Der in Berlin erscheinende „Tagesspiegel“ hat der DeutschenPresse-Agentur (DPA) wegen ihres geplanten Umzugs in die BerlinerLadengalerie des Medienkonzerns Axel Springer gekündigt. „Wir sehen dieUnabhängigkeit gefährdet und haben kein Vertrauen mehr“, sagteChefredakteur Stephan-Andreas Casdorff dem Handelsblatt zur Begründung
DieZeitung sieht mit dem Umzug unter das Dach von Europas größtemZeitungskonzern einen Interessenskonflikt. Wirtschaftliche Gründehätten für die Kündigung keine Rolle gespielt. „Wir wollen nicht mitunserem Geld die Rendite von Springer verbessern“, sagte ein Insider inBerlin
Die DPA bestätigte den Eingang der Kündigung des"Tagesspiegels". Die Agentur will aber die Befürchtung einer angeblichgefährdeten Unabhängigkeit in einem Gespräch aus dem Weg räumen. "Wirsind überrascht. Wir wollen mit dem Tagesspiegel reden", sagte einUnternehmenssprecher. Unabhängigkeit sei das höchste Gut einerNachrichtenagentur, die man in keiner Weise gefährden wolle
DieDeutsche Presse-Agentur zieht im Sommer nächsten Jahres mit ihrerZentralredaktion nach Berlin in die Axel-Springer-Passage, zu Füßen derKonzernzentrale. Nach Angaben eines DPA-Sprechers werde die Agenturaber nicht die Adresse Axel-Springer-Platz 1 haben. Deutschlandsführende Nachrichtenagentur wird nach Unternehmensangaben im fünftenStock der Ladengalerie rund 3.500 Quadratmeter beziehen. Damitkonzentriert DPA seine Redaktionen, die bislang in Hamburg, Frankfurtund Berlin angesiedelt waren
Die Kündigung des „Tagesspiegel“,der ebenso wie das Handelsblatt dem Stuttgarter Verleger Dieter vonHoltzbrinck gehört, kommt für die DPA zu einer Unzeit. Denn dieNachrichtenagentur befindet sich in einer wirtschaftlich schwierigenSituation. Bereits die in Nordrhein-Westfalen ansässigen Regionalbätterder Essener WAZ-Gruppe hatten der DPA, bei der Ex-Spiegel-Online-MannWofgang Büchner Anfang 2010 den Chefredakteursposten übernehmen wird,in diesem Jahr aus inhaltlichen Gründen gekündigt. Im vergangenen Jahrerzielte DPA mit 450 Redakteuren Erlöse von 94 Mio. Euro. DerÜberschuss sank auf 2,9 Mio. Euro (Vorjahr 4,4 Mio.).



