Die Weltbörsen korrigierten im Juli leicht. Viele osteuropäische Märkte konnten sich jedoch gut behaupten oder sogar weiter zulegen. Besonders stark präsentierte sich die Börse in Bukarest mit einem Plus von 39 %.
Von Andreas Männicke
Sowohl der Krieg zwischen Iran und den USA als auch der Ukrainekrieg scheinen derzeit kein Ende zu finden. Nach dem US-Angriff auf iranische Ziele wurde erneut über eine mögliche Schließung der Straße von Hormus spekuliert. Der Brent-Ölpreis reagierte sofort und stieg zeitweise um rund 20 % auf über 87 US-Dollar pro Barrel.
Die Ukraine greift mit Drohnen inzwischen nicht nur russische Raffinerien tief im Landesinneren an, sondern zunehmend auch Tanker und Fähren im Asowschen Meer. Damit soll offenbar die russische Schattenflotte geschwächt werden. Beide Konflikte bergen weiterhin erhebliches Eskalationspotenzial, weshalb manche Beobachter bereits vor einer größeren internationalen Ausweitung warnen.
Die Weltbörsen korrigierten im Juli leicht. Viele osteuropäische Märkte konnten sich jedoch gut behaupten oder sogar weiter zulegen. Besonders stark präsentierte sich die Börse in Bukarest mit einem Plus von 39 % beim ROTX-Index. Auch Ungarn (+30 % im HTX-Index) und Kasachstan (+26 % im KTX Local Index) entwickelten sich deutlich besser als der S&P 500 (+9 %) oder der DAX (+1 %).
Diese Märkte und zahlreiche Einzelwerte werden im Börsenbrief East Stock Trends ausführlich analysiert. Die nächste Ausgabe enthält ein Ungarn-Spezial unter dem Titel „Paprika ins Depot!“. Trotz der deutlichen Outperformance werden Osteuropa-Börsen in vielen westlichen Medien weiterhin nur am Rande behandelt.
Andreas Männicke erläutert seine Einschätzungen regelmäßig im Börsenbrief East Stock Trends sowie im aktuellen Video von EastStockTV (Folge 270 auf YouTube).
Droht eine neue Energiekrise?
US-Präsident Donald Trump bewegt mit seinen Aussagen erneut die Märkte. An der Börse wird inzwischen häufig der Spitzname „Tako-Man“ verwendet – eine Anspielung auf „Trump Always Chickens Out“, also die Einschätzung, dass harte Drohungen später oft wieder relativiert werden.
So kündigt Trump wiederholt ein hartes Vorgehen gegen den Iran an, rudert anschließend jedoch zurück und betont die Suche nach einer Verhandlungslösung. Wer künftig die Kontrolle über die Straße von Hormus ausübt, bleibt abzuwarten. Im ungünstigsten Fall könnte daraus tatsächlich eine neue Energiekrise entstehen.
Gleichzeitig bemühen sich mehrere Staaten, darunter Pakistan, weiterhin um diplomatische Lösungen. Der Nahe Osten bleibt damit ein geopolitisches Pulverfass, zumal auch der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon andauert.
Diskussion um möglichen Insiderhandel
In den USA wird erneut darüber diskutiert, ob politische Aussagen des Präsidenten erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben und informierten Marktteilnehmern Vorteile verschaffen könnten. Hintergrund sind die starken Schwankungen bei Ölpreisen, Aktien und Kryptowährungen nach wichtigen Ankündigungen auf Plattformen wie X oder Truth Social.
Der Bitcoin konnte sich zuletzt wieder etwas erholen und notierte zeitweise über 64.000 US-Dollar, bleibt aber weiterhin stark von politischen und regulatorischen Erwartungen abhängig.
Regierungsumbildung in der Ukraine sorgt für Kritik
Beim Ukrainekrieg hielt sich Trump zuletzt eher zurück. Stattdessen sorgt die angekündigte Regierungsumbildung in Kiew für Diskussionen. Präsident Wolodymyr Selenskyj tauschte mehrere Minister und Behördenchefs aus und nominierte Serhij Korezkyj, den bisherigen Chef des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, als neuen Ministerpräsidenten.
Besonders umstritten ist die Abberufung von Verteidigungsminister Fedorow, der als wichtiger Organisator des ukrainischen Drohnenprogramms galt. Kritiker befürchten, dass Transparenz und Korruptionsbekämpfung im Verteidigungsbereich geschwächt werden könnten. In Kiew kam es bereits zu Protesten gegen die Personalentscheidungen.
Drohnenkrieg belastet Russland zunehmend
Die ukrainischen Angriffe auf Raffinerien und Treibstofflager zeigen offenbar Wirkung. In mehreren Regionen Russlands kam es zu Versorgungsengpässen bei Benzin. Auch auf der Krim wurden Einschränkungen bei Strom- und Wasserversorgung gemeldet.
Der russische Aktienmarkt reagierte deutlich: Der MOEX-Index verlor zeitweise mehr als 20 % und fiel auf das Niveau vom Frühjahr 2022 zurück. Gleichzeitig geriet auch der Rubel unter Druck.
Eskalationsgefahr und „rote Linien“
Der Westen baut seine militärische Unterstützung für die Ukraine weiter aus. Deutschland stellt 2026 mehr als 11 Milliarden Euro bereit, die EU plant umfangreiche Kreditprogramme, und die NATO hat Hilfen in dreistelliger Milliardenhöhe angekündigt.
Kritiker warnen davor, dass damit frühere „rote Linien“ überschritten werden könnten. Befürworter sehen darin hingegen eine notwendige Unterstützung der Ukraine. Gleichzeitig wächst die Forderung nach diplomatischen Initiativen und direkten Verhandlungen mit Russland.
Friedensdividende bleibt vorerst aus
Aus Sicht vieler Anleger wäre ein Ende der Kriege die wichtigste positive Überraschung. Eine sogenannte Friedensdividende könnte weltweit für deutlich bessere Stimmung an den Märkten sorgen. Derzeit ist eine solche Entwicklung jedoch noch nicht in Sicht.
Stattdessen rücken Unternehmen aus dem Bereich Drohnen- und Verteidigungstechnologie zunehmend in den Fokus der Investoren. Der Bedarf an unbemannten Systemen steigt weltweit weiter an.
Osteuropa bleibt der klare Outperformer
Besonders stark bleibt der rumänische Markt. Mehrere große Standardwerte sind inzwischen auch an deutschen Börsen handelbar. Aktien wie Romgaz und Transgaz konnten sich seit ihrer stärkeren internationalen Wahrnehmung teilweise mehr als verdoppeln.
Auch Österreich profitiert von der Stärke Osteuropas. Der ATX-Index gewann rund 19,7 % und zählt damit ebenfalls zu den stärkeren Börsen weltweit. Banken wie Erste Group und Raiffeisen Bank International, die einen großen Teil ihrer Gewinne in Osteuropa erwirtschaften, gehören zu den wichtigsten Kurstreibern.
Eine interessante Aktie an der Wiener Börse ist zudem die Schweizer K2G Holding AG (WKN A40BDJ). Das Unternehmen analysiert mithilfe von Künstlicher Intelligenz große Datenmengen, um optimale Preise und Risikoprämien für Versicherungen zu ermitteln. Die Gesellschaft ist auch im Baltikum aktiv und strebt nach eigenen Angaben bereits im kommenden Jahr die Profitabilität an.
Melden Sie sich auch unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, wenn Sie Interesse an einem neuen BRICS Newsletter von Andreas Männicke haben.




