Nach den beiden EZB-Geldspritzen von über 1000 Milliarden Euro sorgen sich die Aufseher, ob die Banken der Euro-Zone jemals wieder von dem billigen Geld loskommen. Doch Alternativen gibt es offenbar derzeit nicht. Nur mit der EZB-Stütze überleben die maroden Geldhäuser.
Wenige Monate nach den beiden Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) von insgesamt über 1000 Mrd. Euro sorgen sich die Aufseher, ob die Banken der Euro-Zone jemals wieder von dem billigen Geld loskommen. Nach Informationen der Financial Times Deutschland (Mittwochsausgabe) hat die in London ansässige europäische Bankenaufsicht EBA damit begonnen, einzelne Banken danach zu befragen, wie sie sich in Zukunft refinanzieren wollen – und zwar ohne weiteres Notenbankgeld.
Mit den erstmals im Dezember 2011 und erneut im Februar ausgegebenen Hilfen hatte EZB-Präsident Mario Draghi entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Märkte in der Euro-Zone beruhigten. Die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte ermöglichten Hunderten Banken, sich zum Traumzins von einem Prozent für drei Jahre Geld zu leihen. Doch nun macht die Bankenaufsicht EBA den Instituten Druck, darüber nachzudenken, dauerhaft ohne diese Geldspritzen auszukommen. „Wir fragen die Banken, wie sie da wieder rauskommen wollen. Sie sollen sich über das Danach Gedanken machen, die Rückkehr zur Normalität – und welche Quellen sie dann anzapfen wollen“, sagte ein mit den Vorgängen Betrauter. Es handele sich allerdings nicht um einen systematischen Test.
Die EBA befürchtet, dass sich viele Banken mit dem Geldregen einrichten könnten, vor allem weil klassische Refinanzierungsmittel wie unbesicherte Anleihen teurer geworden sind. „Auf lange Sicht müssen große Teile dieser Gelder natürlich ersetzt werden, aber dafür muss erst mal ein Markt da sein, und die Frage ist dann, zu welchen Preisen“, sagte Harm Semder, Analyst bei Standard & Poor’s (S&P).
Genau das ist aber das Problem: Denn das Vertrauen unter den Banken ist immer noch labil. Besonders Banken in den südeuropäischen Krisenstaaten müssen heftige Aufpreise für unbesicherte Anleihen zahlen. Die Regulierung macht Bankanleihen als Geldanlage für andere Banken zudem unattraktiver, weil nur noch Papiere von Banken bester Bonität zu den rasch verkäuflichen Liquiditätsreserven nach Basel III zählen sollen. „Eigentlich investieren Banken gern in andere Banken. Wenn das wegfällt, wird es wirklich furchterregend“, sagte Luis Maglanoc, Analyst bei Unicredit.



