Panzer statt Passat. Munition statt Motor. Rüstungsaufträge werden als letzte Hoffnung gehandelt. Der Staat greift zum Scheckbuch. Bezahlt wird mit Steuern und Schulden und das in Rekordhöhe.
Von Meinrad Müller
Die deutsche Industrie steckt fest. Autos verkaufen sich schlecht, allein 2025 hat die Branche über 48.700 Jobs verloren, Werke werden geschlossen, wie bei VW in Dresden Ende 2025. Arbeitsplätze wackeln massiv. Die Politik sucht einen Ausweg. Und sie findet ihn dort, wo der Staat selbst Kunde ist. Bei der Rüstung.
Panzer statt Passat. Munition statt Motor. Was als Sicherheit verkauft wird, ist ein staatliches Rettungsprogramm für Industrien, die am Markt nicht mehr bestehen. Der Staat greift zum Scheckbuch. Bezahlt wird mit Steuern und Schulden und das in Rekordhöhe.
Deutschland stellt um auf Kriegsindustrie
Peter Hahne benennt es klar und schonungslos: Deutschland stellt um auf Kriegsindustrie. Nicht schlagartig, sondern Schritt für Schritt. Nicht nur klassische Rüstungskonzerne wie Rheinmetall profitiert, Auftragsbestand auf über 63 Milliarden Euro, Umsatz 2024 um 36 Prozent gesteigert. Auch große Industrieunternehmen sollen Militärprodukte liefern, Zulieferer aus der Auto-Branche setzen verstärkt auf Rüstung. Wer gestern zivile Güter herstellte, produziert morgen für den Staat.
Der Staat ist dabei nicht neutraler Schiedsrichter. Er ist Auftraggeber. Er definiert den Bedarf. Er garantiert die Abnahme. Markt spielt keine Rolle mehr.
Warum die Autoindustrie schwächelt
Die Ursachen sind bekannt und politisch gemacht. Der Verbrenner wurde politisch beendet. Jetzt wird er künstlich beatmet. Das Elektroauto überzeugt die Käufer nicht. Energie ist teuer. Bürokratie lähmt. China kauft weniger, dominiert stattdessen den Markt. Investitionen lohnen sich kaum noch. Der Absatz bricht ein. Werke geraten unter Druck, Stellenabbau in Zehntausenden.
Was politisch verursacht wurde, soll nun politisch kaschiert werden. Mit Staatsaufträgen für Rüstung.
Verdreifachung der Militärausgaben bis 2029
Bis 2029 sollen die Militärausgaben auf rund 153 Milliarden Euro verdreifacht werden. Von gut 52 Milliarden 2023 auf 152,8 Milliarden, wie die Regierung plant. Das ist kein Geheimnis: Die NATO-Quote steigt auf 3,5, dann auf 5,0 Prozent des BIP. Neue Programme laufen an, Produktionslinien werden umgebaut. Arbeitsplätze werden versprochen, aber abhängig vom Staat.
Der Staat schafft Nachfrage. Nicht, weil sie gebraucht wird. Sondern weil sie bezahlt werden kann. Auf Pump.
Rüstung schafft keinen Wohlstand
Rüstungsgüter sind keine normalen Produkte. Sie verbessern keinen Alltag. Sie erhöhen keinen Lebensstandard. Sie schaffen keinen nachhaltigen Wert. Sie sind dafür gemacht zu zerstören.
Rüstung frisst Geld. Rüstung frisst Material. Rüstung frisst Arbeitskraft. Und wenn sie eingesetzt wird, frisst sie Städte, Infrastruktur und Leben. Das ist kein Wachstum. Das ist Verbrauch.
Man macht mit. Wie schon einmal
Und trotzdem machen alle mit. Auch jene, die am Wochenende „Nie wieder Krieg“ auf Friedensdemos rufen. Am Montagmorgen stehen sie wieder am Werkstor. Nicht aus Überzeugung. Sondern aus Notwendigkeit. Die Miete ist fällig. Das Konto muss gefüllt werden. Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Brecht hatte Recht.
So begann es schon einmal. Vor 90 Jahren. Erst kam der Job. Dann die Abhängigkeit. Dann das Wegsehen. Man nannte es Arbeitssicherung. Man nannte es Aufschwung. Das Ende kennt die Geschichte.
Rüstung rettet keine Industrie. Sie macht sie abhängig vom Staat. Und sie macht ein Land ärmer. Erst wirtschaftlich. Dann moralisch.
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