Let’sget physical
Olympiapark, Event-Arena. Dort,wo 1972 die Radrenn-Wettbewerbe stattfanden, steigt die Edelmetallmesse 2009.Draußen stehen die Raucher in der Kälte. Die auf Englisch geführten Gesprächedrehen sich um das Unvermeidliche: um Gold. Drinnen reißen nette Hostessen dieEintrittskarten ab. Ein paar Schritte weiter bekommt der Besucher Tageszeitungen in die Hand gedrückt. Zur Linken wartet einBücherstand. Die Worte „Krise“ und „Crash“ sind auf den Bücherdeckeln prominentvertreten. Vis-à-vis findet eine Präsentation statt. Titel: "Crack-up-Boom - Das letzte Aufbäumen desFinanzsystems".
Es folgen die ersten Messestände.„Investieren“ scheint hier das Zauberwort. „Xetra-Gold“ steht neben„Uran-Mine“. Im Vorübergehen erhält man Prospekte ohne Ende. Die Stimmungscheint gut zu sein, und irgendwie kennt hier jeder jeden, hat man denEindruck.
Eine Rolltreppe befördert denBesucher ins Obergeschoß. Unweit entfernt befindet sich der Stand von„GoldMoney“, dem best way to buy gold& silver. James Turk ist noch nicht da. Dafür erfährt man von AlexPreukschat, dem Marketing-Chef, dass„GoldMoney“ eine deutschsprachige Website gestartet hat. In der Glasvitrineglitzert ein 12,5 Kilo schwerer Gold-Barren.
Weiter geht’s. Neue Prospektewerden gereicht. Am Stand von „Gossan Resources Ltd.“ steht Professor Hans J.Bocker und berät zum Thema „seltene Erden“. Phillip Vorndran, Vertreter derFirma „Flossbach & von Storch“ spricht auf der Vortragsbühne die Frage an:Investieren in Minen oder physisches Gold? Seine Antwort: Eindeutig physischesGold. Weitere Stichworte: Phase fallender Nachfrage durch Notenbanken zu ende;Staatsbankrott droht; Gold einzige vertrauenswürdige Währung; nicht nur Dollarin Gefahr, sondern auch Euro; vor 2000 Dollar pro Unze sei er sicher, dasskeine Blase entstehe.
Der Vortrag ist zu ende,Klatsch-Klatsch.
Kurz die Beine vertreten, dann einenKaffee trinken. Im Kopf ein passendes Lied: “Let'sget physical, physical, I wanna get physical, let's get into physical.“
FolkerHellmeyer: Ein goldiges Jahr
Zurück zur Bühne. ProfessorBocker ist nach wie vor umringt von beratungswilligen Zuhörern. Des Weiterenist Folker Hellmeyer, der nächste Referent, eingetroffen. Der Chef-Analyst derBremer LB beginnt seinen launigen, äußerst unterhaltsamen Vortrag mit der Feststellung: „Ich widersprecheder Auffassung, dass der Goldpreis vor allem in der Krise steigt. In der Krisemuss gegen Gold gearbeitet werden, nicht in guter Konjunkturlage.“
Für seine Einschätzung: „Dieaktuelle Krise ist der Beleg, dass die Österreichische Schule richtig liegt,full stop!“, bekommt Hellmeyer zustimmenden Applaus auf offener Szene. Erfordert: „Wir brauchen Vordenker, nicht Nachdenker“, sieht eineBankenzerschlagung als opportun, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass fürdie nächsten drei Jahre in den USA die Devise vorherrschen dürfte: “failure is no option!“ Da sei ein “wayof no return“ eingeschlagen worden. Die Maßnahmen, die bisher gegen dieKrise getroffen seien, „schenken unsdrei Jahre Aufschub, um uns zu restrukturieren.“ Dazu gehört für ihn, „dass die FED nicht in privater Handverbleiben darf.“
Applaus.
Bis 2012 sieht Hellmeyer inEuropa keine Hyperinflation heraufziehen – „für die USA und England schaut dasetwas anders aus.“ Ansonsten stehe ein „goldiges Jahr“ bevor, da unter anderemdie asiatische Nachfrage nicht nachlassen würde, darauf sei Verlass. DerGoldpreis wird, seiner expressis verbis„konservativen Prognose“ zufolge, Ende2010 bei 1500 Dollar liegen.
Er rät: „Nutzen Sie die Zeit,solange der Preis so niedrig ist! Nehmen Sie die Einladung desPreisdrückungskartells an!“
Damit ist Hellmeyer allmählichdurch. Noch ein paar Fragen und Antworten, dann muss er weg, den Flieger zurücknach Bremen bekommen.
Ein weiterer Kaffee ruft.
Stopbuying our bonds!
Von der Kaffeetheke zurück zumStand von „GoldMoney“, schauen, ob James Turk eingetroffen ist. So ist’s. Turk,der der bescheidene Auftritt in Persona zu sein scheint, plaudert mit demVerfasser dieses Textes über dies und das, so zum Beispiel über die deutschenGoldreserven, die in den USA lagern. Ein kurzer Austausch hierüber reicht: inden nächsten Tagen bringt MMNews ohnehin ein ausführliches Interview mit JamesTurk auch zu dieser Frage.
Nach ein paar Absprachen zumInterview folgt der Abschied. Turk muss sich den nächsten Kundengesprächenwidmen.
Der Verfasser des Textes nimmteinen Ortswechsel vor, indem er sich mit dem Taxi zum Innhotel bringen lässt,wo Chris Powell vom Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) für die Zeit derMesse wohnt.
Wir treffen uns in der Hotelbar.Das dreistündige Gespräch, das wir führen, kreist um vieles, nicht nur um Goldallein. Ich spreche Powell auf den Vortrag von Folker Hellmeyer an,insbesondere den Punkt, siehe oben, „dassdie FED nicht in privater Hand verbleiben darf.“
Selbstredend unterstützt Powelldiese Position. In der “Audit the Fed“-Initiativevon Congressman Ron Paul, den er letzte Woche noch getroffen habe, sieht ereine Chance hierfür und gibt sich optimistisch: “This could shake up things inWashington.“
An die übrige Welt richtet er denAppell: “Stop buying our bonds! This is what is paying our wars and ourstupidity.“
Wir kommen auf Papiergold zusprechen. Papiergold sei die Basis aller Preisdrückungsaktivitäten auf demGoldmarkt: „If the holders of paper gold withdraw their holdings he systemwould collapse because the banks have not enough physical gold.“ Würde diesgeschehen, hätte das eine Preisexplosion sondergleichen zur Folge.
Was Chris Powell ferner zurGoldpreismanipulation zu sagen hat, das entnehme man seinem Redemanuskript fürdie Messe in München, nachzulesen hier: Gold suppression is public policy and public record, not 'conspiracy theory'.



