stellt klar: Eine einseitige iranische Erlaubnispolitik wird nicht akzeptiert.
Von Meinrad Müller
In seinem Truth-Social-Post vom Sonntag hat er angekündigt, die US-Navy werde „effective immediately“ (sofort) damit beginnen, jedes Schiff abzufangen, das in die oder aus der Straße von Hormuz will. Besonders betroffen wären Tanker, die Iran in letzter Zeit eine Durchfahrtsgebühr gezahlt haben – das trifft vor allem chinesische und indische Schiffe, die zuletzt noch passieren durften.
Chinesische Tanker werden derzeit bevorzugt durchgelassen, während westliche und andere Schiffe umkehren müssen. Am Sonntag kehrten zwei leere Supertanker kurz vor der Einfahrt in die Meerenge um – genau in dem Moment, als die Verhandlungen über das Nuklearprogramm und die freie Schifffahrt in Islamabad ohne Ergebnis abgebrochen wurden.
Warum spricht Trump von einer möglichen US-Blockade, obwohl die USA die Passage eigentlich öffnen wollen?
Trump formuliert es klar und direkt: Wenn unsere Schiffe und die der meisten anderen Länder nicht frei durchkommen, dann soll niemand mehr passieren – auch nicht die chinesischen Tanker, die Iran derzeit bevorzugt durchlässt.
Iran blockiert die Meerenge derzeit selektiv. Chinesische Tanker kommen relativ problemlos durch, während westliche oder mit den USA verbündete Schiffe behindert oder zur Umkehr gezwungen werden. Genau diese Ungleichbehandlung will Washington nicht länger hinnehmen.
Trump dreht den Spieß um
Der Iran verlangt von nicht-chinesischen Tankern Gebühren von bis zu zwei Millionen Dollar pro Supertanker, um die Passage überhaupt zu erlauben. Chinesische Tanker werden bevorzugt behandelt, weil China der mit Abstand wichtigste Abnehmer iranischen Öls ist.
Damit hat Teheran die Meerenge faktisch in eine politische Zollstation verwandelt: Wer politisch passt oder zahlt, kommt durch. Wer nicht passt, wird gestoppt oder muss umkehren. Die USA bezeichnen dieses Vorgehen als klassische Erpressung.
Der entscheidende wirtschaftliche Hebel
Hier setzt Trumps Strategie an. Die USA wollen die Meerenge nicht dauerhaft schließen, sondern sie für alle fair und bedingungslos öffnen.
Greifen die USA ein und behindern auch chinesische oder iran-nahe Tanker – wie Trump es heute explizit angekündigt hat –, verliert Iran einen erheblichen Teil seiner wichtigen Einnahmen aus dem Ölgeschäft mit China. Dann würde nicht nur der Westen, sondern auch Peking starken Druck auf Teheran ausüben, die selektive Blockade endlich aufzugeben. Iran würde sich letztlich mit seiner eigenen Waffe selbst finanziell schaden.
Aktueller Stand
Eine vollständige operative Seeblockade ist bislang noch nicht umgesetzt. Die USA räumen weiterhin Minen, die Iran gelegt hat, und US-Kriegsschiffe sichern die Passage, um die Durchfahrt wieder berechenbar zu machen. Trump betont gleichzeitig, dass am Ende eine freie und sichere Passage für alle Schiffe stehen soll – vorausgesetzt, Iran beendet seine selektive Kontrolle und Erpressungspolitik.
Die Lage bleibt hoch angespannt. Etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und LNG-Transports läuft normalerweise durch die Straße von Hormuz. Solange keine klare, bedingungslose Öffnung erfolgt, drohen weitere erhebliche Störungen auf den globalen Energiemärkten.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p