Lieber Leser,
diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe: ThyssenKrupp hat sich endlich von seinem Stahlwerk in Brasilien getrennt. Direkt nach dem Bekanntwerden ging die Aktie durch die Decke: Sie stieg um fast 5%, an einem einzigen Handelstag.
Die Reaktion ist nicht verwunderlich. Es wird gemunkelt, dass das Investment in Brasilien die teuerste Fehlinvestition in der deutschen Industriegeschichte sei. Satte 12 Milliarden Euro verschlang das Projekt. Käufer ist der lateinamerikanische Stahlriese Ternium, der rund 1,5 Milliarden Euro für das Werk hinblättert. Bis zum 30. September 2017 soll der Deal in trocknen Tüchern sein – dann aber rückwirkend für den 30. September 2016 gelten, was vorwiegend bilanzielle Gründe hat. Unterm Strich zieht sich ThyssenKrupp dann aus Amerika mit einem Verlust von 8 Milliarden Euro zurück. Frühere Prognosen gingen von viel mehr aus.
Bricht das Unternehmen mit seinen Wurzeln?
ThyssenKrupp, das einstige Vorzeige-Stahlunternehmen Deutschlands, forciert damit den Ausstieg aus dem traditionsreichen Geschäft. Zwar wird weltweit viel Stahl gebraucht, jedoch ist auch das Angebot sehr groß. Es lässt sich damit kaum noch Geld verdienen. Deswegen möchte sich der Konzern in Zukunft auf den Anlagenbau, auf Aufzüge und die Automotivsparte konzentrieren. In den nächsten Jahren soll dafür auch Steel Europe abgestoßen werden. Die Übernahmegespräche mit Tata sind seit längerem bekannt.



