Ähnlich wie der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz täuschte Trump seine um die steigende Staatsverschuldung durchaus besorgte Wählerschaft. Fakt ist: die Staatsschulden explodieren überall. Die Konsequenzen sind bitter.
Von Claus Vogt
In seinem großspurigen Wahlkampf des Jahres 2024 schrieb sich der amtierende US-Präsident Donald Trump noch eine Kehrtwende bezüglich der in den vergangenen Jahrzehnten stetig angewachsenen Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten auf die Fahne. Kurz nach seinem Amtsantritt betraute er sogar niemand Geringeren als Elon Musk sehr medienwirksam mit der Aufgabe, die Staatsausgaben und das strukturelle Haushaltsdefizit zu senken, also Staatschulden abzubauen.
Von diesem Wahlversprechen ist inzwischen nichts mehr übriggeblieben. Ähnlich wie der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz täuschte Trump seine um die steigende Staatsverschuldung durchaus besorgte Wählerschaft und fuhr dort fort, wo sein Vorgänger Joe Biden aufgehört hatte. Seit Trumps zweiter Amtsübernahme ist die US-Staatsschuldenquote um über zwei Prozentpunkte angestiegen. Dass diese politische Fehlentwicklung in Zukunft durch andere politische Akteure korrigiert wird, halte ich aufgrund meiner makroökonomisch-politischen Analyseergebnisse für nahezu ausgeschlossen.
Staatsverschuldung in der Theorie
Eine sehr nützliche „Daumenregel“ der ökonomischen Theorie rund um das Thema Staatsverschuldung liefert einen guten Ansatz, zum Verständnis der Staatsverschuldung zur Analyse der tatsächlich bestehenden fiskalischen Situation einzelner Staaten. Die stark vereinfachte Kernaussage dieser Regel lautet, dass das Verhältnis zwischen dem jährlichen Haushaltsüberschuss bzw. -defizit und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) dem Verhältnis zwischen der gesamten Staatsschuldenlast und dem BIP entsprechen sollte. Nur wenn diese Bedingung erfüllt ist, die beiden Verhältniszahlen also identisch sind, kann der Staat seine bereits bestehende Schuldenlast im Verhältnis zum BIP konstant halten.
Wirtschaftswachstum, das heißt ein steigendes BIP, kann die fiskalische Situation entspannen, niedrigere Zinsen ebenfalls. Außerdem kann Inflation die reale Schuldenlast senken.
Schönrednerei in der Praxis
Es ist davon auszugehen, dass Trump durch seine Berater über diese Zusammenhänge informiert ist. Um die US-Staatsfinanzen zumindest auf ihrem jetzt schon verheerend hohen Niveau von 124% des BIP zu halten oder sie gar abzusenken, wäre eine Erhöhung der Steuereinnahmen oder eine Senkung der Staatsausgaben eine Option.
Eine andere Möglichkeit für das Team Trump besteht darin, sich durch unrealistisch optimistische Wachstumsprognosen die zukünftige Staatsverschuldung „schön zu rechnen.“ Die von Seiten des Weißen Hauses vorgestellten Prognosen von 3% realem Wirtschaftswachstum für das Jahr 2026 sprechen dafür, dass Trump sich nicht mit konservativeren Wachstumsprognosen aufhält. Hier besteht also das Risiko, dass mit einem höheren fiskalischen Spielraum geplant wird, als tatsächlich vorhanden ist.
Teufelskreis Zins und Inflation
Die Zinsen und die Inflationsrate spielen bei Überlegungen zur Staatsverschuldung ebenfalls eine wichtige Rolle. So wäre ein Zinsanstieg eine Katastrophe für Trump und den durch die anfallenden Zinszahlungen von über einer Billion Dollar pro Jahr stark belasteten US-Haushalt. Das Szenario signifikant steigender Zinsen würde die Vereinigten Staaten in eine Bredouille bringen, aus welcher es nur einen Ausweg gibt: Inflation.
Jährliche Zinszahlungen der US-Regierung in Mrd. $, 1950 bis 2026

Die auf den Staatsschuldenberg der USA anfallenden Zinszahlungen betragen inzwischen über 1.2 Billionen Dollar pro Jahr. Quelle: St. Louis Fed; krisensicherinvestieren.com
Auf steigende Anleihenzinsen wird die US-Zentralbank Fed mit Käufen von US-Staatsanleihen reagieren – auch unter dem neuen Fed-Präsidenten Kevin Warsh. Damit kann sie die Zinsen zwar auf das von ihr gewünschte Niveaus manipulieren, erhöht dadurch aber die Geldmenge und bestiehlt die Bürger indirekt durch höhere Inflationsraten. Politiker haben keine Anreize, sich dieser Vorgehensweise entgegenzustellen, da Geldentwertung den Spielraum für zusätzliche Staatsschulden erweitert.
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Die hier skizzierte Analyse lässt sich natürlich auf Europa übertragen. Der große Verlierer dieses teuflischen Politikkreislaufs sind letztendlich Sie, da Ihr Erspartes auf Kosten von Staatskonsum-Exzessen regelrecht verbrannt wird.
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