Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff attackiert die Deutsche Bank. Er hatte sich mit 76 Millionen Euro an Fonds beteiligt, die Sal. Oppenheim und deren Immobilienpartner Josef Esch als Steuersparmodelle für Superreiche konzipierten. Jetzt, wo die Fonds Schiffbruch erleiden, gibt Middelhoff vor, falsch informiert gewesen zu sein.
Der einstige Bertelsmann- und Arcandor-Chef Thomas Middelhoff geht in die Offensive. Das Bankhaus Sal. Oppenheim habe ein „betrügerisches System“ errichtet, erklärt er im Interview mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). „Die Deutsche Bank kannte die Rechtsrisiken genau als Ergebnis der Legal Due Diligence vor Übernahme von Sal. Oppenheim. Das ist auch ein Compliance Fall für das Institut“, sagt der Medien-Manager. Danach hätte die Deutsche Bank quasi bösgläubig gehandelt.
Der 60-jährige Middelhoff hatte sich mit 76 Millionen Euro an Fonds beteiligt, die die Privatbank Sal. Oppenheim und deren Immobilienpartner Josef Esch als Steuersparmodelle für Superreiche konzipierten. Inzwischen schreiben viele der Fonds rote Zahlen. Middelhoff findet, wie viele andere Kunden auch, er sei bewusst reingelegt worden. „Ich bin über die Gefahren der Geldanlage nie aufgeklärt worden. Ausdrücklich wollten meine Frau und ich ein konservatives, mündelsicheres Investment“, sagte Middelhoff.
Gegen Middelhoff wird im Nachgang der Arcandor-Pleite in verschiedenen Verfahren ermittelt. Unter anderem hat ihn die Staatsanwaltschaft Bochum wegen vermuteter Untreue angeklagt. Er soll als Arcandor-Chef Privatflüge dienstlich abgerechnet haben.
Middelhoff rechtfertigt die hohen Ausgaben für private Flüge, die einmal sogar sein Jahreseinkommen überstiegen, mit Sicherheitsargumenten. „2004 gab es eine Bombendrohung für meinen Flug nach London. Diese Drohung wurde mit meiner Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender von Karstadt-Quelle in Verbindung gebracht. Abfangjäger mussten die Maschine nach unten dirigieren. Von da an war es der Wunsch des Mehrheitsaktionärs, dass ich – ungefährdet – auch privat chartere. Die Kosten sollten übernommen werden.“
Seinen damaligen Einstieg als Vorstandschef von Arcandor (zuvor Karstadt-Quelle) bezeichnet Middelhoff heute als „Unfall“. „Ich bin über die Verbindung zu Sal. Oppenheim und vor allem zur Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz in den Aufsichtsrat des Handelskonzerns gekommen“, beschreibt Middelhoff die Entwicklung im Interview. „Die Eigentümer wollten ihn 2005 von der Börse nehmen, so war der Plan. Das klappte aber nicht. In der wirtschaftlich desolaten Verfassung des Konzerns war aber niemand bereit, Verantwortung zu übernehmen. Und dann ging auch noch der Vorstandschef. Da musste ich ran.“
Er habe bereits bei Dienstantritt öffentlich dargelegt, in welch desaströser Lage sich der Konzern befindet. Die Schuld an der Pleite Arcandors gibt Middelhoff seinem Nachfolger Karl-Gerhard Eick. Middelhoff: „Wir und mein vorgesehener Nachfolger Marc Oliver Sommer hatten alles vorbereitet. Doch Eick wollte dann weder vom vorbereiteten Verkauf der Reisetochter Thomas Cook etwas wissen noch von der Fusion Karstadts mit dem Kaufhof oder mit dem Merger zwischen Primondo und Redcats. Er legte es auf eine Planinsolvenz an. Wäre sie gelungen, wären tatsächlich viele Verbindlichkeiten weg gewesen. Aber er fuhr den Konzern an die Wand“, resümiert Middelhoff.
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