Kaum ist der ESM beschlossen, kommt der Ruf nach mehr Geld. G20-Vorsitzender fordert von Europäern mehr Anstrengungen bei Euro-Rettungsfonds. Mexikanischer Notenbankchef Carstens: "Privatsektorbeteiligung war ein schwerer Fehler".
Die G20-Staaten drängen die Euro-Staaten dazu, die Mittel für die Euro-Rettungsfonds zu erhöhen. „Die Europäer müssen größere Anstrengungen unternehmen“, sagte Mexikos Notenbankchef Agustín Carstens, dessen Land in diesem Jahr den 20 führenden Industrie- und Schwellenländern (G20) vorsteht, der Financial Times Deutschland (Donnerstagsausgabe). „Das wird die anderen G20-Staaten dazu bringen, den IWF stärker zu unterstützen“.
Carstens machte deutlich, dass der IWF sein Engagement in Griechenland verringern dürfte. Die IWF-Beteiligung am griechischen Programm sei höher als bei anderen Programmen in der Vergangenheit. „Deshalb ist es angemessen, wenn der Fonds sein Engagement einschränkt“, sagte der Notenbankchef.
Carstens kritisierte zudem den Beschluss der Euro-Staaten von 2011, private Investoren im Kampf gegen die Schuldenkrise an Verlusten bei Staatsanleihen zu beteiligen. „Die Privatsektorbeteiligung war ein schwerer Fehler“, sagte der Geldpolitiker. „Die Ankündigung von Privatsektorbeteiligung hat zu Ansteckungseffekten in anderen europäischen Ländern geführt.“ Banken sind auf Verluste aus Staatsanleihen nicht vorbereitet. In Deutschland hat besonders die Commerzbank ein hohes Exposure von entsprechenden Anleihen der Südschiene.
Europa habe aber inzwischen verstanden, dass diese Politik nicht funktioniere, erklärte der Gouverneur der Banco de México. „Deshalb legt Europa heute größten Wert darauf, jedem zu versichern, dass Griechenland ein einmaliger Fall bleibt.“
Abgesehen vom Dringen auf die Beteiligung des Privatsektors bewertet Carstens die Rolle Deutschlands in der Euro-Krise positiv. „Es ist schwer, dauernd das Land zu sein, das andere Länder der Euro-Zone zu Disziplin und Konsolidierung aufruft“, sagte Carstens. „Alles in allem verhält sich Deutschland in seiner Rolle als Anker der Euro-Zone sehr konstruktiv.“